Der brasilianische Panorama-Beitrag
Besouro erzählt die Geschichte des legendären Capoeirista
Manoel Henrique Pereira, der sich im Brasilien der 1920er gegen die soziale und rassistische Repression mit seiner einzigartigen Kampfkunst eingesetzt hat, hier verkörpert vom Capoeira-Spezialisten
Ailton Carmo. Der Titel bzw. der Name Besouro bedeutet übersetzt „Käfer“, und spielt auf die Charakteristik eines Käfers an, der eigentlich nicht fliegen sollte, es allerdings dennoch tut.
João Daniel Tikhomiroff macht aus dem Mythos Besouro einen abwechslungsreichen brasilianischen Actionfilm, der die Capoeira-Kampftechnik mit asiatischen Martial Arts Bewegungen vermischt.
Die kräftige filmische Sonne in einem klimatisierten Kinoraum kollidiert einmal mehr in einer ungemütlichen Begegnung mit den frostigen Temperaturen und Straßenbedingungen Berlins. Dennoch haben sich Regisseur
João Daniel Tikhomiroff sowie die beiden Hauptdarsteller
Ailton Carmo und
Jessica Barbosa in einem schmucken Berliner Hotel eingefunden, um einen kurzen Plausch mit
allesfilm.com zu halten:
allesfilm.com: In Besouro geht es hauptsächlich um Capoeira. Wann haben sie mit Capoeira angefangen und was bedeutet Capoeira für sie persönlich?
Jessica Barbosa: Ich stamme aus Bahia und praktiziere Capoeira schon seit ich 11 Jahre alt bin. Die Legende von Besouro wird vor allem durch verschiedene Volkslieder, den Samba und natürlich den Capoeira an sich weitererzählt. Besouro ist für mich und alle Capoeira-Tänzer so etwas wie ein Volksheld.
Ailton Carmo: Für mich hat Capoeira eine große Bedeutung, natürlich auch deshalb, weil ich selbst Capoeira-Lehrer bin. Einen Film über Besouro zu machen und ihn selbst zu verkörpern, ist für mich allerdings eine große Ehre. Zum einen, weil wir beide aus der Gegend um Bahia stammen und zum anderen, weil ich den besten Capoeira-Kämpfer spielen darf. Es war wie ein Traum, der für mich in Erfüllung geht.
Herr Carmo, wie verlief der Filmdreh für sie als Debütanten?
Am Anfang war es nicht leicht, vor allem mit den Schauspieltrainern. Ich verstand die Technik nicht genau, mit der wir trainiert wurden, gerade weil man uns die einzelnen Schritte nicht erklärt hat. Nach einer Weile wurde es jedoch immer besser und ich konnte mich immer mehr in die Rolle von Besouro reindenken. Ansonsten hat mir das ganze Team sehr weitergeholfen, auch wenn der Dreh sehr anstrengend war und ich zeitweise fast aufgeben wollten, hat man mich immer motiviert weiterzumachen. Das war eine schöne Erfahrung.
Frau Barbosa, wie sind sie zum Team von Besouro dazugestoßen?
Jessica Barbossa: Ich hatte gerade mit einem Schauspielkurs begonnen, als mich die Casting-Chefin des Films in São Paulo entdeckt hat. Sie hat mich gleich am nächsten Tag für eine Probe nach Bahia eingeladen. Es war unglaublich, ich hatte wirklich noch kaum mit meiner Schauspielschule begonnen und schon meine erste Rolle in so einem großem Projekt.
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| Darsteller Ailton Carmo und Regisseur João Daniel Tikhomiroff |
Herr Tikhomiroff, warum haben sie sich nach 20 Jahren entschlossen, in denen sie hauptsächlich in der Werbebranche gearbeitet haben, nun ihren ersten Spielfilm zu drehen?
