Regisseur Yoav Shamir geht in seiner Doku Defamation der Frage nach, ob Antisemitismus heute noch existiert, und wenn ja, welche Rolle er spielt.
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Kritik
„Wir haben Angst, hinaus auf die Straße zu gehen, weil die uns nicht haben wollen. Die wollen uns umbringen.“ Worte einer israelischen Schülerin, die mit ihrer Klasse das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz besucht. Ihnen wird von Kindesbeinen an eingeimpft, dass die ganze Welt Juden hasse und sie außerhalb Israels nicht sicher sind. Gibt es Antisemitismus? Auf einer Parkbank beginnen drei ältere Herren zu witzeln, als sie mit den Schülerinnen ins Gespräch kommen und von ihrer Religion erfahren.
Regisseur Yoav Shamir bezeichnet sich als Jude, der zwar ständig von Antisemitismus hört, aber selbst noch nie Opfer einer Diffamierung geworden ist. Daher begibt er sich auf die Suche nach der Realität dieses Begriffes. Er interviewt seine Großmutter, die auf die amerikanischen Juden schimpft. Er trifft auf Vertreter der ADL (Anti Defamation League) und deren Gegner, wie den israelkritischen Autor Norman Finkelstein ("The Holocaust Industry"). In New York spürt er den ethnischen Konflikten zwischen Schwarzen und Juden nach. Und begleitet die eingangs erwähnte Schulklasse auf ihrer Exkursion nach Auschwitz, wo sie von der polnischen Bevölkerung systematisch abgeschirmt werden.
In rein filmischer Hinsicht mag die Dokumentation vielleicht nicht gerade vom Kinosessel blasen, inhaltlich ist sie jedoch aktuell und bietet spannende wie kontroverse Einblicke in ein wichtiges gesellschaftspolitisches Thema. Shamir bleibt bei seinen Recherchen weitgehend neutral, seine Gesprächspartner hingegen verblüffen immer wieder mit teils doch recht schockierenden Ansichten und Aussagen. Ob die ADL, die im Film noch ihre große Hilfsbereitschaft gegenüber Shamir signalisiert, das auch jetzt noch tun würde, ist mehr als fraglich – sie wirft dem Regisseur mittlerweile vor, Antisemitismus und den Holocaust zu verharmlosen, und unterstellt ihm eine „perverse persönliche und politische Perspektive“.
Politisch Interessierte sollten sich diesen Film keinesfalls entgehen lassen!