Der Aufstieg auf einen 7000 Meter hohen Berg stellt selbst für erfahrene Bergsteiger eine außergewöhnliche Herausforderung dar. Hunderte erfahrene Bergsteiger ließen beim Erklimmen der höchsten Bergspitzen des Himalayas bereits ihr Leben. In diesem Zusammenhang klingt die Geschichte von
Blindsight schier unglaublich: Eine Bergsteiger-Gruppe möchte mit sechs blinden Kindern den Aufstieg auf einen 7100m hohen Berg angehen. Die Kinder sind allesamt Schüler der ebenfalls blinden, deutschen Projektleiterin Sabriye Tenberken. Sie ist die Begründerin einer Blindenschule in Tibet - denn blinde Menschen gelten in ihrem Heimatland als „vom Teufel besessene“ und werden gesellschaftlich ausgestoßen.
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| Die Bergsteiger-Truppe beim beschwerlichen Aufstieg |
Filmemacherin Lucy Walker begleitete dieses außergewöhnliche Vorhaben und liefert mit
Blindsight eine vielseitige und spannende Dokumentation ab. Walker zögert dabei nicht, ein möglichst unmittelbares Bild der Gefahr dieser Situation zu zeichnen, und lässt glücklicherweise Konflikte nicht auf dem Schneidetisch zurück. Hochdramatisch die Situation, in der die ersten Kinder Symptome einer möglichen Höhenkrankheit zeigen. Es brechen Konflikte in der Gruppe aus: Was soll man tun? Soll man die Kinder aus der Gruppe abspalten? Soll man die Gruppe zusammenhalten und gemeinsam absteigen, gleichzeitig aber auch den Traum der Kinder aufgeben? Immer wieder führt uns Walker die schwierige familiäre Situation der Kinder vor Augen.
Blindsight scheut nicht davor auf die Kontroversen, die dieses Projekt aufwirft, einzugehen und sie für den Zuschauer festzuhalten. Im Gegensatz zum vor kurzem angelaufenen
Sharkwater, der eine absolut einseitige, beinahe propagandistische Form gewählt hat, um sein durchaus interessantes Sujet vorzubringen, liefert uns
Blindsight hingegen ein greifbares, dramatisches und sehenswertes Dokument eines ungewöhnlichen Projekts.