Dem rigorosen Sparprogramm der neuen britischen Regierung soll nun die zentrale Filmförderstelle zum Opfer fallen. Wer deren Aufgaben übernehmen soll, bleibt völlig offen.
Ans Eingemachte geht das liberal-konservative Kabinett Cameron auch im Kulturbereich. Jüngstes Ziel der Zusammenlegungs-, Stutzungs- und Schließungspläne ist das UK Film Council, das völlig überraschend aufgelöst werden soll. Laut dem Chef der Organisation, John Woodward, fiel die am Montag bekannt gegebene Entscheidung ohne Zurateziehung und ohne Vorwarnung durch Kulturstaatssekretär Jeremy Hunt. Betroffen sind 75 Mitarbeiter.
Das UKFC ist nicht die einzige Kultur-Dachorganisation, die dem Rotstift von Tories und Liberalen zum Opfer fallen soll: Auch das Ende des Museums, Libraries and Archives Council ist bereits beschlossene Sache. Vor dem Parlament begründete Hunt sein Vorhaben mit den wegfallenden Kosten: Aus den jährlich 60 Millionen Budget gingen drei als Verwaltungsaufwand ab - ein Betrag, der besser bei den Filmemachern aufgehoben sei. Schon die Vorgängerregierung unter Premier Gordon Brown hatte eine Fusion des Film Council mit dem British Film Institute angestrebt, was allerdings durch den Status des renommierten BFI als karitative Organisation und die Frage, wer eigentlich wen übernehmen solle, kein Ergebnis brachte.
In der nationalen Branche löste die Entscheidung zur Schließung des UKFC Enttäuschung bis scharfe Verurteilung aus. Der zersplitterten Industrie käme das Bindeglied abhanden, so der Tenor. Auch den Vorwurf, der Schritt sei wirtschaftlich unkundig, muss Hunt auf sich sitzen lassen, ließ er doch offen, wer die vielfältigen Aufgaben des Film Councils übernehmen werde. An der Lösung dieser Fragen würde seine Behörde in den nächsten Wochen arbeiten.
Gegründet wurde das UK Film Council im Jahr 2000 als vom Staat finanzierte aber unabhängig agierende Institution. Seither war es dafür zuständig, Geld, das aus den Einnahmen der Staatlichen Lotterie für die Kulturförderung bereitgestellt wurde, in alle Bereiche der britischen Filmwirtschaft zu pumpen - jährlich 15 Millionen Pfund allein in Entwicklung, Produktion und Fertigstellung von bislang 900 Arbeiten. Unterstützend betätigt sich die Organisation auch im Filmexport und im Import und mit zwei Mio pro Jahr in der Verleihförderung kulturell wertvoller internationaler Filme. Neben der Verteilung von Geldern an nationale und regionale Organisationen, Festivals und in die Filmvermittlung stellte das UKFC ebenfalls die Mittel für die Digitalisierung von 240 britischen Kinosälen bereit. Aus jedem Pfund, das aus den Lotterien investiert wurde, so das UKFC, wurden fünf Pfund für die Volkswirtschaft.
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