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Alter schützt vor Abenteuer nicht
© Universal PicturesOhne Hut geht’s auch diesmal nicht: Steven Spielberg lässt seinen Lieblingshelden auf der Jagd nach einem funkelnden Machtsymbol schwitzen, schlagen und schimpfen wie eh und je. Hochgeschwindigkeits-Popcornkino, dem der Mut zum letzten Risiko fehlt.


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Die Indy-Fanfare bläst Reinhard Bradatsch


Nevada, 1957. Eine russische Armeeeinheit unter Führung der eiskalten Agentin Irina Spalko (Cate Blanchett) überfällt eine US-Militärbasis. Indiana Jones (Harrison Ford), den die Häscher auf der Suche nach einem geheimnisvollen Kristall gekidnappt haben, kann knapp entkommen. Vom FBI und Spalko gejagt, lernt er in einem Pub den Halbstarken Mutt (Shia LaBeouf) kennen. Dieser führt ihn auf die Spur des geheimnisvollen Kristallschädels, einer im Amazonasgebiet von Akator befindlichen Glasskulptur. Demjenigen, der den Schädel zurück in den Tempel bringt, wird unvorstellbare Macht versprochen. Auf dem Weg dorthin warten auf Indy und Mutt jede Menge Abenteuer: Es gilt eine ausgestorbene Sprache zu entschlüsseln, übel gelaunte Skorpione zu besänftigen und mehrere Falltüren zu überwinden. Bis sie erneut von Spalkos Einheit geschnappt werden und sich der übermütige Mutt als Indys Sohn entpuppt...
© Paramount Pictures International Limited
"Wohl das erste Mal in der Geisterbahn, Junior?"

Kritik
Fast zwei Jahrzehnte ist es her, dass sich der im besten Midlife Crisis-Alter befindliche Harrison Ford mit Filmvater Sean Connery nicht nur verbale Schlagabtäusche lieferte. An Ford, pardon an Dr. Henry Jones jr., dem Teilzeit-Archäologieprofessor mit übermäßigem Faible für Abenteuerurlaub, ist das Alter seither nicht spurlos vorüber gegangen. Und das ist gut so: Die graue Haarpracht, die Furchen in der Denkerstirn und die größeren Schweissflecken – kein Problem. In den 19 Jahren, in denen Indy vom Naziverhauer zum Kommunistenjäger mutierte, sind wir ja mitgealtert.
Womit wir auch beim Kernmotiv dieses mehrfach verschobenen Sequels sind: die alten Zeiten hochleben lassen; also feuchte Hände zu bekommen, wenn Indy bloß 30 Sekunden Zeit hat, nicht zu Atomstaub zu verfallen und sich in einem Gefrierschrank versteckt, den es ein paar Kilometer durch den Wüstensand weht; mitzulachen, wenn er sich mit seiner Jugendliebe Marion (Karen Allen aus Jäger des verlorenen Schatzes) so lange gehässige Wuchteln an den Kopf wirft, bis der Sowjet-Bewacher schwindlig gelabert ist; oder mit ihm die Hieroglyphen an der Wand eines peruanischen Gefängnisses zu entziffern. Also endlich wieder die Hochschaubahn besteigen und dieses Magenkribbeln haben. Wer könnte das besser als die beiden Jugendfreunde Hollywoods, Spielberg und Lucas?

© Paramount Pictures International Limited
Spaß bei den Dreharbeiten: Steven Spielberg und George Lucas

Die Frage, was ein Teenager-Publikum mit einem Helden anfängt, der statt mit computergenerierten Laserpistolen zu ballern die Peitsche knallen lässt, stellen sich die beiden Kindsköpfe erst gar nicht. Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels ist eine Wühlkiste voller Reminiszenzen an vergangene Zeiten, ein Film, der von Selbstreferenzen lebt. Jede Wegkreuzung, jede Dialogzeile, jede Farbgebung hätte so schon in Teil 1 – 3 stattfinden können. Verbindungen und Querverweise werden im Minutentakt offeriert, bisweilen mit einem Quentchen Melancholie: Als Jones von seinem Uni-Rektor auf die Straße gesetzt wird, blickt er noch einmal das Foto seines Vaters an, jenem übergroßen Vorbild - dem er jetzt auf einmal nicht mehr gerecht werden soll?
Die Generationenfrage stellt sich bei Indy IV auch in die andere Richtung: Shia LaBeouf als Mutt, ein übermütiger Jungspund mit glatt polierter Elvis-Tolle, der sich im Film vom Studenten-Infight bis zum Messer-Akrobat – nur konditionell – steigert, ist wohl Nummer 1 im Besetzungskarussell für die kommenden Jones-Verfilmungen. Eine Entscheidung, die zu hinterfragen wäre: Die ehemalige Teenie-Entdeckung agiert merklich blass und wirkt im Schatten seines Kollegen Ford, dem früher selbst mehr Talent auf der Werkbank als vor der Kamera attestiert wurde, wie ein überforderter Stichwortgeber.
Neben Indys Weggefährten ist der Feind, bedingt durch den Zeitenwechsel, ein anderer: Sowjet-Kommunisten, die hier – passend zur McCarthy-Ära – über die Amerikaner auch psychologisch die Oberhand gewinnen wollen. Zwar sauböse, an Nazis kommen sie dann doch nicht heran. Selbst Cate Blanchett als oberfiese Irina Spalko wirkt da weniger bedrohlich wegen des strengen Pagenschnittes als wegen ihrer hypnotischen Besessenheit von der Macht des Kristallschädels („This next weapon is ours to have“).

© Paramount Pictures International Limited
Mit dieser Dame (Cate Blanchett) sollte man sich nicht anlegen

Als Achillesferse erweist sich nur das Drehbuch: Nachdem George Lucas im Vorfeld gleich mehrere Skripte im Mistkübel entsorgt hatte, demonstrierte auch Blockbuster-Routinier David Koepp keinen goldenen Füller. 
Die Handlung schlägt zwar routiniert Haken zwischen Katz-und-Maus-Spiel – Höhepunkt ist eine hinreißende Auto-wechsle-dich-Verfolgung mitten im Urwald – und selbstironischen Einzeilern (Mutt auf Jones' fortgeschrittenes Alter hinweisend: „For an old man you aren't bad in a fight“). Die inneren und äußeren Konflikte – nicht zuletzt das Vater-Sohn-Dilemma in Der letzte Kreuzzug – bleiben im Dunkeln. Eklatant wird das, wenn Indy seine Flamme Marion Ravenwood als Gefangene der Sowjets wieder trifft und die Liebe der beiden neu entflammt. Alte Konflikte werden gerade einmal beiläufig erwähnt, die vielschichtige Persönlichkeit des Professors weicht dem nächsten Faustschlag. Im Bestreben, das Stammpublikum nicht zu verschaukeln, vergisst der Film auf seine Charaktere und deren Motive. Kein Wunder also, dass die Hochzeit Indys mit Marion wie ein loses Anhängsel wirkt.

Davor geht Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels bereits merklich die Puste aus: Selbst das hohe Tempo, ein verlässliches Qualitätsmerkmal der Reihe, reduziert sich im Showdown auf Schauwerte aus Horror und Fantasy, etwa wenn zombieartige Wesen zum Gegner erwachsen. Statt dessen offenbart sich ein CGI-Feuerwerk, in dessen Verlauf die gesamte Ausgrabungsstätte zerstört wird. Peinlicher Tiefpunkt: ein Ufo, das dem zerstörten Tempel „entsteigt“.

„Ein B-Movie auf A-Niveau“, nannte Erfinder George Lucas die Indiana Jones-Filme: Zumindest dieses Versprechen kann Teil vier getrost einlösen.


Trivia - Geschichten und Gschichterln

Zitat
Deutsche Website zum Film :
http://www.indianajones.com/intl/at/main/
Kritik zu :