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Ein Engel

LSD bis AIDS: Durch die Jahre führt der Weg eines einzigartigen Menschen, bis er seine Heimstatt findet – und Colin Farrell erhält durch ihn die Chance, seinen üblichen Rollenschemen zu entfliehen.


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Betrachtet von Thomas Taborsky


1967: Bobby Morrow (Andrew Chalmers) wird von seinem älteren Bruder Carlton (Ryan Donowho) auf den ersten LSD-Trip geschickt und in die Geheimnisse des Lebens eingeweiht. Kurz darauf läuft Carlton im Drogenrausch durch eine Glastür und stirbt.
1974: Bobby (Erik Smith) trifft in der High School den verschlossenen Jonathan (Harris Allan). Die beiden freunden sich mehr als an, und auch Johnnys Mutter (Sissy Spacek) vermag in Bobbys Gegenwart aus ihrem häuslichen Leben auszubrechen.
1982: Johnny (Dallas Roberts) lebt inzwischen zusammen mit Clare (Robin Wright Penn) in New York. Als Bobby (Colin Farrell) in die WG mit einzieht, entwickelt sich eine schwierige Dreiecksbeziehung – schwierig vor allem für Johnny.

Kritik
Eine Familie: Clare (Robin Wright Penn), Bobby (Colin Farrell) und Johnny (Dallas Roberts) am Grand CanyonDrogen, Schicksale, Tränen, Tod – Das unwahrscheinlichste, was diese Ansammlung hervor bringen kann, ist ein Film, der ein zutiefst wohliges Gefühl vermittelt. Seine Hauptfigur benennt sich selbst einmal als letzten seiner Art - jener Bobby Morrow, der im Schock die wunderbare Welt seines toten, älteren Bruders übernimmt, eine Welt, in der er wählen kann, ob er "to Morrow" oder "tomorrow" sieht, wenn er seine Trips auf dem Friedhof neben dem Elternhaus einwirft. Später wird er die Hippie-Haare ablegen und die -Einstellung zum Leben behalten, nicht umgekehrt wie so viele seiner Generation. Denn er liebt weiter, bedingungslos und vorbehaltlos; Ja, über ihn zu sagen, er sei homo-, hetero-, bi- oder einfach nur sexuell: Nichts davon wäre richtig, denn er liebt, und es macht ihn so unendlich glücklich, dass es nur zutreffen kann, wenn zu ihm gesagt wird, er sei ein "seltsames und mysteriöses Geschöpf", "ein Engel".

Dass Colin Farrell als erwachsener Bobby Morrow besetzt wurde, kommt schlichtweg unerwartet. Nach mittlerweile Jahren von Thrillern und Actionfilmen, gerade, als in Vergessenheit geriet, dass er es jemals gewesen sein könnte, beweist Farrell aber, dass er ein begnadeter Schauspieler sein kann, wenn die Möglichkeit dazu besteht. Der Rest des Ensembles assistiert ihm dabei, ein außergewöhnliches Drama über Einsamkeit und Zuneigung zu schaffen, und - wie der Titel schon andeutet - über die Bedeutung des Worts "Zuhause". Besonders sticht dabei Dallas Roberts heraus, der als Johnny immer wieder das Gefühl vermittelt, wie allein man unter Menschen sein kann. Der einzige Störfaktor in einem sonst rundum einfühlsamen, intimen Streifen sind manch abgedroschene Inhaltskniffe, mit denen The-Hours-Autor Michael Cunningham vermutlich einige Situationen ausmalen wollte, den Film aber nur näher zu einem Klischee rückt, das er nicht nötig hat.