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Wahrheitssuche im hohen Norden
© 2007 Warner Bros. Ent.In einer Parallelwelt ähnlich der unseren ziehen Eisbären in die Schlacht und kleine Mädchen haben die Macht über das Wissen der Welt. About a Boy-Regisseur Chris Weitz präsentiert dem Vorweihnachts-Publikum eine vor Stars strotzende Romanverfilmung zwischen Action und Familienfreundlichkeit.


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Lyra Belacqua (Dakota Blue Richards), 12 Jahre alt und ihres Wissens nach Vollwaise, lebt gemeinsam mit ihrem Onkel, Lord Asriel (Daniel Craig), in einem englischen College in einer Parallelwelt. Dort gehören Fabelwesen und ungewöhnliche Fluggeräte zum Alltag und jeder Mensch ist in ständiger Begleitung seines Daemons, eines tierähnlichen Wesens als Verkörperung seiner Persönlichkeit. Das idyllische Leben am College gerät aber durcheinander als Kinder von den mysteriösen „Gobblern“, einer staatlich-religiösen Geheimorganisation, entführt werden. Lyra schwört, ihren ebenfalls verschwundenen Freund Roger (Ben Walker) wiederzufinden. Die einmalige Chance dazu erhält sie als die Wissenschaftlerin Marisa Coulter (Nicole Kidman) vorschlägt, Lyra zu einer Expedition in die Arktis mitzunehmen. Vor ihrer Abreise erhält das Mädchen noch einen goldenen Kompass, genannt Alethiometer, den nur sie lesen kann und der ihr immer die Wahrheit zeigt. Auf ihrer Reise durch den hohen Norden trifft Lyra auf gepanzerte Kampfeisbären, piratenähnliche Wandervölker und fliegende Hexen. Schon bald muss sie feststellen, dass nichts so ist, wie es scheint.

Kritik
© 2007 Warner Bros. Ent.
Wieder einmal liegt das Schicksal der Menschheit - oder zumindest des minderjährigen Anteils davon - in der Hand eines Kindes. Lyra, die Heldin der Romanverfilmung Der goldene Kompass, unterscheidet sich trotzdem von ihren – seit Harry Potter immer häufiger auftretenden – jugendlichen Weltretter-Vorgängern. Das nicht nur, weil diesmal ausnahmsweise ein Mädchen gegen die Mächte des Bösen kämpfen darf: Ihre Fähigkeiten, die sie zur Auserwählten machen, beschränken sich nämlich nicht auf das Schwingen von Schwert oder Zauberstab, sondern liegen vor allem im mentalen Bereich, so dass sie die einzige ist, die das wahrheitssprechende Alethiometer lesen kann. Auch sonst ist Lyra erstaunlicherweise so sympathisch, wie es bei Heldenfiguren made in Hollywood selten der Fall ist.

Das liegt zu einem großen Teil an Leinwanddebüttantin Dakota Blue Richards. Sie meistert ihre Aufgabe auf überraschend ungekünstelte Weise und wirkt vor allem dadurch überzeugend, dass sie auf unnötig übertriebene Emotionsausbrüche verzichtet (bzw. verzichten darf). Richards stiehlt damit sogar Film-Profis wie Nicole Kidman und Neo-James-Bond Daniel Craig problemlos die Show. Vor allem Craig, der mit Filmpartnerin Kidman auch schon in Invasion gemeinsam im Einsatz war, wird in der Verfilmung von Philip Pullmans Roman auf eine unwesentliche Randfigur reduziert, woran primär die Kürzungen im Vergleich zum Original-Buch schuld sind. Auch die attraktive Mrs. Coulter, dargestellt von Kidman, ist ein Opfer der Streichungen, ebenso wie die von ihr geleitete Geheimorganisation, die Oblationsbehörde. Dennoch schafft es Kidman in ihren raren Szenen, sowohl Charme als auch ein gewisses Maß an Hinterhältigkeit zu versprühen – letzteres manchmal sogar schon eine Spur zu eindeutig. Deshalb wirkt es fast etwas unglaubwürdig, dass Lyra sich der geheimnisvollen Frau mit dem nicht gerade handzahmen Affen-Daemon so vorbehaltslos anschließt.

Neben einer illustren Besetzung, der auch Bond-Girl Eva Green, Christopher Lee und Sam Elliot angehören, hat das Fantasy-Werk von Regisseur Chris Weitz (About a Boy, American Pie) einiges an Special Effects zu bieten. Computeranimiertes Highlight sind dabei die Daemonen, sprechende Tiere aller Gattungen, die einen Teil der Persönlichkeit ihres jeweiligen Menschen verkörpern und untrennbar mit diesem verbunden sind.

Trotz der durchwegs gelungenen filmischen Umsetzung werden Fans des Pullman-Buches jedoch etwas enttäuscht sein, denn den Kürzungen sind einige nicht unwesentliche Szenen zum Opfer gefallen - beispielsweise der komplette letzte Teil des Romans, in dem Lyra nach der Schlacht gegen die „Gobbler“ noch einmal mit ihren Gefährten gegen die Feinde in einen Kampf zieht, der so manche Verluste auf der Seite der „Guten“ fordert. Wahrscheinlich würde ein Film mit tragischem Ausgang aber auch nicht unbedingt dazu beitragen, das Vorweihnachtspublikum in die Kinos zu locken.
Trotz der inhaltlichen Abweichungen liefert Weitz mit dem Goldenen Kompass einen unterhaltsamen, teils actiongeladenen, teils kinderfreundlichen Fantasy-Film ab, der noch dazu mit einer erstaunlich guten Hauptdarstellerin aufwarten kann.

© 2007 Warner Bros. Ent.

Trivia - Geschichten und Gschichterln
Kirchliche Organisationen haben bereits zum Boykott gegen den Goldenen Kompass aufgerufen. Der Grund: Philip Pullman ist bekennender Atheist und stellt die Kirche durch die religiöse Oblationsbehörde im Film nicht unbedingt positiv dar. Die Warnung aus den katholischen Reihen lautet „Nicht ins Kino gehen“ - immerhin bestünde die Gefahr, dass Eltern die Pullman-Triologie ihren unschuldigen Kindern zu Weihnachten zu schenken.

Zitat
Lyra: "Nobody can make me a lady."

Ballonpilot Scoresby beim Anblick des Alethiometers: "Mighty fancy clockwork you got there."
Lyra: "It’s just a toy."
Scoresby: "Then it’s a mighty fancy toy."
Offizielle Website zum Film:
http://www.goldencompassmovie.com