Eben erst ist mit Sylvie Testud der erste sichtbare europäische
Anteil dieser Koproduktion ausgemacht, schon lautet die Devise: Vollgas.
Donnernde Maschinengewehrsalven durch die Haustür. Hereinstürmende Gangster, die
mit äußerster Brutalität Mann und Kinder hinrichten. Nur die von Testud
verkörperte Irene überlebt. Auf der Intensivstation verspricht ihr der Vater, an
den Mördern ihrer Familie Rache zu nehmen.
Er, Costello - ein wortkarger
Großstadtcowboy, der mit Trenchcoat, Hut und dunkler Sonnenbrille wie eine
Karikatur eines Film Noir-Detektiven wirkt. Ein spätes Geschenk für Frankreichs
68er-Ikone Johnny Hallyday, dem To hier ausreichend Raum für einen
ironisch gebrochenen Feldzug gegen Macaos (und Hongkongs) Triadennetz bietet. Hallyday legt
seine Rolle pendelnd zwischen urbaner Coolness und endzeitlicher Depression an.
Ein Mann, der noch einmal Gerechtigkeit für sich und seine Familie will und
dafür sämtliche materiellen Werte aufgibt. Geld und Restaurant des – wie sich
später herausstellt – ehemaligen, aber noch immer schussfertigen Agenten gehen
an ein von ihm angeheuertes Auftragskillertrio.
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| Johnny Hallyday nimmt Rache |
Das ist der Auftakt zu einem routinierten
Johnny To-Actionrodeo, das
sich mit trickreich inszenierten Duellen, etwa einem furiosen
Licht-Schatten-Schusswechsel im Dunkel eines Waldes, von durchschnittlichem
Hongkong-Kino abhebt. Dazu bricht To immer wieder mit dem raschen Rhythmus
seines Films, schweisst die so unterschiedlichen Figuren Costello und die drei
Gangster zu einem seltsamen Bund zusammen. Dies umso mehr, als der
hauptberufliche Koch mit einem dramaturgisch probaten Makel behaftet ist: Seit
sich 2 Kugeln in seinen Kopf verirrt haben, leidet Costello an akuter
Vergesslichkeit. Daraus entspringen – zum Teil naiv inszenierte Fragestellungen
– wie die Sinnhaftigkeit von Gewalt, die stets Gegengewalt hervorruft. Doch
Anzeichen von Moralinjektionen sind schnell vergessen, wenn Hallyday sich im
Finale einem scheinbar unbezwingbaren Gegner stellt...