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Todesnachrichtenüberbringer gesucht
© Senator Film VerleihUnklar bleibt, wie genau die US-Army ihre deutschsprachige Stellenausschreibung für diesen umstrittenen Posten formulieren würde. Viel klarer hingegen ist Oren Movermans Antwort auf die Kehrseite amerikanische Heldenverehrung in The Messenger.


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Kritik

Oren Movermans The Messenger veranlasst eine Parallele zwischen der Entwicklung der Kriegsführung und der gleichzeitigen Darstellung des Kriegsgeschehens auf der Leinwand zu ziehen. Während selbst aktuelle (Anti-)Kriegsfilme, allen voran Spielbergs Soldat James Ryan oder z.B. Eastwoods „Kriegsdoppel“ Flags of our Fathers und Letter from Iwo Jima versuchen ein möglichst authentisches, blaßfarbiges Bild des 2. Weltkrieges anhand einer homogenen Soldatentruppe zu schildern, zeigen Filme dieses Genres anno 2009, und vor allem jene, die sich mit dem Irak-Krieg auseinander setzen, ein anderes Bild. Auch hier steht eine bestimmte Gruppe von Soldaten im Vordergrund, doch noch viel konzentrierter, wird auf deren Spezialisierung und den damit verbundenen Berufsethos Wert gelegt.

Dass Filme dieses Sujets es hierzulande nicht einfach haben, bewies zuletzt Kathryn Bigelows Tödliches Kommando – The Hurt Locker, dem nur zwei Vorstellungen im Filmmuseum vergönnt waren, nachdem der Film zuvor vom Verleiher aus dem Sommer-Kinokatalog gestrichen wurde. Dieses Schicksal muss Movermans The Messenger zum Glück nicht teilen. Im Film selbst geht es um die Soldaten Will Montgomery (Ben Foster) und Tony Stone (Woody Harrelson), deren Aufgabe es ist, Todesnachrichten von im Irak gefallenen Soldaten an die Angehörigen zu überbringen. Der Film beginnt sehr stark, indem er Wills Ambiguität bezüglich seiner neuen Berufung als Ausgangspunkt seiner filmischen Reflexion nimmt. Die Ausbildung findet hier im Feld statt; learning by doing sozusagen. Die Konsequenzen erfahren die Soldaten am eigenen Leib: Wutausbrüche, Hasstiraden, tiefe Trauer. Dennoch, und das ist emotional äußerst mitreißend, unterliegen auch sie, wie jeder andere Soldat, einem strengen Verhaltenskodex, dessen Einhaltung oberste Priorität ist. Moverman beweist hier Feingefühl, indem er gleich auf zwei Ebenen provoziert: Er entlarvt nicht nur die Surrealität des automatisierten Verhaltenskodices amerikanischer Soldaten in dieser emotional unberechenbaren Situation, sondern auch gleichzeitig die naive Ahnungslosigkeit der Angehörigen.

In den Hauptrollen brillieren Woody Harrelson und Ben Foster in ihren facettenreichen Darstellungen. Besonders erfreulich ist dies für Foster, der bereits im Todeszug nach Yuma der eigentliche „Star“ im Crowe/Bale geprägten Film war. The Messenger verliert zwar etwas an Schwung, als er sich auf Wills "Love-Interest" konzentriert und damit auch zusehends zur Rührseligkeit neigt. Dennoch ist Oren Moverman mit seinem Debüt ein komplexer, vielschichtiger und bewegender Film gelungen, der tief unter die Haut geht. Und dafür muss man noch nicht einmal Amerikaner sein.

Offizielle Website zum Film (Engl.):
http://www.themessengermovie.com/