Nanni Moretti darf mit fast zwei Jahren Verspätung nun doch auf österreichischen Kinoleinwänden trauern. Auf einer Parkbank sitzend, versucht er sein Leben zu ordnen. Dann kommt Roman Polanski vorbei...
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Kritik
Ein Nachmittag am Meer. Pietro Paladini (Moretti) und sein Bruder beweisen Zivilcourage, indem sie zwei Frauen vor dem Ertrinken retten, während deren Ehemänner nur tatenlos zusehen und wenig hilfreiche Kommentare von sich geben. Als Pietro wenig später am Abend nach Hause kommt, liegt seine Frau tot im Garten. „Wo bist du gewesen, Papa?“, fragt ihn seine kleine Tochter. Nun muss er sich alleine um sie kümmern. Pietro vernachlässigt seinen Job als Programmdirektor eines Fernsehsenders und bringt seine Tage stattdessen auf einer Parkbank vor der Schule seiner Tochter zu. Nach und nach trifft er dabei auf alte und neue Gesichter...
Sandro Veronesis Roman Caos Calmo avancierte vor einigen Jahren in Italien zum Bestseller – die Filmversion war im Heimatland ebenfalls recht erfolgreich. Nanni Moretti, wie immer ein von Grund auf sympathischer, anständiger Kerl von nebenan, mit diesem Funkeln in den Augen, trägt den Film und vermag es auch, die verschiedenen Stationen des Trauerns und des Verarbeitens mitfühlbar zu machen. Trotzdem reißt er das Ruder nicht rum – Antonio Grimaldis Film will einfach nicht eigenständig, nicht ungewöhnlich genug sein. Tod und Trauer mögen zwar beherrschende Themen des Films sein, das Stehen- oder in dem Fall Sitzenbleiben eines erfolgreichen Managertypen auch, doch insgesamt wirkt diese Mischung viel zu ausgelutscht. Große Kinomomente – Fehlanzeige. Stattdessen bedient sich der Film einer fernsehtauglichen Dramaturgie, an der nicht einmal der Gastauftritt Roman Polanskis als „deus ex machina“ Verschnitt etwas ändern kann.
Überraschend und vermeintlich skandalös ist eine berüchtigte Analsexszene in der Mitte des Films, wenn Pietro wieder auf die Frau, die er aus den Meeresfluten gerettet hat, trifft. Aber auch hier fehlt der Wille, aus der Konvention auszubrechen, zumal sich diese Szene wie ein Fremdkörper anfühlt und nicht in den Film passen will. Was bleibt, ist Betroffenheitskino der uninspirierten Art, das, wenn die Bilder scheinbar nicht mehr weiter wissen, mit Indierock von Rufus Wainwright und Konsorten aufwartet. Nein, Caos Calmo ist kein schlechter Film – sondern ein schlichter und damit symptomatisch für einen sehr großen Teil des Outputs an italienischen Filmen der letzten Jahre.