Niemand mag Musical. Seien wir doch ehrlich. Diese Missgeburt des Showbusiness glänzt meist durch Lieder, die zu schwülstig für die Charts sind, und Handlungen, die so flach sind wie Wienerschnitzel in deutschen XXL-Restaurants.
Sweeney Todd ist hier glücklicherweise in letzterem Fall eine Ausnahme.
Steven Sondheims Musical ist eine düstere Fabel über die Tatsache, dass Rache selten zu einem Happy End führen kann.
Wenn dann auch noch ein Regisseur wie
Tim Burton die Peitsche schwingt, kann eigentlich fast nichts mehr schief gehen. Aber nur fast. Leider können auch viele gute Zutaten ein eher mittelmäßiges Ergebnis produzieren. Das erste Problem ist dabei zwangsläufig die Musik. Die Lieder sind nicht gerade sehr eingängig, dafür aber in geballter Ladung vorhanden. Das ist in einem Musical zwar normal, wenn man das Format aber nicht mag, hat man ein Problem. Etwas mehr Dialoge wären nett gewesen, besonders was den bösen Teil des Films betrifft.
Alan Rickmann und
Timothy Spall können nur selten glänzen, und auch ihr Part bleibt insgesamt eher klein. Einen netten Auftritt hat
Sacha Baron Cohen als „italienischer“ Barbier, dem Sweeney Todd nicht ganz unbekannt ist. Es wäre kein Wunder, würde Cohen bald ins ernste Fach wechseln und dabei eine gute Figur machen. Er hat Talent.
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| "Mia hättn net im Semmeringtunnö Urlaub mochn suin, Spotzl." |
Aufgebaut wird der Film natürlich auf Todd (
Johnny Depp) und Mrs. Lovett (
Helena Bonham Carter), die beide trotz ihrer Verbrechen die Helden des Films sein sollen. Hier zeigt sich die Klasse der Inszenierung. Wenn die Mordserie beginnt, ertappt man sich dabei, auch die Guten nicht mehr ganz so bedingungslos zu unterstützen. Ihr Handeln hat nämlich nichts mehr mit Rache zu tun. Unschuldige Menschen werden verwurstet und dem Volk in Form von Kuchen vorgesetzt. Erst am Ende findet die Story wieder auf den ursprünglichen Weg, und gerade dieses Ende ist der beste Teil des Films. So fad der Film zwischendurch zu werden droht, so blutig und kompakt inszeniert Burton den Schluss, in dem Blutfontänen im Sekundentakt spritzen.
Beeindruckend dabei die letzte Einstellung, die zu einem wunderschönen Gemälde wird, in dem zwei Menschen eng umschlungen in einer Blutlache ihr Leben aushauchen. Trotzdem kann man
Sweeney Todd als einen eher schwächeren Burton bezeichnen. Aber gegen Musicalstoff hat fast niemand eine Chance.