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Langsam zum Liebhaber schleichen
Pascale Ferran hat sich getraut, Lady Chatterley mal nicht als Softporno zu verfilmen.


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Clifford Chatterley (Hippolyte Girardot) wurde im Ersten Weltkrieg verletzt und sitzt seitdem im Rollstuhl. Nun lebt er mit seiner Angetrauten Constance (Marina Hands) auf dem beachtlichen Anwesen der Familie. Die junge, hübsche Frau ist gelangweilt und frustriert. Anfänglich sucht sie etwas Abwechslung bei Spaziergängen durch die Natur, doch dann entdeckt sie eine andere Leidenschaft: Sie beginnt eine heiße Affäre mit dem Wildhüter Parkin (Jean-Louis Coullo'ch).

Foto: Stadtkino Wien

Kritik
Eine in Liebesdingen vernachlässigte Ehefrau aus begütertem Hause flüchtet sich in ein sexuelles Abenteuer mit einem nicht gerade standesgemäßen Mann. Das könnte genauso gut die Handlung eines Softpornos sein - und genau das war die Geschichte auch oft genug. Die französische Regisseurin Pascale Ferran zeigt, dass man den Literaturklassiker von D.H. Lawrence durchaus anders sehen kann als als eine bloße Aneinanderreihung von expliziten Sexszenen, auch wenn sie auf diese keinesfalls verzichtet.

Im Mittelpunkt des Films steht aber gar nicht so sehr der sexuelle Aspekt, sondern das was die Protagonisten dazu bringt, so zu handeln wie sie es tun. Constance ist durch und durch frustriert wegen der Körperbehinderung ihres Mannes. Sie sehnt sich nach Nähe, Berührung und auch nach Kindern. Für den Wildhüter Parkin stellt die Liaison mit Lady Chatterley einen Weg da, um über sein einsames Dasein und auch über den Verlust seiner Frau hinwegzukommen. Der Fokus liegt völlig auf der psychologischen Entwicklung der einzelnen Figuren. Es gibt viele stumme Szenen, und insgesamt wirkt alles was passiert etwas träge und langsam. Doch genau dieser Langsamkeit bedarf es, um diese Geschichte plausibel zu erzählen: Damit man auch wirklich versteht, wie sehr Constance sich langweilt, muss man ihr eben Schritt für Schritt dabei zusehen, wie sie durch Wald und Wiesen wandert. Das ist ohnehin ein schöner Anblick, denn die Bilder, die Pascale Ferran dem Zuschauer vorsetzt, sind durchaus ansehnlich. Die Farben sind eher gedeckt und nicht schrill. Alles hat jene schlichte Eleganz, die man sich vom England der Zwischenkriegszeit erwartet. Von Zeit zu Zeit fühlt man sich von den Naturaufnahmen auch an impressionistische Gemälde erinnert - Lady Chatterley ist wirklich hübsch anzusehen.

Von der Länge - immerhin 160 Minuten in der Kinofassung und stolze 200 Minuten in der TV-Version - sollte man sich nicht abschrecken lassen: Das ist eine jener Literaturverfilmungen, die sich so anfühlt, wie man sich die Lektüre eines guten Buchs vor dem Kaminfeuer im England des frühen zwanzigsten Jahrhundert vorstellt. Schön.