Er hat sie alle überlebt: Keine Horrorfigur pilgerte unbescholtener durch die Jahrzehnte wie Jason Vorhees. Egal wie gut oder schlecht ein Freitag der 13. auch war, der nächste war beschlossene Sache. Ob das diesmal wieder so ist?
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Kritik
Jasons Filmreihe galt bislang als solider Splatterspaß. Zusammen mit Freddy Krueger und Mike Myers ist er der Horrorgrande unserer Zeit. Was sein Phänomen aber so einzigartig machte: Kaum ein anderer Massenmörder hatte jemals einen verzweifelteren, dramatischeren Hintergrund als Jason (und seine Mutter). Und in welcher Horrorsaga kommt es sonst vor, dass der große Star, der Meister des Schreckens selbst, erst im zweiten Teil auftauchen darf?
Soviel zu den alten Teilen. Heute ist alles ein wenig anders am Crystal Lake. Die Kids haben keinen Respekt mehr vor der Legende um den alten Hockeymaskenmann. Im Gegenteil – es geht sogar das Gerücht um, dass am Crystal Lake jede Menge feines Marihuana wächst, das nur darauf wartet, geerntet zu werden. So macht sich ein Trupp Halbwüchsiger auf, um für eine Handvoll Gras Leib und Leben zu riskieren. Nicht lange, und das Camp ist gefunden, Jason macht sich ans Metzeln und die naiven Teens marschieren im Eiltempo über den Jordan.
Ein Blick auf die Uhr verrät, dass das nicht alles sein kann. Erst vierzig Minuten quält sich Freitag der 13. durch seine deprimierende Mittelmäßigkeit. Also alles wieder von vorn: Ein Trupp neuer Jugendlicher will Party machen. Drogen haben sie schon mit, die sagenumwobenen Plantagen beim Crystal Lake werden diesmal also ausgespart, ein Anwesen um die Ecke von Jasons „Ferienheim“ aufgesucht. Das Ergebnis bleibt dasselbe, nur noch weniger dynamisch, fast schon schleppend und keinesfalls stilecht. - Was für ein fader Film! Wer sich mal wieder Freitag, der 13. ansehen will – so wie er mal gedacht war – der sollte in die Videothek gehen und sich für den halben Preis einer Kinokarte das Original aus den Siebzigern, zur Ergänzung den herrlich trashigen Jason goes to Hell, oder Freddy vs. Jason ansehen. So erspart man sich klischeehafte Teeniesprüche, unkreatives Gemetzel und einen absolut austauschbaren Schluss. Freitag der 13. ist keine gelungene Wiederbelebung eines etwas in Vergessenheit geratenen Horrorstars, sondern ein großer Flop ...
Das Genre braucht wieder Klassiker
Andere übernahmen in den letzten Jahren das Horrorgenre. Immer und immer wieder aufgewärmte Geschichten von verfluchten (japanischen) Häusern, kleinen Kindern oder Geistern, oder gar Kindgeistern. Eine Flut, die rasch nach dem Ring an Substanz und Anhängerschaft verlor, aber immer noch nicht vollends abgeebbt ist. Auch jene verdammten Orte, die einem ein Geheimnis aufs Auge drücken wollen, fanden nicht mehr so recht Anklang bei der Zuseherschaft. Und was mit Saw so gut begann, bringt spätestens ab Saw 5 nur noch Fadesse. Doch dann kam die kleine britische Produktion Severance und bewies, dass Splatter als altgedientes Horrorsubgenre durchaus ein Retter in der Not sein kann. Mehr noch: Gewalt kann auch irre komisch sein! Das hat unter anderem schon Regisseur Sam Raimi in seiner Tanz der Teufel-Saga in den 80ern bewiesen.
Was das alles mit Freitag der 13. zu tun hat? Ein konsequentes Remake, eine zeitgemäße Auffrischung einer Ikone des Horrors wäre sicher nicht verkehrt gewesen, und hätte Jason gut zu Gesicht gestanden. So schafft es der neue Streifen aber noch nicht einmal, Jasons Geschichte, seinen wortwörtlichen Untergang, für ein neues junges Publikum reizvoll aufzubereiten.
Man darf hoffen, dass, nachdem auch Mike Myers in Rob Zombies Halloween-Remake nicht das große Comeback feiern konnte, zumindest Freddy Krueger schon bald wieder in unseren Träumen wiederkehren darf – vielleicht sogar gemeinsam mit dem Herrn vom Crystal Lake ...