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Kritik im Clipformat
Jan Kounen hat mit 39,90 das Buch verfilmt, das vor sieben Jahren zum Synonym des Werbe-Glamours wurde – verdorben und sexy. Die Bilder sind rasant, die Botschaft bekannt.


Werbung


„Ich entscheide, was sie morgen unbedingt wollen“. Octave Parango, Werbe-Genie in der Pariser Agentur „Ross&Witchcraft“ ist nicht wirklich ein Gutmensch. Überbezahlt, arrogant, selbstverliebt und mit einem ernsthaften Kokainproblem geschlagen lebt er ein Hochglanz-Leben. Wider Erwarten verliebt er sich in die junge Agentur-Angestellte Sophie, ergreift aber die Flucht, als sie schwanger wird. Die Abscheu vor der Macht der eigenen Branche wächst in Octave. Er lässt den Höhepunkt seiner Karriere, einen Großauftrag für ein Fitness-Joghurt, zum Eklat werden, um seine eigene Entlassung zu provozieren.

Kritik
39,90. Der Titel des 2001 erschienenen Romans von Frederic Beigbeder war gleichzeitig sein Verkaufspreis in Deutschen Mark. Zwar noch irgendwo herumspukend, aber eigentlich vergessen wie DM und Francs ist die Werbewelt, die Jan Kounen in seinem Film verkaufen will. Dass die Welt eine andere ist als es Glitzer- und Ekelszenen wie das Morgengrauen nach einer Kreativen-Party mit Models und Koks suggerieren, kann jeder nicht erst seit dem Wirtschafts-GAU der vergangenen Tage sehen.

In der Nachzeitigkeit liegt das Hauptproblem von 39,90: Der Segway im Büro ist zwar noch nicht ganz so mehrheitsfähig wie das kreative Herumlungern vor dem Apple-Notebook. Das Schockpotential der Revoluzzer-Story implodiert trotzdem vor dem abgedroschen wirkenden Rahmen des Films. Regisseur Kounen hat sich nicht genügend von der Buchvorlage emanzipiert, um den Zeitgeistwandel zu überstehen. Dass Werbung ein irrationales Maß an Macht besitzt und Geld die ganze Chose am Laufen hält, weiß jeder, der es wissen will.
Trotzdem: Schillernde Optik und gute Schauspieler retten 39,90 auf ein unterhaltsames Level. Hauptdarsteller Jean Dujardin sieht Star-Autor Beigbeder sogar überraschend ähnlich. Optische Anlehnungen an Musikvideos wie „Come undone“ von Robbie Williams machen Jan Kounens Vorgeschichte deutlich: Der Niederländer drehte Videoclips, vor allem für die Synthie-Band Erasure. So Nineties.
Infos zum Film:
http://www.lunafilm.at/3990.html