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Heiland in der Flusskommune
So richtig schmeckt´s vom Dorfbäcker: Ermanno Olmi zimmert sich mit seinem vorläufig letzten Spielfilm eine ebenso ungewöhnliche wie angenehme Variante der Jesusgeschichte.


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Kritik
Überlegt er es sich nicht anders - und mit einer Kurzkomödie war er heuer schon knapp dran - dann ist Centochiodi die angekündigtermaßen letzte Spielfilmarbeit des Ermanno Olmi – fortan will der italienische Altmeister nur noch Dokus drehen. Erhaben genug wäre das Thema jedenfalls: nichts weniger als eine Variation der Jesus-Geschichte, die Olmi in Form einer Generalattacke gegen die Anbetung des gedruckten Worts durchzieht. Es beginnt damit, dass in einer ehrwürdigen Bibliothek einhundert Bücher mit Zimmermannsnägeln in den Boden genagelt vorgefunden werden. Einige Studenten werden verdächtigt, dann jedoch fällt der Verdacht auf den relativ jungen Philosophieprofessor. Der ist seit jener Nacht spurlos verschwunden. Sein Auto wird an der Straße gefunden, Jacke und Ausweis im Fluss. Aber: Der gute Mann ist nicht tot, sondern ausgestiegen. Er Verbrennt das Manuskript seiner jüngsten Arbeit, um sich zu wärmen, richtet sich ein verfallenes Hüttchen her, kauft sich eine gute, einfache Pizza im Dorf. Gewinnt Freunde wie Zelinda, die in der Bäckerei arbeitet; die von niemandem jemals wahrhaftig in den Armen gehalten wurde. Oder die Bewohner illegal errichteter Häuschen in der Au, die sich von der friedlichen Umgebung inspirieren lassen. Gerne kommen sie zu ihm, hören seine Gleichnisse, berichten von ihren Problemen. Doch die Zeit, da der Professor sich für sie opfern wird müssen, naht.
Einer ins Lächerlichen überbordenden Theatralik bedient sich Olmi anfangs, um die Welt des Papiers im Angesicht jener der zwischenmenschlichen Beschaulichkeit zu diskreditieren. Wenngleich etwas altmodisch inszeniert, kreuzt Centochiodi auf behende Weise Neues Testament und Feelgood-Film.

photo International Film Festival Rotterdam
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