Die Mutter stirbt bei der Geburt, das Kind lebt. Krankenschwester Anna (Naomi Watts) versucht nun, Verwandte der jungen toten Mutter zu finden, um das Baby vor einer Zukunft im Heim zu bewahren. Eine Visitenkarte führt sie in ein russisches Restaurant, welches von Gangsterboss Semyon (Armin Müller-Stahl) geführt wird. Ein von der toten Mutter geführtes Tagebuch belastet die Familie des russischen Patriarchen mit schweren Vorwürfen. Anstatt auf Anraten aller ihre Bemühungen aufzugeben, forscht Anna weiter nach dem Schicksal der Frau und gerät dabei in große Gefahr.
Man kann sagen, dass der Mann einen Lauf hat. Seit
David Cronenberg vom Übersinnlichen zum „Realen“ wechselte, seit er die Schiene von lahmem Zeug und ausgebleichten Selbstkopien früherer Werke verlassen hat, die dem kommerziellen Höhepunkt nach
Fliege gefolgt waren, hat seine Karriere neuen Schub bekommen.
Was Cronenberg sich hingegen erhalten hat, ist sein Sinn für Körperlichkeit. Haben seine expliziten Aufnahmen von Gewalt und körperlicher Deformation in seinen Sci-Fi-/Horrorwerken „nur“ ihren Zweck erfüllt, so sind sie in
A History Of Violence und
Eastern Promises essentielle Bestandteile des Gesamtbildes. Die abgeschnittenen Finger, die Tätowierungen als Lebensgeschichte und besonders (alle reden ja nur noch davon) die Szene im Badehaus sind puristisch und gerade dadurch voller Wucht. Noch nie wurde nackter Überlebenskampf so drastisch dargestellt wie hier. Purismus und Zurückhaltung sind sowieso die neuen Tugenden des Kanadiers. Keiner kann mit so einfachen Mitteln Spannung erzeugen und die Geschichte vorantreiben.
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| "Ich chätte nicht sollen essen 50 Russisch Ei" |
Wo Licht ist, da ist leider auch etwas Schatten, und der betrifft in diesem Fall witzigerweise die meisten Schauspieler.
Armin Müller-Stahl und
Vincent Cassel überspielen ihre Rollen, und auch ihr Akzent wirkt (im englischen Original) fast schon ein bisschen lächerlich aufgesetzt.
Naomi Watts bleibt den ganzen Film über blass und nervt mit ihrer Penetranz manchmal nicht nur die Russen. Auch ihre Vorgeschichte (verlorenes Kind) kann manchmal ihr übertriebenes Engagement für das Baby nicht ganz erklären.
Diese Kleinigkeiten stören den Filmgenuss aber nicht wirklich, besonders aufgrund der Tatsache, dass
Viggo Mortensen alle überstrahlt. Nikolai ist in seiner Ambivalenz zwischen hart und weich wohl eine der Filmfiguren des Jahres. Mortensen verleiht dem Chauffeur und Bodyguard Präsenz und eine Dreidimensionalität, wie sie die restlichen Figuren leider vermissen lassen. Und der oben erwähnte Überlebenskampf im Hamam gehört zu den Szenen für die Ewigkeit. Hier reiht sich ein neues Regisseur/Schauspieler-Team in die Annalen der Filmgeschichte ein.