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Zug fährt ab!
Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an… und mit 67? Da endet der Fahrplan – zumindest für Odd Horten im neuen Film von Bent Hamer.


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Von Eisenbahnen, verpassten Anschlüssen und Skispringern berichtet Florian Widegger

Vierzig Jahre lang im Dienst der norwegischen Eisenbahn, ist es für Odd Horten (Baard Owe) an der Zeit, das Käppchen an den Nagel zu hängen und sich in den wohlverdienten Ruhestand zu begeben. Nach einer wunderbar skurrilen Abschiedsfeier steigt Horten jedoch in eine falsche Wohnung ein und muss unfreiwillig dort übernachten. Am nächsten Morgen verpasst er – zum ersten Mal in seinem Leben – seinen letzten Zug. Den passionierten Pfeifenraucher bringt auch das nicht so schnell aus der Ruhe. Diese Ereignisse sind nur der Auftakt einer skurrilen Odyssee, auf die sich Horten begibt.

Kritik
Hamers Film ist erneut ein Fest für all jene, die den zurückhaltenden Humor der Skandinavier zu schätzen wissen. Horten ist ein tragisch-komischer Charakter, ein verschrobener, aber dennoch liebenswerter älterer Herr, dessen Leben mit dem Ende seines beruflichen Daseins eine drastische Wendung nimmt. Dieses Grundmotiv erinnert etwas an den heuer ebenfalls in den Kinos gelaufenen Leergut aus Tschechien, die Umsetzung jedoch folgt anderen Prinzipien. In O’Horten ersetzt nicht eine Arbeit die andere, vielmehr muss sich der Hauptcharakter mit seiner eigenen Vergangenheit auseinandersetzen. Das geht sogar so weit, dass er am Schluss von der Skisprungschanze auf dem Holmenkollen in Oslo springt – um seiner Mutter, einer gefeierten Skispringerin (denen der Film im Übrigen auch gewidmet ist) ein letztes Mal zu entsprechen.

Bis es soweit ist, manövriert sich Horten jedoch von einer abstrusen Situation in die nächste. Ob er nun als Einschlafhilfe bei einem kleinen Jungen wachen muss, weil er bei einem falschen Fenster eingestiegen ist, oder mit roten Damenstiefeln durch Oslo stapft und dabei die Bekanntschaft mit einem Mann macht, der vorgibt, mit verschlossenen Augen sehen zu können: O’Horten sorgt für Abwechslung. Am stärksten im Gedächtnis bleiben wohl diese wunderbar traumwandlerischen Bilder, in denen Menschen auf der eisglatten Straße an Horten vorbeirutschen. Große Poesie für die große Leinwand!

Baard Owe spielt Odd Horten mit gewitztem Charme und stoischer Gelassenheit, der das Leben nimmt, wie es kommt und nach den vom Film auferlegten Abenteuern sich auf das größte einlässt: Sich (wieder) zu verlieben. Die herzerwärmende Geschichte macht O’Horten zum idealen Film für kalte Winterabende!