Das hätte man
Andrew Stanton nun wirklich nicht zugetraut. Als einer der vielen Regisseure der Pixar-Riege war er bisher vor allem durch seinen publikumswirksamen Pixar-Beitrag
Findet Nemo bekannt geworden. Die Geschichte um den jungen Clownfisch Nemo spielte weltweit über 860 Millionen $ ein, was selbst für die erfolgsverwöhnten Kalifornier einen enormen Erfolg bedeutete. Doch mit
Wall-E beschreitet Pixar einen gänzlich anderen Weg als bei ihren bisherigen Filmen.
Wall-E eröffnet zu den Tönen von
Michael Crawfords „Put On Your Sunday Clothes“ und zeigt die Erde als riesigen Müllberg, menschenverlassen und vor sich hin vegetierend. Die düsteren Bilder von der zerstörten Erde erinnern eher an ein Endzeitdrama als an einen Animationsfilm. Hinzu kommen die gewohnt düsteren und melancholischen Klänge von
Thomas Newman, die die Atmosphäre auf perfekte Weise komplettieren. Was dann in den ersten 30 Minuten folgt, lässt sich wahrlich schwer in Worte fassen. Eine halbe Stunde lang beobachten wir Wall-E. Er ist als Einziger seiner Zunft übrig geblieben und sortiert wie gewohnt den Müll auf der Erde. Doch Wall-E hat im Laufe dieser Zeit eine eigenartige Neugier entwickelt und sammelt über die Monate und Jahre allerlei Sachen in seinem Zuhause. Doch er entwickelt neben seiner Neugier auch andere Gefühle: Einsamkeit und Sehnsucht. Bis er eines Tages auf die Roboter-Dame EVE, die die Erde nach Zeichen von Leben aufsucht.
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| Wall-E mit seiner großen Liebe EVE |
Animationsfilme leben von der Identifikation des Zuschauers mit den künstlichen Charakteren der Animationswelt. Nun fällt dies bei allerlei süßen Tieren sicherlich wesentlich leichter als bei einem animierten Roboter, der maximal seinen Namen aussprechen kann. Es ist ein ziemliches Wagnis in einem stark umkämpften Markt solch ein Experiment zu wagen, wie es Pixar mit
Wall-E eingegangen ist. Doch das mutige Konzept geht eindeutig auf.
Wall-E ist wundervoll konzipiert und animiert und strotzt von einer unglaublichen Detailgenauigkeit, die auch schon die letzten Pixar-Filme auszeichnete. Doch Herzstück des Films ist die bedingungslose Liebe von Wall-E zu EVE, die teilweise wirklich tief berührt. Dass auch Pixar schnell an die Grenzen der Experimentierfreudigkeit stoßen muss, zeigt sich deutlich in der zweiten Hälfte des Films. Auch wenn hier gewohnt temporeiche und unterhaltsame Kost auf hohem Niveau geboten wird, so verlagert sich die Storykonstruktion in gewohnt sichere Gefilde. Dennoch bietet auch die zweite Hälfte herrliche Anspielungen an Sci-Fi Klassiker wie z. B.
2001: Odyssee im Weltraum und macht als netten Nebeneffekt auch noch die Folgen der Umweltzerstörung greifbar. Al Gore hatte beim Ansehen sicherlich seine wahre Freude daran, genauso wie alle anderen Kinogänger die ergreifende Geschichten billigen Klamauk vorziehen.