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Bonos Schuhe - zum Angreifen
© Fantasia FilmKonzertkarten zu teuer? U2 3D – der nächste Schritt zum Live-Erlebnis, ohne live dabei gewesen sein zu müssen.


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Auf den Straßen, die keinen Namen haben, schlendert Reinhard Bradatsch

Kritik

Konzertmitschnitte sind eine zwiespältige Sache. Auf der einen Seite fankompatible Erinnerungsstücke für die Ewigkeit, die mehr zeigen als der inszenierte Videoclip, die den Eindruck des Nahe-Seins am Star suggerieren wollen; auf der anderen Seite eine oft qualitativ diskussionswürdige Mogelpackung, die – wie erst unlängst mit der entbehrlichen Falco-Aufmotzungs-DVD „Symphonic“ – mehr Techniker als Musiker bei der Fabrikation beschäftigt.

Auch bei diesem „Live“-Erlebnis haben Dutzende von Digital Artists Producers, Spydercam Operators und HD Engineers ihre Lohnzettel entgegen genommen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: U2 3D ist ein dreidimensional beeindruckender Ausflug zum Bombastrock der vier Pop-Millionäre, die sich derartige Experimente – 80 minütiger Konzertmitschnitt im Kino – ohne Sorge um den Kontostand leisten können.
Musikalisch bieten die Iren ein Potpurri aus Stücken ihres bislang letzten Albums „How to dismantle an atomic bomb“ (darunter das treibende „Vertigo“ als Opener“) und einem Best of ihrer – an Hits wahrlich nicht armen – Karriere: Da reihen sich Gassenhauer wie „Sunday Bloody Sunday“ und „Where the Streets have no Name“ an das messianische „Pride“ und landen irgendwann bei der pompösen Liebeserklärung von „With or Without You“. Bonos Stimme in Hochform, der Sound von The Edge, Adam Clayton und Larry Mullen jr. gigantomanisch.

© Fantasia Film
Die typische Handbewegung von The Edge

Nüchtern betrachtet ist das Material des in Südamerika aufgenommenen Teiles der „Vertigo“-Tour freilich ein Konzertfilm wie jeder andere auch: keine Doku, keine Bandbio. Musik pur. Für U2-Jünger ein wahres Fest.
Für alle anderen, die wenig mit Bonos Politpamphleten in Versform anfangen können und denen die Akkordarbeit von The Edge mehr an Automechaniker als an Virtuosen erinnert, wird es möglicherweise nicht reichen, hautnah zu erleben, dass Larry Mullen tatsächlich an einem Glas Orangensaft in den Pausen nippt; Oder dass The Edge ein 5 cm-dickes Armband trägt. So nah tragen die 3D-Kameras den Gig an den bebrillten Zuschauer, der hier eindeutig mehr bekommt als die übliche Sardinen-Perspektive bei Stadionkonzerten.


Trivia - Geschichten und Gschichterln

Die beiden Regisseure sind treue visionäre Wegbegleiter von U2: Catherine Owens hat seit 15 Jahren bei den Konzerten der Band die Bildregie inne, Mark Pellington verantwortet das Video zu "One" und hat Clips für zahlreiche andere Künstler, u.a. für Pearl Jam, gedreht.

Die Aufnahmen stammen aus 2006, als die Vertigo-Tour in Südamerika Station machte. Der 80 Minuten-Mitschnitt wurde aus 100 Stunden (!) Filmmaterial entnommen.

Deutsche Website zum Film:
http://www.u23d.de