Als erste „Amtshandlung“ am vierten Tag des Festivals des österreichischen Films stand die Verleihung des Thomas-Pluch-Drehbuchpreises und des Carl-Mayer-Drehbuchwettbewerbs auf dem Programmplan. Ähnlich wie auch schon bei den Diagonale-Schauspielpreisen, die schon vor der offiziellen Endzeremonie am Samstag verkündet werden, werden die beiden Drehbuchpreise seit letztem Jahr am obligatorischen „Festivalfreitag“ vergeben. Der gesteigerten Aufmerksamkeit von Medien und Öffentlichkeit wird dabei auch ganz artig gedankt. Während der Thomas-Pluch-Drehbuchpreis fertige Drehbücher auszeichnet, werden beim Carl-Mayer-Drehbuchwettbewerb eingereichte Treatments berücksichtigt, die sich in diesem Jahr mit der Themenvorgabe „Arm und Reich“ auseinandersetzen mussten. Im folgenden die Gewinner der Preisverleihung:
Carl-Mayer-Drehbuchwettbewerb
Hauptpreis (14.500 Euro) – Grossmattglocknerhorn (Wolfgang Rupert Muhr, Bad Völsau)
Förderungspreis (7.200 Euro) – Kinderszenen (Henning Backhaus, Wien)
Thomas-Pluch-Drehbuchpreis
Hauptpreis (11.000 Euro) – Lourdes (Jessica Hausner)
1. Förderungspreis (5.500 Euro) – UNIVERSALOVE (Thomas Woschitz)
2. Förderungspreis (5.500 Euro) – Fern & Nah (Jasmina Eleta) ex aequo Der Herzerlfresser (Anna Schwingenschuh)
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| Die Gewinner der Drehbuchpreisverleihung auf der Diagonale 2010 |
Entdeckermythos Reloaded
2007 erhielt Schreiner für Bellavista den Großen Diagonale Preis für den besten österreichischen Dokumentarfilm. 2010 scheint der Film ein vergessenes filmisches Fragment zu sein - in den Weiten der hiesigen Filmdatenbanken. Ähnlich wie auch schon I Cimbri, beschäftigt sich Schreiner wieder mit einem fast ausgestorbenen Aspekt einer Sprache. In diesem Fall mit dem Dialekt des Plodarchischen, der sich exemplarisch an einem Ort in den Karnischen Alpen über fast 700 Jahre erhalten hat. Diesmal bildet das vermeintliche Aussterben eines Dialekts nur den Grundrahmen, denn Schreiner beschäftigt sich ganz konkret mit dem Schicksal von Giuliana, deren eigene Geschichte auf tragische Art und Weise mit dem Schicksal dieses kleinen Ortes verbunden ist. Bellavista entstand nach einer langjährigen Kreativpause Schreiners und das Ergebnis ist in der Tat nicht weniger als ein kleines Meisterwerk. Schreiners Schwarzweiß-Fotografie, von der er selbst glaubt, dass sie durch die Abstraktion die Konzentration fördere, wirkt hier noch tiegründiger, noch präziser als schon in I Cimbri. Wieder bietet Schreiner viel Zeit zum Erforschen des Kaders, vermittelt in einer einzigen Einstellung eine unglaubliche Vielfalt an Bedeutungsinhalten. Um Schreiner zu beschreiben, ist man versucht mit seinem Werkzeug arbeiten: In einer Einstellung sehen wir die Protagonistin Giuliana auf einer Anhöhe sitzend, im Ziel ihres Blickes das Hotel Bellavista. Das Haus der Kindheit, gleichzeitig ein Ort tragischer Erinnerungen, wirkt in dieser Einstellung klein, beinahe unbedeutend. „Von hier bekommt man eine andere Perspektive auf die Dinge“, sagt Giuliana darauf. Der Perspektive kommen hier eine Unzahl an Bedeutungen zu: Eine andere Sicht auf Vergangenheit, ein Entfernen vom Ursprung, ein Durchatmen vom Alltag, ein Loslassen von Sprache und Verpflichtung – letztendlich alles ein Prozess zur Reflektion des Seins. Schreiner lässt seine Figuren atmen und misst doch jedem Moment eine stark ausgearbeitete Bedeutung zu. Die Bilder sind so akribisch genau gesetzt, dass das Ganze fast schon zu konstruiert wirkt – aber, wie könnte man so etwas kritisieren, wenn Schreiner nie anders arbeitet, um seine Geschichte eindringlich, ergreifend und in seltenen Momenten auch komisch zu erzählen: ganz ohne überzogene Musik, Kamerabewegungen, aufwendiger Inszenierung und schnellem Rhythmus - nur mit Treue und Verstand zu seinem eigenen Handwerk.
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Ab in den Süden
Der Anknüpfungspunkt zu South ist in der Schwarzweiß-Fotografie und dem langen Produktionsprozess zwar ausgemacht, doch unterscheiden sich beide Filme wie Tag und Nacht voneinander. Mit South geht für Gerhard Fillei und Joachim Krenn ein 12-jähriger Produktionsprozess zu Ende, der eigentlich schon spannend genug wäre, jenen als ausführliches „Making Of“ filmisch aufzubereiten (als heißer Tipp zu den Hintergründen des Films, sei die aktuelle Alles Film: Diagonale Ausgabe mit einem Interview der beiden Regisseure empfohlen). Erzählt wird die Geschichte von Bruce McGray, der mit dem Rücken zur Wand steht, nachdem ein Banküberfall völlig missglückt und er daraufhin vom FBI gesucht wird. Bruce will ein neues Leben anfangen – vielleicht in Südamerika, von wo aus er ein seltsames Tagebuch von seiner ehemaligen Freundin Maria mit Fotografien und Notizen erhalten hat. Doch Bruce ahnt nicht, welche Verbindung zwischen ihm und dem Tagebuch existiert. Grundsätzlich ist gute Genrekost rar. Moderne Thriller-Film-Noir-Mischungen im deutschsprachigen Raum sowieso (wobei South hier wiederum abweicht, da er komplett in Englisch gehalten ist), weshalb ich dem Film von Beginn an eine gewisse Sympathie entgegenbringe. Visuell ist South äußerst aufwendig, mit einem Stil, der vor allem an Christopher Nolans Anfangstage erinnert, als körniger, Schwarzweiß-Verschnitt zwischen Memento und Following. Doch letztendlich wirkt der Film unendlich bemüht, erzählt gleichzeitig aber eine recht platte, unnötig kompliziert aufbereitete Geschichte um Selbsterfüllung und Vergangenheitsaufarbeitung als ansehnlichen und publikumswirksamen Mysterie-Thriller, dem es jedoch an Eigenständigkeit fehlt. Das fängt bei der Sprache an, zieht sich über die Wahl der Figuren und des allgemeinen Plots bis hin zum visuellen Stil. Den zahlreich-vorhandenen Referenzen zu Genrevorbildern muss sich der Film bis zum Finale durchgängig beugen – dort grüßt dann auch noch der großartige Carlito’s Way. Durchschnittliche Genreware. Mit 12-Jahren-Produktions- sowie Heimspielbonus darf man auch „solide“ dazu sagen.
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