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Verdammt, wir streben doch...
© MR-Film...alle nach dem ultimativen posthumen „Falco“-Hype. Thomas Roth hat nichts unversucht gelassen die Kunstfigur in Szene zu setzen, Manuel Rubey imitiert und brilliert, das Rundherum irritiert.


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es lebt noch Gisela Säckl

Kritik

Der Hansi Hölzl war ja schon zu Lebzeiten eine Legende. Der Überflieger. DER Falco. Neben Schnitzel, Sachertorte und Mozartkugel der größte österreichische Exporthit. Dass sich seine Lieder auch ein paar US Bürger auf die (Platten-)Teller geholt haben, lässt noch heute Produzenten mit geschwellter Brust dasitzen. Und das Beste dran: Er ist tot. Eine der Grundvoraussetzungen, um in Wien, man möchte meinen in ganz Österreich, gemocht zu werden. Und außerdem kann man dann in diversen „Jubiläumsjahren“ mit dem Guten wieder mächtig Schotter machen.

Vor 10 Jahren starb Falco in der Dominikanischen Republik. Er fuhr mit seinem Jeep in einen Bus. Filmisch wird dieses tragische Ende als Zeitsprung zwischen einzelnen Episoden in seinem Leben dargestellt. Beobachtet wird er in den Stunden vor seinem Tod von der sichtlich gealterten und noch immer gnadenlos schrillen Grace Jones. Die Besetzung der Nebenrollen im Film sei an dieser Stelle, weil nicht uninteressant, erwähnt: unter anderem gibt es einen bebrillten Christian Tramitz (Der Schuh des Manitu) als Manager Horst Bork, eine laszive Sunnyi Melles (Geld) als Dame vom horizontalen Gewerbe und eine Oben-ohne-Performance von Doris Golpashin (Free Rainer) zu sehen.

Die Hauptrolle hat unter Getöse und viel Trara der „Mondscheiner“-Frontman Manuel Rubey übernommen. Nach einigen gescheiterten Verhandlungen mit hoffnungsvollen Nachwuchsschauspielern wie dem (doch irgendwie viel zu blonden) Robert Stadlober (Verschwende deine Jugend) ist die Wahl auf ihn gefallen - und Rubey hat seine Hausübungen brav gemacht. Die unbestrittene Ähnlichkeit mit Hölzl und die akribisch einstudierten Gesten sprechen für ihn. Leider schwankt er von Szene zu Szene zwischen beeindruckender Authentizität und ungenügender Bemühtheit. Sämtliche im Film gezeigte Videosequenzen sind detailgetreu nachgestellt und nachgesungen von Rubey, Außenaufnahmen wie das verregnete Konzert am Donauinselfest 1993 wurden mit hunderten Statisten nachgedreht. Vom Aufwand her eine wahre Glanzleistung, allein die Umsetzung wirkt nicht immer überzeugend.

© MR-Film/Petro Domenigg filmstills.at
Manuel Ruby als der Falke: Ganz nah am Original?

Dramaturgisch ist die Vermischung der öffentlichen Person Falco und der des Hansi Hölzl leider einfach zu konstruiert. Wenn jeder Satz bei Alltagshandlungen wie eine Textzeile aus einem seiner Lieder klingt, stellt sich unweigerlich die Frage, ob sich hier das Leben an den Liedern orientiert und nicht umgekehrt. Diese schnörkellosen Kausalzusammenhänge wirken ungewollt lächerlich. Ebenso lächerlich ist das Merchandising rund um den Film - alle, vom Elektromarkt über die Exfreundinnen bis hin zu vermeintlichen Familienmitgliedern wollen die Gunst der Stunde nutzen, um verbissen wie ein Rottweiler am Wadl der Nation auf den „Falco-Expresss“ aufzuspringen.

Trotzdem: Der Film wird sein Publikum finden. Auch sei er jedem mittelschweren Patrioten und Strizzifetischisten ans Herz gelegt. Der klassische Wiener Schmäh rennt, ohne Frage. Auch wenn sich Falcos Musik in Amerika verkaufen hat lassen, dieser Film ist allein für österreichisches Publikum bestimmt. Quit living on dreams.

http://www.falcoderfilm.at