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Formatradio, Brother!
Vom Knasti zum Radiostar: Kasi Lemmons´ Talk to me erzählt die Geschichte der Karriere eines Outsiders in den USA der 60er Jahre. Groove und Witz sowie ein gelungener Soul-Soundtrack machen einen etwas verwaschenen Schluss wett.


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„I`m just a con – Ich bin nur ein Ex-Häftling.“ Ralph „Petey“ Greene (Don Cheadle) ist ein Emporkömmling der rassendiskrimierenden amerikanischen sechziger Jahre. Trotz seines schnellen Erfolgs vergisst er nicht, wo alles begann: in Haft. Mit lockerem Mundwerk und Überzeugungsgabe gelingt es ihm, schnell den roten Faden des American Dream zu finden. Er wird beim Lokalradio W.O.L. zur schwarzen Stimme von Washington, D.C. Über das Radio und sein Talent kommt Greene zum Fernsehen und schließlich zum Tempel der US-Comedy: der Tonight Show mit Johnny Carson. Aber Greene stellt „being real“ über den kommerziellen Erfolg – zur Enttäuschung seines Wegbegleiters Hughes (Chiwetel Ejiofor).

Foto: Senator Film

Kritik
Talk to me beginnt mit dem Drive eines Supremes-Stücks: Cheadle als durchgeknallter One-Liner-Lieferant ist eine schlüssig inszenierte Figur, die trotz ihrer Überdrehtheit niemals lächerlich wirkt. Charmant auch Taraji P. Henson als Petey Greenes Frau Vernell und filmische Inkarnation von Retro-Chic. Greene verdankt seinen Job beim Radiosender W.O.L. nicht nur seinen Steherqualitäten gegenüber Programmchef Dewey Hughes (Chiwetel Ejiofor), sondern auch den Gesetzmäßigkeiten des Radiomarktes: Quote muss her, und die bringt Greenes Show überraschend zuverlässig. Beim Tod Martin Luther Kings rutscht der Radio-Mann in die Rolle des Beschwichtigers von Massenkrawallen – ungewollt, denn sein Selbstkonzept hängt immer noch am Status des Ex-Häftlings – und das überzeugt: Talk to me erzählt nicht nur die allzu oft gesehene Geschichte des Showstars, dem sein Ruhm zu Kopf steigt. Trotz Alkoholeskapaden und anderer Spirenzchen liefert Greene saubere Arbeit ab. Aus anfänglicher Antipathie zwischen Greene und dem steifen Programmdirektor entwickelt sich eine symbiotische Männerfreundschaft: Die Unterschiede zwischen den beiden Figuren weichen auf, am Schluss hat Ejiofor sogar den funky Blaxploitation-Look von Cheadle perfektioniert. Und eine Geschäftsbeziehung, die den Moderator bis in die Tonight Show bringt. Die Unterschiede zwischen den beiden Figuren weichen auf, am Schluss hat Ejiofor sogar den funky Blaxploitation-Loook von Cheadle adaptiert. Ab diesem Zeitpunkt in Talk to Me rutscht die Nadel von der Supremes-Platte und leitet über zu verwaschener Fahrstuhl-Musik. Die beiden Medien-Männer gehen getrennte Wege, das Tempo fällt rasant, und zu Ende des Films müssen emotionale Konflikte aufgedröselt werden, die leider nicht die Intensität der ersten Hälfte des Films liefern.
Ergreife deine Chance, aber bleib dir selbst treu: Die zentrale Message des Films bringt Regisseurin Lemmons, die mit Eve`s Bajou bereits vor zehn Jahren zahlreiche Preise gewann, schlüssig zur Sprache. Umso bedauerlicher, dass Talk to me von einem beschwingten Sittenbild der sechziger Jahre zu einem undefinierten Ende findet. Noch bedauerlicher: Radio wie „Petey“ Greenes Show gehört in Zeiten gleichgeschalteten Formatradios der Vergangenheit an.

Zitat
"Petey" Greene: "I'll tell it to the hot, I'll tell it to the cold. I'll tell it to the young, I'll tell it to the old. I don't want no laughin', I don't want no cryin', and most of all, no signifyin'. This is Petey Greene's Washington."
Die deutsche Filmseite
http://www.talktome.centralfilms.de