Als
Jacques Mesrine, damaliger Staatsfeind Nr. 1 in Frankreich, am 02. November 1979 mit seinem BMW 528i an eine Kreuzung heranfuhr, hätte er wohl nicht einmal erahnen können, was für einen Abgang ihm die Pariser Polizei bescheren würde. Aus einem vorausfahrenden Laster schossen mehrere Polzeiangehörige mit Gewehren auf
Mesrine und seine Begleiterin und trafen ihn insgesamt 19mal in Körper und Kopf. Doch, wer war dieser
Jacques Mesrine, der solch eine riskante Aktion seitens der Polizei mitten in der Pariser Innenstadt provozieren konnte?
Diesem Phänomen versucht Regisseur Jean-François Richet in seinem vierstündigen Filmepos Public Enemy No. 1 auf den Grund zu gehen. Der erste Teil, Mordinstinkt, beginnt im Jahr 1959 und zeigt Mesrine als einen Soldaten, der das grausame Vorgehen der französischen Armee gegenüber Unschuldigen im Algerienkrieg nicht gutheißen kann. Hier sieht der Film einen Grund, warum sich Mesrine in der Folge dem Untergrundboss Guido verschreibt und sich jeglicher Autorität, sei es von Einzelpersonen oder der Staatsgewalt, verwehrt. Als Gauner macht sich Mesrine schnell einen Namen, muss jedoch ständig untertauchen, da seine Aktionen immer gewagter und tollkühner werden. In der Folge setzt er sich nach Kanada ab und wird dort von den Behörden gestellt. Doch auch das Gefängnis stellt nur eine weitere, bezwingbare Hürde für Jacques Mesrine dar…
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Auf den ersten Blick überrascht die temporeiche, aber auch sehr fragmentartige Inszenierung des Films. Es braucht eine gewisse Zeit bis man sich an diese sehr kantige Erzählweise gewöhnt - mit dem Nachteil, dass man den Film eher als eine Aneinanderreihung von Episoden anstatt in seiner Gesamtheit wahrnimmt. Das Problem ist, dass die Qualität dieser „Episoden“ teilweise variiert und es trotz des hohen Tempos durchaus zu narrativen Durststrecken kommen kann. Obwohl die Inszenierung dem Rhythmus des Films eher hinderlich ist, unterstützt sie auf einzigartige Weise die Charakterisierung der Hauptfigur von Public Enemy No. 1 - Mordinstinkt. Vincent Cassel mimt Jacques Mesrine als undurchdringbaren, unvorhersehbaren und explosiven Gangster, der ideologisch auf vielen Ebenen hin und her gerissen zu sein scheint und Konsequenz in seinem Handeln vermissen lässt. Die Fülle an Nebenfiguren, allen voran die geniale Besetzung von Gerard Depardieu als schmieriger Gangsterboss, lässt den Film sehr breit anschwellen, gleichzeitig aber auch etwas überladen wirken.
Dennoch ist Public Enemy No. 1 – Mordinstinkt eine Empfehlung wert, denn die gelungenen Schauwerte, die bewundernswerte Leistung von Vincent Cassel und die sehr diskussionswürdige, aber passende Inszenierung vollbringen das, worauf es bei diesem Film schließlich ankommt: Sie machen Lust auf mehr!