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Wo bleibt der Sex?
© 2008 Sony Pictures Releasing GmbHIn seinem zweiten Bond-Einsatz ballert Daniel Craig als rachetriefende Kampfmaschine alles nieder, was ihm in den Weg kommt. Die Lizenz zum Töten als Freibrief.


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Nach Vespers Tod ist 007 (Daniel Craig) fest entschlossen, die Hintermänner ausfindig zu machen. Auf Haiti macht er die Bekanntschaft der schönen Camille (Olga Kurylenko), die eine Liaison mit dem undurchsichtigen Dominic Greene (Mathieu Amalric) hat. Ohne Anhaltspunkte verfolgt Bond den aalglatten Geschäftsmann bis nach Südamerika. Dort erfährt er, dass Greene plant, die bolivianische Regierung zu stürzen, um in den Besitz eines scheinbar wertlosen Stück Landes zu kommen.

Kritik

Gezählte sechs Verfolgungsjagden, geschätzte 27 Bond-Opfer, so viele Locations wie in keinem Bond-Film davor: Rekorde halten bisweilen nicht nur als willige Vermarktungsattribute her, sie gelten im Fall von Ein Quantum Trost auch als verlässliche Wegbeschreibung für die Absichten seiner Macher. Lebte Casino Royale von der genialen Idee, den grobschlächtigen Nobody Daniel Craig als Konterpart zum eleganten Playboy mit Hang zur Ironie aufzubauen und ihn keuchend in die Nähe von Action-Urgestalten wie Bruce Willis zu rücken, so tut sich Teil 2 da wesentlich schwerer. Eine wilde Autoschieberei in den berüchtigten Küstenvorsprüngen um den Gardasee und Kletterspiele am Kirchengerüst zu Siena treiben zwar das Actionbarometer auf gewohnte 007-Höhen. Doch die Frage nach dem Warum stellt sich spätestens, als Bond in einem Hotel einen vermeintlichen Widersacher regelrecht abschlachtet.

Der Plotgedanke dahinter ist ein durchaus interessanter: Bond als Getriebener und Opfer seiner Gefühle. Rachsucht entkleidet den britischen Agenten seiner Professionalität, macht ihn zum schweigsamen Killerkommando. Was fehlt, ist der Schalk im Nacken des Agenten.
So schweigsam und verbittert war Bond noch nie. Ein Quantum Trost würde bequem in die Schublade der Terminatoren und Rambos passen, wäre da nicht Bonds wortgewaltige Chefin M. Die Leiterin von MI6 sieht wegen Bonds Alleingang dessen Loyalität zu Job und Queen gefährdet. Die sonst so lange Leine wird also gestrafft: Wenn sich Bond das Blut von den Lippen wischt, ist M schon längst dort. Aus verbalen Schusswechseln werden brutale Machtspiele: So lässt M auf dem Höhepunkt des Konflikts sämtliche Karten und Ausweise ihres besten Agenten sperren. Klar, dass sich 007 nicht davon aufhalten lässt und bei Kumpel Mathis (Giancarlo Giannini mit viel Würde) rasch Unterstützung findet („I'm out of plastic“). Doch kann M ihrem besten Mann noch vertrauen?
Judi Denchs mit tragender Eleganz und bestem Oxford-Englisch ausgestattete Geheimdienstchefin bekommt damit endlich den Raum, den man ihr schon zu Pierce Brosnan-Zeiten gewünscht hätte. Irgendwann gerät dieser psychologische Kriegsschauplatz allerdings auf das Abstellgleis und wird nicht zu Ende gespielt. Wie so viele Ansätze im Film, erstickt auch dieser im Keim.

© 2008 Sony Pictures Releasing GmbH
M stellt die Vertrauensfrage

Selbst die sagenumwobene Manneskraft des Spions, der 100 Frauen liebte, fährt auf Schmalspur. Mit Camille, seiner Partnerin „in crime“, verbindet ihn nur der unbändige Drang zur Revanche, für körperlichen Austausch ist da keine Zeit. Eine andere Erklärung für die tote Hose im Bett: Olga Kurylenkos weibliche Ausstrahlung entspricht einer Mischung zwischen Navy-Soldatin und Aerobic-Madonna. Die einzigen Streicheleinheiten mit Gemma Arterton, die annähernd als Liebesszenen durchgehen könnten, hätten einem Roger Moore jedenfalls die Schamesröte ins Gesicht getrieben.

Neben Verzicht auf Sex und Martini überdeckt Daniel Craigs roboterhafter Feldzug auch fast die politische Komponente: Greene, Lenker eines weltweit operierenden Umweltkonzerns, hebelt mit Hilfe korrupter Generäle die linken Regierungen Südamerikas aus. Worum es ihm geht, ist nicht – wie man in Zeiten hoher Energiepreise vermuten könnte - Öl, sondern Wasser. Der skrupellose Anzugträger mit dem stechenden Blick besitzt am Ende gar 60% der Wasserreserven Boliviens. Dort, wo heute einer der wichtigsten politischen Hoffungsträger einer verarmten Bevölkerung sitzt, bringt der Film die Drohgebärde des kriminellen Spiels mit der Ressource Wasser ins Spiel. Ein Schelm, wer hier an politische Realitäten denkt.

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Daniel Craig kommt in 103 Minuten kein Lächeln aus

Dennoch: Die Absicht, Ein Quantum Trost als dramaturgische Brücke zwischen Casino Royale und dem nächsten Teil aufzubauen, ist von beginn an so evident, dass dieser Film den niedrigsten Widererkennungswert zu seinen Bond-Vorgängern aufweist. Die spezifischen Eigenheiten der Serie und des Charakters opfert Regisseur Marc Forster lieber Geschwindigkeitsrekorden und Knalleffekten. Bonds Bauernschläue beim Ärgern von bösen Buben kommt nur einmal zur Geltung: Als er seinem Widersacher Dominic Greene nach Bregenz folgt und dort während der Vorstellung von „Tosca“ ein konspiratives Treffen aufmischt. Die tragischen Tötungsszenen auf der Bühne laufen im Rausch der Musik parallel zur Abschlachtung von Greenes Männern ab, die Kameras zieht den Rhythmus der Blutspur nach. Ein Hauch von opulentem Actionkino, passend zum 007-Legendenschein. Wir hätten uns mehr davon gewünscht.


Trivia - Geschichten und Gschichterln

Zitat
Deutsche Website zum Film:
http://www.ein-quantum-trost.de