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Ödipus-Tragödie in Pink
(c) Crossing EuropeAuf nach Absurdistan: Mit My Son, My Son, What Have Ye Done setzt Werner Herzog seine Erkundungstour im Hollywood-Repertoire fort - um es sogleich zu pervertieren. Ein Höhepunkt der Nachtsicht bei Crossing Europe 2010.


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Kritik

"Based on a true story." Verfälschender und verheißungsvoller zugleich kann ein Zusatz wie hier nicht sein. 1979 zerteilt ein junger Mann seine Mutter mit einem antiken Schwert. Die Sensationsgeilheit der Medien bringt eine obskure Perureise samt Sektengründung zutage.

Was macht Werner Herzog daraus? Zuerst einmal Flamingos. Der Tatort ist eine pink leuchtende Villa in San Diego. Davor begrüßen zwei der als Haustiere gehaltenen Langbeiner die Gäste. Porzellan, Bierdeckel - kaum ein Gegenstand, der dem Spleen der Bewohner nicht gerecht wird. Am Tisch sitzen in einer der vielen Rückblenden Mutter McCallum, Sohn Brad (Michael Shannon) und dessen (etwas einfältige) Geliebte Ingrid. Eine fatale Ödipus-Konstruktion, in deren Zentrum die zwischen Verwirrung und purer Gehässigkeit wandelnde Grace Zabriskie steht. Die ehemalige Mutter von Hollywoods berühmtester Wasserleiche Laura Palmer ist nicht der einzige Konnex zu David Lynch. Der Meister des Surrealen hat My Son, My Son, What Have Ye Done produziert - und seinen deutschen Kollegen unübersehbar inspiriert.

(c) crossing europe
Zwei Widersacher Aug in Aug; Willem Dafoe und Michael Shannon

Die Einvernahme von Ingrid und Brads Schauspiellehrer (Udo Kier, dessen Sonnenbrille hier noch mehr leidet als ein native speaker unter Kiers "th") durch einen Cop mit dem göttlichen Namen Hank Havenhorst bildet - nebst Fingerübung für Willem Dafoe - den Rahmen für eine surreale Bilderreise par excellence. Von Peru über Mexiko, von Straussenfarm zum Zwergentanz im Wald. 
Für Werner Herzog ist es auch eine Reise in die Vergangenheit: Der gebeutelte Held wandert am Ufer des Urubamba-Flusses entlang, dem Herzog schon in Fitzcarraldo ein Denkmal gesetzt hat. Wie in vielen seiner Filme spielt die Natur die eigentliche Hauptrolle - eine unüberwindliche Quelle der Verrohung, die in Brad den Wunsch nach Beendigung seiner Qualen hervorruft und für seine mörderischen Obsessionen mitverantwortlich ist.

Apropos Obsessionen: My Son, My Son, What Have Ye Done ist ein Glücksfall der Obsessionen zweier Filmemacher, die den Zuschauer an der Hand nehmen.


Zitat
Brad McCullum: "God is here! But I don't need him anymore!"
Website zum Film:
http://www.myson-myson.com/