Je länger man über einen Film nachdenkt, desto besser sollte er werden. Zweifellos ein frommer Wunschgedanke vieler Filmemacher, denn anspruchsvolle Filmkost bringt nicht automatisch eine höhere reflexive „Haltbarkeit“ mit.
Das Vaterspiel, entstanden nach
Josef Haslingers gleichnamiger Vorlage, ist zugleich auch
Michael Glawoggers erste Romanverfilmung. Eine gewisse Komplexität kann man dem Film nicht absprechen, denn er erstreckt sich über mehrere Zeitebenen, legt sein Augenmerk auf mehrere Personenkomplexe, die historisch miteinander verknüpft sind. Eine Hauptfigur ist Ratz (
Helmut Köpping), der ein Vatervernichtungsspiel entwirft und es gerne verkaufen möchte. Geprägt wird sein Leben durch ein kaputtes Verhältnis zu seinem Vater und einer ungewöhnlichen Zuneigung zu seiner Schwester. Eines Tages ruft ihn eine alte Studienkollegin aus New York an und teilt ihm mit, dass sie Hilfe beim Umbau eines Kellers benötigt. Ratz zögert keinen Moment, und erhofft sich in den USA endlich den Durchbruch für sein Vaterspiel.
Die große Stärke von
Das Vaterspiel ist, neben seiner beklemmenden Atmosphäre, die unglaubliche Kälte seiner Figuren. Das mag sich paradox anhören, doch der Film schöpft teilweise Kraft daraus, dass er eben keine Identifikationsfiguren benötigt, um seine Geschichte spannend zu gestalten. Die moralische Ambiguität der Handlungen ist provokant, verwehrt aber auch jegliche emotionale Einbindung. Die vordergründige Komplexität der Geschichte wird von
Glawogger geschickt mit minutenlangen Mono- bzw. Dialogen konterkariert, so dass die erwähnte Provokation hier auch auf einer stilistischen Ebene stattfindet. Letztendlich scheitert der Film ein wenig an seinem eigenen Anspruch, denn die erwähnte vordergründige Komplexität löst sich bei genauem Nachdenken als ein stilistisches Konstrukt auf: Das Problem sind die zahlreichen Handlungsstränge, die einfach nicht ausgereift wirken. Auch die teilweise tiefgründigen, moralischen Fragestellungen hätten hier deutlich mehr Zeit zum Entfalten gebraucht. Im tiefen Inneren des Films verbirgt sich eine generationsübergreifende Persönlichkeitsstudie, die die nötige Brisanz mitbringt und auf stilistischer Ebene gekonnt provoziert, aber eben nicht die nötige Zeit bekommt, ihren inhaltlichen Trumpf auszuspielen.