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Diagonale 10: Ähnlichkeiten mit budgetären Abstrichen

© Diagonale
Festival-Intendantin Barbara Pichler gab bei der Programmpräsentation zur Diagonale 2010 einen ausführlichen Ausblick auf Filme und Gesichter, die der österreichische Film anno 2009/2010 zu bieten hat.

Bereits zu Beginn der Programmpräsentation räumte Festival-Intendantin Barbara Pichler mit allen Gerüchten auf, die vermuten ließen, inwieweit sich die Diagonale 2010 von der Wirtschaftskrise und der Schließung des Augarten KIZ als Spielort betroffen zeigen würde. „Grundsätzlich kann man sagen, die Diagonale 2010 wird rein faktisch gesehen ähnlich der von 2009“. Konkret bedeutet dies, dass zwischen dem 16. – 21. März 2010 in Graz wieder knapp 150 Filme und Videos in 133 Vorstellungen um die Gunst der Zuschauer buhlen werden. Das Festivalzentrum bleibt auch in diesem Jahr das Kunsthaus Graz. Insgesamt stehen der Diagonale heuer vier Festivalspielstätten zur Verfügung: Neben den bereits bewährten Standorten wie dem Schubertkino, dem Rechbauerkino und der UCI Kinowelt Annenhof wird das Programm des inzwischen geschlossenen Augarten KIZ in die etablierten Räumlichkeiten des KIZ Royalkinos ausgelagert.
Filmmuseum-Direktor Alexander Horwath und Diagonale-Intendantin Barbara Pichler
Faktisch stellt sich beim Blick auf das Budget der Diagonale 2010 etwas Ernüchterung ein, nachdem das Festival mit der Bawag P.S.K. einen neuen Hauptsponsor für sich gewinnen konnte. Trotz des sehr fruchtbaren Kinojahres 2009 sind die Auswirkungen der Wirtschaftskrise beim Blick auf die Zahlen der diesjährigen Diagonale spürbar. Zwar stehen dem Festival bei einem Gesamtbudget von knapp 1,4 Millionen Euro „nur“ 50.000 Euro weniger zur Verfügung als im letzten Jahr, dennoch sieht Barbara Pichler in den Zahlen durchaus eine „beunruhigende Tendenz“, da sich die Diagonale vor allem im Bereich der Kinotechnik mit ständig steigenden Kosten konfrontiert sieht.

Damit zusammenhängend sind die Entwicklungen im Programmbereich mit Spannung zu beobachten, bei dem sich laut der Festival-Intendantin vor allem zwei Trends bemerkbar machen, die sich schon in den vergangenen Jahren abgezeichnet haben: Neben der erhöhten Spielzeit der einzelnen Produktionen erreichen die dokumentarischen Einreichungen in diesem Jahr einen Höchststand und übertrumpfen quantitativ damit erstmalig in der Diagonale-Geschichte die Einreichungen aus dem experimentellen Bereich. Neben dem Kurz-, Experimental- und Aminationsfilmprogramm bleibt das Kernstück der Diagonale 2010 das ausgiebige Dokumentar- und Spielfilmprogramm. Das Festival hält dabei weiterhin am Werkschau-Prinzip fest: Während der Festivaltage dient die Diagonale als Filmschau, die die Vielfältigkeit und Qualität der österreichischen Kinoproduktionen aus der Saison 2009/2010 betont.

Das Programm wird wie gewohnt durch zahlreiche Uraufführungen und Österreich-Premieren ergänzt. Uraufführung feiert u.a. King Kongs Tränen von Peter Kern, in dem der Filmemacher ganz „persönlich“ mit seinen Kritikern abrechnet. Daneben gehören zu den vielversprechendsten Produktionen sicherlich Barbara Eders Highschool-Drama Inside America, Robert A. Pejos kammerspielartiges Drama Der Kameramörder, gleichzeitig auch Eröffnungsfilm des Festivals, sowie Helmut Bergers DIRTY DAYS, eine tiefgründige Dokumentation über den problematischen Alltag einer reisenden Theatertruppe. Müsste man einen Film aus dem diesjährigen Programm herausgreifen, so wäre dies sicherlich Rammbock von Marvin Krenn, ein waschechter Zombiefilm im Spielfilmprogramm, der somit auch sinnbildlich für die Genrevielfalt und die unkonventionellen Wege steht, die die Diagonale seit Jahren zu beschreiten versucht .
Die lebenden Toten treiben auch auf der Diagonale ihr Unwesen...
In dieser Hinsicht ist das mit dem österreichischen Filmmuseum gemeinsam veranstaltete Tribute zum deutschen Regisseur Romuald Karmakar kein Zufall. Für Filmmuseumdirektor Alexander Horwath wäre Karmakar „die Person, die man hernehmen müsste, um darzustellen, was Independent heute als Filmemacher heißt.“ Die Personale widmet die Diagonale heuer dem österreichischen Filmemacher Peter Schreiner, dessen umfangreiches Schaffen mit einer Auswahl aus sechs Spielfilmen gewürdigt wird. Während im Hauptprogramm Peter Schreiners aktueller Dokumentarfilm Toto aufgeführt wird, dürfte sein bei der Diagonale 2007 ausgezeichneter Dokumentarfilm Bellavista der bekannteste Film Film aus seinem mannigfaltigen Oeuvre sein. Die historischen Spezialprogramme widmen sich in diesem Jahr Mansur Madavi, einem nahezu vergessenen Autorenfilmer der 70er Jahre sowie dem Kameramann Günther Krampf, der u.a. mit Regieikonen wie G.W. Papst, Friedrich Murnau und Alfred Hitchcock zusammengearbeitet hat. Das Programm wird mit zahlreichen Nebenschienen, Gesprächen im Festivalzentrum, Vermittlungsprogrammen für Schulklassen sowie der gewohnten Diagonale-Nightline abgerundet. Und selbst den streikenden Studentenmassen widmet die Diagonale 2010 ein kleines Tribute im KIZ Royalkino unter dem Titel Protestbilder – ganz studentisch mit Gratis-Eintritt versteht sich.


Website der Diagonale: