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Speed macht noch keinen Racer
© 2008 Warner Bros. Ent.Was in den 60ern als japanisches Rennfahrer-Animé begann, findet jetzt im bunten Retrolook den Weg in die Kinos. Die Matrix-Macher Andy und Larry Wachowski designten einen Science Fiction Film in Videospieloptik, der nicht nur am Sehnerv rüttelt...


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Ausgebremst von Peter Ehrenberger

Kritik

Über loopinggespickte Rennstrecken in allen Regenbogenfarben, gebaut auf und über Städte – die wie ein Mix aus Star Wars, einer Brise Konsolenspiel à la Wipe Out und gnadenlosen Geschmacksverirrungen der 60ies wirken – rasen dutzende Rennwagen dahin. Sie sliden in die Kurven, dass fast jeder "Need for Speed"-Fan sofort neidig werden muss und kennen dabei weder Skrupel und schon gar keine Furcht.
Warum sollten sie auch? In dieser schönen Welt gibt es kein Schleudertrauma und so gut wie nie Unfälle, die tödlich enden. Wer seinen Wagen zu Schrott fährt, oder in bester Punching-Ball-Manier von seinen Kollegen abgedrängt wird, rollt einfach in einer Art Riesenkaugummi verpackt Richtung Pannenstreifen. In diesem Rennsport ist scheinbar alles eitel Wonne, oder?
Nicht ganz – denn manchmal, aber nur ganz selten, sind auch hier Unfälle fatal und die jeweiligen Fahrer bezahlen mit dem Tod. Speed Racer’s Bruder, Rex Racer, einst der beste Fahrer der Welt, erlitt einen solchen Unfall. Über den Verlust kam die Familie nie hinweg. Schon gar nicht Papa Racer (John Goodman), der vom Rennsport besessen ist und einen kleinen, aber effektiven Rennstall als Familienbetrieb führt. Doch das Leben muss weitergehen und Speed Racer ist schon fast so gut wie sein geliebter Bruder. Auch er ist am Weg, der beste in seinem Gewerbe zu werden und sein Fahrstil ist reinste Kunst, wie ihm seine Mama (Susan Sarandon) versichert. Mit dem Erfolg beginnen aber auch die Aasgeier zu kreisen. Allzu bald muss der naive und von Emile Hirsch überraschend glatt gespielte Racer erkennen, dass der Profirennsport ein hartes Pflaster ist. Es tummeln sich Kopfgeldjäger (Moritz Bleibtreu und sein einziger, begrenzt origineller Satz "Here we go again") auf der Piste, reiche Sponsoren im Hintergrund ziehen die Fäden und bestimmen, wer der nächste Star wird und wer auf der Strecke bleibt.
© 2008 Warner Bros. Ent.
"Weiß irgendjemand den Feuerwehrnotruf?": Emile Hirsch auf Speed

Racer hat alle Hände voll zu tun, um die Romanze mit seiner Flamme Trixie (Christina Ricci) zu schaukeln, auf dem Pfad der Tugend zu bleiben und das schmerzlich überzuckerte Happy End zu bewerkstelligen. Doch zusammen mit dem charismatischen Polizisten Inspector Detector (Benno Führmann - belegt die wohl beste Nebenrolle in diesem Film) und dem mysteriösen Racer X (Matthew Fox) an seiner Seite, ist Speed Racer wahrlich auf der Überholspur...

Zwar nimmt sich Speed Racer immer wieder selbst auf die Schippe, hat den einen oder anderen hellen Moment und ein gründlich durchdesigntes, fast schon cartoonartiges Ambiente, dass seines Gleichen sucht, schießt aber dann doch deutlich über das Ziel hinaus, nicht nur was seine Länge betrifft.
Am Ende vergammelt der Film regelrecht in Plattitüden. So belustigend die 60er Jahre Hintergrundmusik im Waltons-Stil zu Beginn ist, so enervierend wird sie gegen Ende hin. Die Gaunereien von Racer’s kleinem Bruder und seinem Hausschimpansen wirken spätestens ab der zehnten Sequenz deplaziert und tragen nichts zur Handlung bei. Noch schlimmer sind die von Angesicht-zu-Angesicht-Dialoge: speziell die verhinderten Liebeserklärungen zwischen Trixie und Racer verkommen zu pornoästhetischem Gesäusel wider Willen.

Speed Racer hätte durchaus das Potential, Gaming-Fans in seinen Bann zu ziehen. So ist aber aus dem Film, trotz seines immensen Budgets, des Staraufgebotes und der ausgefallenen Idee ein missglückter Kinderfilm geworden, der mehr als einmal als Exempel für den Begriff Visual Overkill dienen könnte.