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Gefangen im Kinderzimmer
© 2006 Senator FilmScarlett Johansson steht als frisch gebackene Nanny einem kleinen Monster gegenüber. Nichts für angehende Au pair-Mädels/Jungs, die sich auf eine schöne Erfahrung freuen; aber auf jeden Fall ein vergnüglicher Kinoausflug für stressgeplagte Babysitter ...


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mitgefühlt von Peter Ehrenberger

Kritik

Der Weg in die Wirtschaft ist ein schwieriger: "Könnten Sie spontan erklären, wer Sie sind?" – Diese Frage brachte schon Adam Sandler in Die Wutprobe (sehr zum Vergnügen von Jack Nicholson) zur Verzweiflung. Annie (Scarlett Johansson), eine frischgebackene Akademikerin aus New Jersey, erwischt dieser knappe Satz während eines Vorstellungsgesprächs in Manhattan eiskalt. Fluchtartig verlässt sie das Büro, eilt in den New Yorker Central Park und sinniert über ihr Dasein, als ihr plötzlich von einem Knirps eine Heldentat abverlangt wird.

Grayer (Nicholas Art), so der Name des kleinen Mannes, hat Annie scheinbar sofort zum Fressen gern und weil seine völlig überforderte Mum (Laura Linney) ohnehin gerade auf der Suche nach einem neuen Kindermädchen ist, wird aus Annie über Nacht die Nanny.
Doch was sich als berühmte „ruhige Kugel“ mit gutem Verdienst und netten Extras ankündigt, erweist sich schnell als nerviger Vollzeitjob in einer völlig zerrütteten Schnöselfamilie.

Babysitter kennen ihn, diesen einen Satz, den Kinder in Grayers Alter so gerne zu ihrem Aushilfsvormund sagen – „Das sag ich meiner Mammi und dann kriegst du Ärger!“ - ist die Standardphrase des Bösen mit Knubbelgesicht. Ein Satz, der vor allem dann ergreifend nahe geht, wenn man gerade das gekochte Essen dank einer ungeschickten Handbewegung am Boden verteilt hat, oder in einem Anfall unbegründeter Nächstenliebe der Meinung ist, seinem minderjährigen Schützling ein paar Freiheiten (Marmelade aus dem Glas essen z.B.) zugestehen zu können. Auch die Nanny tappt zunächst in diese und noch viele andere Aggressionsfallen, findet aber rasch liebenswerte Aspekte des kleinen Rackers und lernt nebenbei ihren neuen Nachbar „Harvard Hottie“ besser kennen. Ein Leben voller Gegensätze, Höhen und Tiefen beginnt ...

Fazit:
Mit viel Verspätung kommen die Nanny Diaries, Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers, nun auch in unsere Kinos. Die Leinwandadaption der Romanvorlage ist eine nette Tragikkomödie mit leichtem Romantikeinschlag geworden. Scarlett Johansson spielt ihre Rolle durchaus solide, kann aber nicht an Performances, wie wir sie unter anderem in Matchpoint gesehen haben anknüpfen und steht gegen die charismatische Laura Linney oft auf verlorenem Schauspielposten.
Die filmischen Nanny Diaries transportieren zwar den Inhalt der Vorlage gut und erweitern die Geschichte auch um einige sehenswerte Facetten, können aber den Sarkasmus, die große, allzeit präsente Stärke des Buches, nur selten gelungen wiedergeben. Alles in allem ein etwas zu braver, aber durchaus sehenswerter Film, indem auch Sängerin Alicia Keys und der Held der genialen Komödie Sideways, Paul Giamatti, in Nebenrollen zu sehen sind. Sarkasmus-Schonkost made in Hollywood.