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| Briony (hier gespielt von Romolai Garai) in ihrer mittleren Inkarnation |
Der Film fängt recht beschaulich an. In wahnsinnig großartigen Kleidern vertreiben sich die Schwestern Briony und Cecile mitsamt Gefolge auf einem wahnsinnig großartigen Anwesen die Zeit. Die kleine Schwester versucht sich als Dramatikerin, die große raucht Zigaretten und posiert in Badeklamotten. Der Glamour währt jedoch nicht ewig. So hell und freundlich im ersten Teil des Films alles ist, so viel Blut spritzt im zweiten, wo Robbie halluzinierend durch die Schlachtfelder Frankreichs robbt und sich Briony und Cecilia als Krankenschwestern um Leute mit abgetrennten Gliedmaßen und offenen Schädeln kümmern dürfen. Sowohl bei der anfänglichen Idylle als auch bei den späteren Grauslichkeiten hat Regisseur
Joe Wright eine Spur zu dick aufgetragen.
Wie auch in der literarischen Vorlage von
Ian McEwan ist die Erzählstruktur von
Abbitte nicht ganz linear. Immer wieder kippt die Geschichte in eine unerwartete Richtung, doch nicht immer ist diese Richtung auch eine plausible. Gerade die Liebesgeschichte zwischen Robbie und Cecilia strotzt nur so vor Melodramatik. Hier hätte es ein bisschen weniger Upper-Class-liebt-Lower-Class-Fernsehfilmkitsch auch getan.
Keira Knightley mag zwar das Star-Aushängeschild des Films sein, die Hauptfigur verkörpert sie jedoch nicht. Das ist nämlich Briony, die gleich von drei Schauspielerinnen gespielt wird und jedesmal völlig anders angelegt ist. Die heranwachsende (
Saoirse Ronan) ist ein wenig beängstigend. Man weiß nie, was bei ihr Berechnung und was wirklich Unwissen ist. Ihr zur Frau gewordenes Alter Ego (
Romola Garai) hat nichts mehr von dieser Düsterkeit. Sie ist farblos und viel zu sehr Gutmensch, um interessant zu sein. Ein bisschen spannender wird die Figur dann wieder im Alter, wenn
Vanessa Redgrave ihr wenigstens eine Prise Zynismus verleiht. An dieser Briony ist nur eines halbwegs konstant. Die Frisur nämlich.