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Diagonale 2010, Tag 5 & 6: Nackte Fakten


© David Rams
Bevor sich die Diagonale zum letzten Mal einer ganz persönlichen, intensiven Nachbetrachtung unterziehen muss, wurden an den letzten beiden Festivaltagen die übrigen Gewinner gekürt und ein erstes Resümee zum Festival des österreichischen Films gezogen.

Ein letztes Mal durfte man auf der diesjährigen Diagonale gemeinsam meditieren - sogar hoch offiziell auf der diesjährigen Diagonale-Preisverleihung, ginge es nach Moderatorin Pia Hierzegger. Dass die Preisverleihung dann doch recht schmerzlos und zuweilen sogar durchaus unterhaltsam vonstatten ging, war nicht nur Hierzeggers herrlich trocken eingesetztem Humor zu verdanken, sondern auch der Übersiedlung von der Postgarage in das fast benachbarte Orpheum in der Grazer Innenstadt. Ausgedient hatte also der Kampf der zwei Klassen Sitz-oder-Stehgesellschaft: An Plätzen mangelte es in der noch nicht einmal komplett gefüllten Halle nicht. Der generell hohe Geräuschpegel des wuselnden Volkes, das sich mal wieder an den Getränkeständen bediente, war genauso passé wie ellenlange Predigten auf verlorene Künstlerideale.
The Good, the Bad and the Bag: Pia Hierzegger als Moderatorin
Stattdessen konzentrierte sich der Abend, wie es sich auch gehört, auf die wohlverdienten Gewinner, von denen es natürlich wieder einige gab. Der Preis für den besten Film der Diagonale ging etwas überraschend Tizza Covis und Rainer Frimmels La Pivellina, der sich gegen den fast schon übermächtigen Konkurrenten Das weiße Band durchsetzen konnte. „Mit der gleichen Zärtlichkeit, mit der man sich hier um das fremde Kind kümmert, beobachten die Filmemacher das improvisierte Zusammenleben“ formulierte die Jury, bestehend aus Journalistin Anke Leweke, Filmemacher/Produzent Arash T. Riahi und Verleiher Pascal Trächslin, in ihrer Urteilsbegründung.
Die großen Gewinner des Abends: Tizza Covi und Rainer Frimmel für La Pivellina
Der Preis für den besten Dokumentarfilm der Diagonale 2010 ging an Brigitte Weich und Karin Macher für Hana, Dul, Sed…, einem Film, der sich mit dem Lebensweg mehrerer Spielerinnen der nordkoreanischen Frauenfußballnationalmannschaft beschäftigt. Besonders lobte die Jury, dass „den Regisseurinnen Brigitte Weich und Karin Macher […] in ihrem Debütfilm ein einmaliger Blick auf ein verschlossenes Land“ gelingt. Neben den Hauptpreisen wurden weitere Filme in mehreren Kategorien ausgezeichnet, die an dieser Stelle noch einmal präsentiert werden:

Großer Diagonale-Preis Spielfilm (€ 21.000): Tizza Covi und Rainer Frimmel für La Pivellina

Großer Diagonale-Preis Dokumentarfilm (€ 21.000): Brigitte Weich und Karin Macher für Hana, dul, sed …

Diagonale-Preis Innovatives Kino der Stadt Graz (€ 10.500): Sabine Marte für B-star, untötbar! reloaded

Diagonale-Preis der Jury der Diözese Graz-Seckau (€ 4.000): Juliane Großheim für Die Kinder vom Friedrichshof

Diagonale-Preis der Jugendjury des Landes Steiermark: Hüseyin Tabak für Kick Off (€ 5.500)

Diagonale-Preis Schnitt des Verbandes Film- und Videoschnitt aea (je € 2.000): Gerhard Fillei und Joachim Krenn für South (Spielfilm) und Michael Palm für Jobcenter (Dokumentarfilm)

Diagonale-Preis Bildgestaltung des Verbandes Österreichischer Kameraleute AAC (je € 2.000): Christian Berger für Das weiße Band (Spielfilm) und Peter Schreiner für Totó (Dokumentarfilm)

Diagonale Publikumspreis: Hüseyin Tabak für Kick Off (€ 3.000)

Preis Innovative Produktionsleistung der VAM Verwertungsgesellschaft für audiovisuelle Medien GmbH (insgesamt: € 25.000): Neue Sentimentalfilm für Plastic Planet (€ 5.000) Dor Film für Der Knochenmann und Wüstenblume (€ 10.000) wega Film für Das weiße Band (€ 10.000)

Die Bilanz

Auch in ihrem zweiten Jahr als Diagonale-Intendantin konnte Barbara Pichler angesichts der etwas angespannten Wirtschaftslage, dennoch ein positives Resümee der Diagonale 2010 ziehen. Nach den ersten Hochrechnungen wurden ca. 18.000 Karten verkauft - in etwa 1.000 mehr als noch im letzten Jahr. Diese positive Entwicklung wird auch von den Zahlen der Auslastungen bestätigt, die heuer bei ca. 72% lag. In dieser Hinsicht ist beachtlich, dass durch das Hinzukommen des größten Kinosaals der Diagonale im KIZ Royal, dennoch eine deutliche Steigerung der Auslastung erzielt wurde. Immerhin 50 von 134 Vorstellungen waren komplett ausverkauft, was bei einer vergleichbaren Vorstellungsanzahl im letzten Jahr wiederum eine deutliche Steigerung bedeutet.

Beim Diagonale-Publikum kamen sowohl die Retrospektive zum internationalen Gast Romuald Karmakar als auch die Personale Peter Schreiner sehr gut an, dessen Werk im Vorfeld der Diagonale fast schon als verschollen galt. Das Anliegen der Diagonale, das Festival auch außerhalb der Landesgrenzen zu promoten, wurde von Fachbesuchern aus insgesamt 26 verschiedenen Ländern dankend angenommen. In diesem Bereich muss auch die Rolle des Branchentreffens erwähnt werden, das sich in diesem Jahr mit dem „Filmstandort Österreich auseinandersetzte und bei den 150 teilnehmenden Fachbesuchern großen Anklang fand. Zu guter Letzt erfreuten sich auch die Spezialveranstaltung, wie z.B. die DiagonaleNightline mit Konzerten und DJ-Lineups, großer Beliebtheit beim Diagonale-Publikum. Die können sich auch gleich den nächsten Termin der Diagonale notieren: vom 22. bis 27. März 2011 wird Graz wieder das Zentrum des österreichischen Filmschaffens sein.


Website der Diagonale
Diagonale 2010, Tag 1: Gewinner, Kameras und Mörder
http://www.allesfilm.com/show_article.php?id=24611
Diagonale 2010, Tag 2: Apocalypse, Please!
http://www.allesfilm.com/show_article.php?id=24613
Diagonale 2010, Tag 3: Das Diagonale-Mantra
http://www.allesfilm.com/show_article.php?id=24615
Diagonale 2010, Tag 4: Schwarz auf weiß
http://www.allesfilm.com/show_article.php?id=24617
 

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