In Barrow, Alaska, bereiten sich wie jedes Jahr alle Einwohner darauf vor, die nächsten 30 Tage ohne Sonnenlicht zu leben. Zeit für Depressionen infolge von Lichtentzug bleibt Sheriff Eben Oleson (Josh Hartnett), seiner Beinahe-Ex-Frau Stella (Melissa George) und den anderen Dorfbewohnern jedoch nicht, denn eine Sippe Vampire nützt den „stellaren Stromausfall“ um aus Barrow ein All-you-can-eat-Restaurant zu machen; ein blutiges Katz-und-Maus-Spiel beginnt.
Regisseur
David Slade, bekannt durch sein Debüt-Kammerspiel
Hard Candy, bleibt seiner Erzählweise treu: Nun hat er sich die Comic-Vorlage von
Steve Niles und
Ben Templesmith aus dem Jahr 2002 vorgeknöpft und gewissermaßen erneut zu einem Kammerspiel inszeniert, dem es jedoch stark an der Darstellung der dafür essenziellen zwischenmenschlichen Beziehungen fehlt. Vieles ist einfach zu plakativ, etwa wenn ein junger Mann seinem dementen Vater aus dem sicheren Versteck hinaus in die tödliche Nacht folgt. Auch die Geschehnisse der zerrütteten Ehe zwischen Jungspund
Josh Hartnett und
Melissa George, bekannt aus dem
Amityville Horror-Remake und der TV-Serie
Alias, kommen nur recht schlecht in die Gänge, was vielleicht am allzu mürrischen Charakter liegen könnte, den
Hartnett darstellt. Ebenfalls wenig überzeugend wirkt
Ben Foster in einem Kurzauftritt als Landstreicher, der den Einheimischen die üble Botschaft vom bevorstehenden Schlachtfest überbringt. Obwohl
Foster die Rolle des schmierigen Unsympathlers sonst gut passt, scheint sein Potenzial in diesem Film etwas vergeudet.
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| Vampirchef (Danny Huston) und sein Clan sind nicht die Hübschesten. |
Ein Lob gibt es hingegen für die gut gemachte Kunststadt, der man garantiert nicht ansieht, dass der Film komplett im wohl temperierten Neuseeland gedreht wurde. Dessen war sich jedoch auch
David Slade bewusst, und so bekommt das Publikum im wahrsten Sinne des Wortes die Gelegenheit, sich an den Kulissen, zwischen denen die brutalen Vampire herumschleichen, satt zu sehen. Das Design der Untoten beruht auf der Comic-Vorlage und stellt einen erfrischenden Kontrast zu den üblichen Rüschen-Vampiren aus Anne-Rice-Verfilmungen und den Mutanten-Blutsaugern, die wir aus
Blade kennen, dar. Schwarze Augen und vor Zähnen strotzende Mäuler unterstreichen die Gewalt, die anfangs für eine sehr beklemmende Atmosphäre sorgt, gegen Ende jedoch ein wenig zum Selbstzweck verkommt. Sobald Sheriff Oleson einmal zur Axt gegriffen hat, kann ihn nichts und niemand mehr aufhalten. Dann zieht der Gore-Faktor gewaltig an und es fließt noch eine Menge Blut, bis zum versöhnlichen Ende, das Sehern von
Blade 2 sicher nicht unbekannt vorkommen wird.
Insgesamt ist
30 Days of Night ein solider Horror-Schocker, der mit den Urängsten des Publikums spielt, zwischendurch etwas aus den Gleisen gerät, aber am Ende gut - allerdings ohne tiefschürfende Neuerungen - zu unterhalten vermag. Daran hat auch der Einsatz von Rot, Schwarz und Weiß einen großen Anteil, denn der Mix aus dunkler Nacht und Blut, das das unschuldige Weiß des Schnees besudelt, hat schon in der Comic-Heft-Miniserie eine schaurig-schöne Optik gewährleistet. Zartbesaitete Naturen sollten sich einen Kinobesuch aber genau überlegen.