Alles begann mit einem 10-Seiter im Esquire: Scott Anderson schilderte in seinem aberwitzigen Artikel "What I did on my summer vacation" das Abenteuer seines Sommers 2000. Bei einem beruflichen Aufenthalt in Sarajevo zu den fünften Jubiläumsfeierlichkeiten anlässlich des Kriegsendes trifft er auf Kriegsberichterstatter-Kollegen von früher. Natürlich fließt der Alkohol in Strömen und unter den betrunkenen Journalisten werden alle alten Raubergeschichten aus dem Jugoslawien-Krieg ausgegraben. Als ein Kollege meint, den Aufenthaltsort des derzeit meist gesuchten Kriegsverbrechers zu kennen, beschließt die Journalisten-Meute im Suff, sich auf die waghalsige Suche zu begeben. Sie wollen in einem "geborgten" alten Mercedes gemeinsam in die immer noch gefährlichen Berge fahren und dort auf die Jagd gehen – nach der Story des Jahres. Nachdem sich schon aus reinen Image-Gründen keiner der Helden in verkatertem Zustand mehr aus der Affäre ziehen kann, fahren sie los. Innerhalb kürzester Zeit bringen sie mehr oder weniger unbeabsichtigt die Weltpolitik in Unruhe – in ganz Ex-Jugoslawien werden die Journalisten für ein CIA-Hitteam gehalten, das den Kriegsverbrecher umbringen will. Alle Beteuerungen des Gegenteils verschlimmern die Sachlage natürlich nur. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich ihre Reise und bringt Feinde aller Couleur auf den Plan – auch die wirklich gefährlichen. Aus dem Spiel wird Ernst, denn ihre eher unglaubwürdige Spur, der sie mehr aus Abenteuerlust denn aus journalistischem Ehrgeiz folgen (die Freundin wartet schon in Italien auf den gemeinsamen Urlaub), scheint aus schicksalhaften Gründen auch noch in die völlig richtige Richtung zu führen. Wie heißt es im Originaltext so hübsch: "But coincidence combined with slivovitz can start to feel an awful lot like destiny" ("Aber Zufall in Kombination mit Slibovitz kann sich ziemlich wie Schicksal anfühlen").
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| Die Rettung des Joints unter Adrenalin-Schub |
Aus dieser wahren Geschichte ist nun ein wirklich guter, wenn natürlich auch adaptierter Film geworden.
Richard Gere spielt Simon Hunt, einen aus erzähltechnischen Gründen völlig abgehalfterten Kriegsberichterstatter, der nach einem Zusammenbruch vor laufender Kamera von seinem US-Sender gefeuert wurde und anschließend in immer seltsameren Ländern beziehungsweise deren Krisengebieten in der beruflichen Versenkung verschwand. Natürlich braucht es für den Zusammenbruch nicht nur den eigentlich logisch völlig ausreichenden jahrelangen tödlich-berauschenden Alltag als Kriegsberichterstatter, sondern auch ein Love-Interest, eine junge Frau, die bei dem Massaker zu Tode kam – schwanger mit Simons Kind. Soviel Zugeständnis muss leider auch im amerikanischen Independent-Kino sein.
Fünf Jahre später überrascht Simon nun seinen ehemaligen Kameramann Duck (
Terrence Howard) in dessen Hotelzimmer im Holiday Inn in Sarajevo. Die beiden verbindet eine lange Freundschaft, die erst mit Simons öffentlichem Absturz und dem darauf folgenden Verschwinden endete. Nun braucht Simon Hunt seinen Freund (der hinter der Kamera im Schusswechsel des Öfteren verletzt wurde, während Hunt seinen Joint in Sicherheit brachte), um die Geschichte des Jahres an Land zu ziehen – er hat angeblich eine todsichere Quelle über den Aufenthalt des meistgesuchten Kriegsverbrechers, Dr. Boghdanovic, der für ein Massaker in einem kleinen bosnischen Dorf verantwortlich ist (ja, natürlich jenem, bei dem Simons Freundin zu Tode kam). Doch Duck, inzwischen beruflich zur Ruhe gekommen und finanziell mehr als abgesichert, zögert. Wenn da sich da nur nicht der ehemalige innere Adrenalin-Junkie zu Wort melden würde… Nebenbei will sich auch noch der frisch studierte Sohn des Vize-Senderchefs (
Jesse Eisenberg) einmal in Abwesenheit seines Vaters profilieren… und schon starten die drei los in ein wirklich wildes Abenteuer, das sie an die Grenze zu Montenegro führt. Und während Simon, Duck und der kleine Absolvent quasi im Vorübergehen die Vereinten Nationen, den CIA, gefährliche Kriegs-Granden und
Diane Krüger in einer nur für deutschsprachige Cineasten interessanten Nebenrolle auf die Palme bringen, entsteht ein bis auf das dem US-Filmsystem zu verdankenden zeitweilig durchschaubarem Beiwerk famoses und lustiges Roadmovie über den Wahnsinn des Krieges, der Weltpolitik und auch des Journalismus.
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| Sarajevo, mon amour... |
Die Dreharbeiten an immer noch zerschossenen Originalschauplätzen in Sarajevo und Zagreb mit aus Tagesmedien und Dokumentarfilmen bekannten Bildern, eine große Besetzung, die sich austoben darf, ein adäquater Soundtrack und vor allem die Kombination aus zynischem Humor auch im Detail und stimmigem Politkommentar überzeugen in jeder Hinsicht. "Nur die unglaublichsten Teile dieser Geschichte sind wahr" heißt es im Film; Der hübsche Abspann, der auch noch zeigt, was wahr und erfunden ist, ist eine der herrlichsten Schlusspointen dieses Jahres.