João Daniel Tikhomiroff: Ich wurde quasi im Projektionsraum geboren. Mein Vater war Manager bei Universal Pictures und ich war von klein auf begeistert von amerikanischen Spielfilmen. Am Anfang meiner Karriere, als ich so etwa 18-20 Jahre alt war, habe ich viele verschiedene Filmberufe ausprobiert. Ich war Regieassistent, Cutter, danach Kameramann und habe dann meine ersten Kurzfilme gedreht. Mit 21 habe ich mich dann an meinen ersten Spielfilm gewagt. Allerdings war es ein Low-Budget-Unternehmen, wo ich auf Hilfe von Freunden angewiesen war und mir noch nicht einmal leisten konnte, eine richtige Kamera zu leihen. Irgendwann ging mir dann natürlich auch das wenige Geld aus.
Wie sind sie dann zur Werbebranche gekommen?
Ein paar Freunde haben mir dann erzählt, dass ich es erstmal bei der Werbung versuchen sollte. Ich war nicht sonderlich begeistert, weil ich eigentlich keine Werbung mochte, habe es dann aber trotzdem ausprobiert. Meine ersten Werbeclips sind bei den Produzenten gut angekommen, so dass ich recht bald mit Werbeaufträgen ausgelastet war. Ich habe in dieser Zeit Werbung auch deutlich mehr schätzen gelernt, weil es einfach eine sehr gute Erfahrung und Übung ist, für völlig unterschiedliche Marken kreative Clips zu entwickeln. Es sind quasi synthetisierte Formen von Actionfilmen, Komödien usw. Ich bin dann nach Spanien umgezogen und habe weiterhin Werbung gemacht, die mir einige Erfolge, u.a. in Cannes, einbrachte. Im Grunde habe ich gespürt, dass jetzt die Zeit gekommen ist, mein ursprüngliches Vorhaben wieder aufzugreifen und einen Spielfilm zu drehen. Ohne die Erfahrungen zuvor, hätte ich
Besouro allerdings nie realisieren können.
Warum haben sie sich in ihrem Erstlingswerk für die Geschichte von Besouro entschieden?
Ich habe das Buch von Marco Carvalho gelesen, war sofort begeistert von der Figur und der Geschichte und wollte auch direkt einen Film über die Legende Besouro drehen. Ich habe dann weiter recherchiert, allerdings ist die wahre, von den Capoeira-Tänzern überlieferte Geschichte von Besouro, nur sehr fragmentarisch vorhanden. Carvalho hingegen hat sich mehr auf die Legenden von Besouro gestützt, und dadurch auch die fantastischen Elemente mehr in den Vordergrund gestellt, was mir sehr zusagte.
Was sind die Unterschiede zwischen dem im Film dargestellten Capoeira-Stil und dem tatsächlich überlieferten Tanz?
Der größte Unterschied besteht darin, dass wir den Capoeira-Kampf im Film spektakulärer gestalten wollten. In einigen Szenen benutzten wir deshalb Drahtseile, bei denen uns ein erfahrenes chinesisches Choreographenteam beraten hat. Allerdings sind alle Bewegungsabläufe vom originalen Capoeira-Stil abgeleitet.
Wie haben sie dann ihre Hauptdarsteller Ailton Carmo gefunden, er war schließlich kein Schauspieler sondern ausgebildeter Capoeira-Lehrer?
Das hing mit meiner Entscheidung zusammen, alle Capoeira-Rollen im Film auch mit wirklichen Capoeira-Kämpfern zu besetzen. Es ging einfach darum, dass ich die Actionsequenzen unmittelbarer und direkter drehen wollte, so dass man davon wirklich gefesselt ist. Das geht meiner Meinung nach nur mit den tatsächlichen Darstellern. Wir haben dann in der Gegend rum um Bahia gecastet, wo wir den Film dann letztendlich auch gedreht haben.
Ailton war zufällig auch in seinem Heimatort, er hatte zwischenzeitlich in Belgien gelebt und als Capoeira-Lehrer gearbeitet. Wir hatten jedoch Glück, dass er gerade zu dieser Zeit da war, denn er ist von seiner Statur und seinem Charakter der ideale Besouro. Vor dem Dreh haben wir natürlich Schauspieltrainer engagiert. Allerdings war ich sehr begeistert davon, dass
Ailton und auch die anderen Laiendarsteller die Figuren und ihre Emotionen wirklich gefühlt und so auch dargestellt haben.