Suche: Suche abschicken


Auf der Jagd nach der Vogelscheuche
© 2008 Warner Bros. Ent.Es gibt viele Lost Highways in den USA – David Lynch hat uns einen davon gezeigt. Nun ist seine Tochter, Jennifer Lynch, an der Reihe, ein ganz besonderes Roadmovie auf die Kinobesucher loszulassen ...


Werbung


Aufgeklärt von Peter Ehrenberger

Kritik

Und schon sind wir mitten drin, im Resümee zum Highway-Massaker. FBI Agent Sam (Bill Pullman) und seine sympathische Kollegin Elizabeth (Julia Ormond) haben alle Hände voll zu tun, der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Ein verstörtes kleines Kind (sehenswert: Ryan Simpkins), eine junge Frau, die man getrost als Semijunkie bezeichnen kann, und ein wütender Cop sind die einzigen Überlebenden eines entsetzlichen Gewaltverbrechens, das sich wenige Stunden zuvor auf einer entlegenen Landstraße zugetragen hat.

Während die FBI-Leute versuchen, ihrem Dienst zwischen Seelenklempner und Spurensucher gerecht zu werden, stellt man als Zuseher rasch fest: so ganz normal ist in diesem Film keiner der Protagonisten. Weder der sadistische Polizist, noch die gefühlskalte Dame und schon gar nicht das unheimlich phlegmatische kleine Kind, das als einziges den Durchblick zu haben scheint. Während in Rückblenden der Tag der Betroffenen noch einmal aufgerollt wird, drängt sich der Verdacht auf, dass hier irgendetwas nicht stimmt, sogar ganz gewaltig faul ist. Wo der tote Hund begraben liegt, sollten sich Thriller-Fans aber selber ansehen, jetzt im Kino!

© 2008 Warner Bros. Ent.
Helden der 90er, wieder belebt: Bill Pullman und Julia Ormond

Jennifer Lynch kann und will den Einfluss ihres Vaters offenbar nicht verleugnen. Sie bedient sich ähnlicher Soundeffekte, scheinbar deplazierter Zeitlupenaufnahmen und bizarrer Weltbilder, die die gefühlte Realität der Charaktere widerspiegeln. Diese düstere Machart garniert sie mit einem teils entfremdenden Soundtrack, der viele unterschiedliche Lautstärken und Klangnuancen kennt und fordert. Anders als ihr Vater, der in seinen letzten Filmen auf eine bequeme Logikschnur verzichtete, hält Jennifer aber durchaus an einem nachvollziehbaren Handlungsgerüst fest und lässt auch am Ende die Zuschauer nicht verwirrt vor einer dunklen Leinwand sitzen. Unter Kontrolle ist ein gar nicht so unkonventioneller Thriller, wie der Trailer vermuten lässt. Dank seiner besonderen Optik und den großartigen Schauspielern machte Lynch aus einem selbstgeschriebenen und an sich nur mittelmäßigen Drehbuch einen überdurchschnittlich guten Film – kein Wunder, dass sich Papa David gerne als Executive Producer zur Verfügung stellte!