Zugegeben, das ist kein Film für Schöngeister. Und Sätze wie „Es kommt auf das Fahrgestell an, nicht auf die Marke“, sind im Testosteronnebel von Fast & Furious - Neues Modell. Originalteile (ja, das ist tatsächlich der deutschsprachige Titel!) keineswegs nur im Zusammenhang mit der (krisengebeutelten) Autoindustrie zu verstehen.
Der neueste des mittlerweile schon vier Teile umfassenden Motorenheulers sei vor allem jenen empfohlen, die mit dem Traum von Kohlenmonoxid geschwängerter Luft, Rockerbräuten und Machosprüchen noch nicht ganz abgeschlossen haben. OK, ein Argument für die weibliche Zuschauerschaft hat dieser Film auch: Diesel, Vin Diesel. Der Protagonist aus Teil 1, dessen Bizeps über weit mehr schauspielerisches Talent verfügt als die restlichen Teile seines Körpers, rückt acht Jahre nach dem Überraschungserfolg wieder aus der Garage aus, um sich als Kleinkrimineller Dominic Toretto unter den Abschaum von L.A. zu mischen; und sich mehr als ein internes Duell mit Ex-Gegenspieler und FBI-Agent Brian O’Conner (Paul Walker) zu liefern. Da röhren die Motoren der getunten Heckspoiler-Untersätze, wenn die beiden in einem nicht ganz unfallfreien Straßenrennen um einen Fixplatz im Fahrerteam des berüchtigten Drogenbosses Braga (John Ortiz) ihre Stoßstangen malträtieren. Der mexikanische Bösewicht mit Goldketterl hat nämlich Torettos Langzeitliebe Letty (Michelle Rodriguez in einem Kurzauftritt einmal als Tanklastwagenakrobatin, dann als blutende Leiche) auf dem Gewissen, während O’Conner seine berufliche Fangquote aufbessern möchte.
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| Lagebesprechung, bevor der Asphalt glüht (Vin Diesel, Paul Walker) |
Den Rest kann man sich denken. Denn die sinnfreie Handlung von The Fast and the Furious 4 ist ohnedies ausschließlich Vehikel für technische Schauwerte, die Regisseur Justin Lin im Übermaß mitsamt einem Heer von ca. 117 Stuntmen aufbietet. Gas geben ist dabei oberste Maxime: Alleine der Tanklaster-Überfall zu Beginn des Films ist ein visuelles Feuerwerk an Action und Tempo, das im heutigen Kino seinesgleichen sucht. Wenn bei Atem raubender Geschwindigkeit Stoßstange an Stoßstange klebt und sich Loretto & Co. von der Motorhaube auf den vor ihnen fahrenden Laster schmeißen, dann ist die Faszination dieser Szene vor allem der schnörkellosen, ja handlungsbefreiten Umsetzung zu verdanken. Ein Film, der ausschließlich auf die Demonstration maschineller und körperlicher Energie reduziert ist – und damit irgendwie auch zu den Grundkonstanten des Kinos zurückführt.