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In den Fängen des Müllermeisters
© 2008 Twentieth Century FoxEin Fantasyfilm aus Deutschland nimmt sich Otfried Preußlers Krabat an und wird zur Schauermär über die Faszination von Macht, Magie und Liebe.


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Über Literaturverfilmungen lässt sich streiten. Das ist auch bei Krabat nicht anders. Doch die Legende berichtet, dass Autor Otfried Preußler – ein Mann, der meine Kindheit literarisch prägte wie kaum ein anderer (und ich denke, da geht es nicht nur mir so) – nachdem er die Verfilmung gesehen hat, sich persönlich bei den Machern bedankt hat.

keine Zauberschule besucht hat Florian Widegger

Kritik
Aufregende Kamerafahrten über verschneites Berg- und Hügelland stimmen uns auf die kommenden zwei Stunden ein. Krabat (David Kross), ein Betteljunge zur Zeit des 30-jährigen Kriegs, hört eine Stimme in seinen Träumen, die ihm befiehlt, zur alten Mühle in Schwarzkollm zu gehen, und sich beim dortigen Müller (Christian Redl) in die Lehre zu begeben. Doch die Müllersburschen dort lernen nicht nur das Mahlen von Getreide, sondern auch die Kunst der schwarzen Magie. Im Altgesellen Tonda (Daniel Brühl) findet Krabat einen Vertrauten, der ihm hilft, die harte Lehre durchzustehen. Als sich Krabat eines Nachts in das Bauernmädchen Kantorka (Paula Kalenberg) verliebt, beginnt er, seine Entscheidung zu bereuen, und muss feststellen, dass der Preis, den er für die unheimliche Ausbildung bezahlen muss, zu groß ist. Doch ein Entkommen vorm Meister scheint schier unmöglich…

Mittlerweile kann man bereits zahlreiche Kritiken zum Film lesen, und das Gros der Rezensenten scheint sich einig zu sein, dass der Film an seinen zu hoch gesetzten Zielen scheitert: ein Fantasyspektakel in tollen Bildern, aber ohne viel Substanz. Vieles wirkt unausgereift, die Spezialeffekte sind nicht immer ganz lupenrein und die Schauspieler liefern zwar allesamt eine überzeugende Leistung ab, sind aber als hart arbeitende Müllersburschen im 17. Jahrhundert nie glaubwürdig.
Man kann das aber auch anders sehen: Zum einen sind deutsche Fantasyfilme nicht gerade häufig auf der Leinwand anzutreffen. Zum anderen springt das in Krabat erzeugte Flair einfach auf die Zuschauer über. Eben weil an Marco Kreuzpaintners Verfilmung vieles weitaus weniger glatt gebügelt ist, als es zunächst den Anschein hat. Die größte Stärke des Films liegt in der überragenden Atmosphäre: Eine düstere Grundstimmung liegt über dem Geschehen, die Ausstattung versprüht irgendwo zwischen Bauernhausidylle und verdreckter Mühle ganz und gar Charme „aus der Zeit“.
Gern folgt man der recht flott erzählten Geschichte, die das Buch – soweit ich mich noch daran erinnern kann – auch ganz ordentlich zusammenrafft. Sicherlich, die Botschaften von Freundschaft, Liebe, Gut und Böse sind filmisch fast schon zu platt umgesetzt – Schwamm drüber. Womit es sich Kreuzpaintners Film dann doch wieder verscherzt, ist der stellenweise viel zu hektische Schnitt. Da wird man doch leider wieder aus der malerischen Landschaft in die „filmische“ Realität gezogen, in der Zugeständnisse an ein junges Publikum gemacht werden müssen. Schade, denn Krabat hätte wirklich das Zeug zum „Meisterwerk“ gehabt…
Erst Ghetto, dann Kinderfilm
http://www.allesfilm.com/show_article.php?id=22583