Wieder einmal liegt das Schicksal der Menschheit - oder zumindest des minderjährigen Anteils davon - in der Hand eines Kindes. Lyra, die Heldin der Romanverfilmung
Der goldene Kompass, unterscheidet sich trotzdem von ihren – seit
Harry Potter immer häufiger auftretenden – jugendlichen Weltretter-Vorgängern. Das nicht nur, weil diesmal ausnahmsweise ein Mädchen gegen die Mächte des Bösen kämpfen darf: Ihre Fähigkeiten, die sie zur Auserwählten machen, beschränken sich nämlich nicht auf das Schwingen von Schwert oder Zauberstab, sondern liegen vor allem im mentalen Bereich, so dass sie die einzige ist, die das wahrheitssprechende Alethiometer lesen kann. Auch sonst ist Lyra erstaunlicherweise so sympathisch, wie es bei Heldenfiguren made in Hollywood selten der Fall ist.
Das liegt zu einem großen Teil an Leinwanddebüttantin
Dakota Blue Richards. Sie meistert ihre Aufgabe auf überraschend ungekünstelte Weise und wirkt vor allem dadurch überzeugend, dass sie auf unnötig übertriebene Emotionsausbrüche verzichtet (bzw. verzichten darf). Richards stiehlt damit sogar Film-Profis wie
Nicole Kidman und Neo-James-Bond
Daniel Craig problemlos die Show. Vor allem Craig, der mit Filmpartnerin Kidman auch schon in
Invasion gemeinsam im Einsatz war, wird in der Verfilmung von
Philip Pullmans Roman auf eine unwesentliche Randfigur reduziert, woran primär die Kürzungen im Vergleich zum Original-Buch schuld sind. Auch die attraktive Mrs. Coulter, dargestellt von Kidman, ist ein Opfer der Streichungen, ebenso wie die von ihr geleitete Geheimorganisation, die Oblationsbehörde. Dennoch schafft es Kidman in ihren raren Szenen, sowohl Charme als auch ein gewisses Maß an Hinterhältigkeit zu versprühen – letzteres manchmal sogar schon eine Spur zu eindeutig. Deshalb wirkt es fast etwas unglaubwürdig, dass Lyra sich der geheimnisvollen Frau mit dem nicht gerade handzahmen Affen-Daemon so vorbehaltslos anschließt.
Neben einer illustren Besetzung, der auch Bond-Girl
Eva Green,
Christopher Lee und
Sam Elliot angehören, hat das Fantasy-Werk von Regisseur
Chris Weitz (
About a Boy, American Pie) einiges an Special Effects zu bieten. Computeranimiertes Highlight sind dabei die Daemonen, sprechende Tiere aller Gattungen, die einen Teil der Persönlichkeit ihres jeweiligen Menschen verkörpern und untrennbar mit diesem verbunden sind.
Trotz der durchwegs gelungenen filmischen Umsetzung werden Fans des Pullman-Buches jedoch etwas enttäuscht sein, denn den Kürzungen sind einige nicht unwesentliche Szenen zum Opfer gefallen - beispielsweise der komplette letzte Teil des Romans, in dem Lyra nach der Schlacht gegen die „Gobbler“ noch einmal mit ihren Gefährten gegen die Feinde in einen Kampf zieht, der so manche Verluste auf der Seite der „Guten“ fordert. Wahrscheinlich würde ein Film mit tragischem Ausgang aber auch nicht unbedingt dazu beitragen, das Vorweihnachtspublikum in die Kinos zu locken.
Trotz der inhaltlichen Abweichungen liefert Weitz mit dem
Goldenen Kompass einen unterhaltsamen, teils actiongeladenen, teils kinderfreundlichen Fantasy-Film ab, der noch dazu mit einer erstaunlich guten Hauptdarstellerin aufwarten kann.