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Ein zerbrochener Krug und die Folgen
Viel Kitsch, viel Krieg, viel Sentimentalität. Das sind die Hauptzutaten von Abbitte.


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Der Dienstbote Robbie Turner (James McAvoy) hat schon länger ein Auge auf Cecilia (Keira Knightley), die Tochter des Hauses, bei dem er beschäftigt ist, geworfen. Eines Tages passiert ihm ein Missgeschick mit wertvollem Porzellan und er schreibt einen Entschuldigungsbrief an Cecilia. Leider nicht nur eine Version, sondern mehrere. Die anzüglichste von allen lässt er aus Versehen seiner Angebeteten zukommen. Deren kleine Schwester Briony (jugendlich: Saoirse Ronan; eine Spur älter: Romola Garai; wesentlich älter: Vanessa Redgrave) liest die Nachricht und ist - im Gegensatz zu Cecilia - schockiert. So schockiert, dass sie sich sicher ist, dass es nur Robbie sein kann, der an diesem Abend auf dem Anwesen ein Mädchen vergewaltigt hat. Durch die Falschaussage Brionys nimmt das Unglück seinen Lauf. Und irgendwann bricht dann auch noch der Zweite Weltkrieg aus.

Kritik
© 2006 Universal Studios. ALL RIGHTS RESERVED.
Briony (hier gespielt von Romolai Garai) in ihrer mittleren Inkarnation
Der Film fängt recht beschaulich an. In wahnsinnig großartigen Kleidern vertreiben sich die Schwestern Briony und Cecile mitsamt Gefolge auf einem wahnsinnig großartigen Anwesen die Zeit. Die kleine Schwester versucht sich als Dramatikerin, die große raucht Zigaretten und posiert in Badeklamotten. Der Glamour währt jedoch nicht ewig. So hell und freundlich im ersten Teil des Films alles ist, so viel Blut spritzt im zweiten, wo Robbie halluzinierend durch die Schlachtfelder Frankreichs robbt und sich Briony und Cecilia als Krankenschwestern um Leute mit abgetrennten Gliedmaßen und offenen Schädeln kümmern dürfen. Sowohl bei der anfänglichen Idylle als auch bei den späteren Grauslichkeiten hat Regisseur Joe Wright eine Spur zu dick aufgetragen.

Wie auch in der literarischen Vorlage von Ian McEwan ist die Erzählstruktur von Abbitte nicht ganz linear. Immer wieder kippt die Geschichte in eine unerwartete Richtung, doch nicht immer ist diese Richtung auch eine plausible. Gerade die Liebesgeschichte zwischen Robbie und Cecilia strotzt nur so vor Melodramatik. Hier hätte es ein bisschen weniger Upper-Class-liebt-Lower-Class-Fernsehfilmkitsch auch getan.

Keira Knightley mag zwar das Star-Aushängeschild des Films sein, die Hauptfigur verkörpert sie jedoch nicht. Das ist nämlich Briony, die gleich von drei Schauspielerinnen gespielt wird und jedesmal völlig anders angelegt ist. Die heranwachsende (Saoirse Ronan) ist ein wenig beängstigend. Man weiß nie, was bei ihr Berechnung und was wirklich Unwissen ist. Ihr zur Frau gewordenes Alter Ego (Romola Garai) hat nichts mehr von dieser Düsterkeit. Sie ist farblos und viel zu sehr Gutmensch, um interessant zu sein. Ein bisschen spannender wird die Figur dann wieder im Alter, wenn Vanessa Redgrave ihr wenigstens eine Prise Zynismus verleiht. An dieser Briony ist nur eines halbwegs konstant. Die Frisur nämlich.