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Frau Jedermann im Liebeswahn
Eric-Emmanuel Schmitt hat den Schreibtisch verlassen und sich hinter eine Kamera gewagt. Herausgekommen ist ein modernes Wohlfühlmärchen.


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Der erfolgreiche Schriftsteller Balthazar Balsan (Albert Dupontel) hat eine schwere Krise. Als ob es nicht genug wäre, dass sein Werk bei den Kritikern nicht so recht ankommen will, betrügt ihn auch noch die Ehefrau ausgerechnet mit seinem erbittertsten Feind. Nach einem gescheiterten Selbstmordversuch findet er schließlich Zuflucht bei seinem größten Fan, der Kosmetikverkäuferin Odette Toulemonde (Catherine Frot). Die nette Dame päppelt den krisengbeutelten Künstler mit ihrer bezaubernden Art wieder auf.

Kritik
Amélie Poulain ist in die Jahre gekommen. Sie hat ihre verspielte Pariser Wohnung gegen eine nicht weniger verkitschte in der Provinz getauscht und lebt dort mit ihren beiden erwachsenen Kindern, der etwas verschrobenen Sue Helen (Nina Drecq) und dem schwulen Frisör Rudy (Fabrice Murgia). Auch der rüpelhafte Schwiegersohn in spe, der es mit der Körperpflege nicht so genau nimmt, hat sich bei ihr eingenistet. Die Liebe ihres Lebens hat sie an den Tod verloren. Das hat sie schwer mitgenommen, aber trotzdem ist sie der Meinung, dass das Leben irgendwie weitergehen muss. Zur Not muss man sich eben in fiktive Welten in Büchern und auf Sonnenuntergangsfototapeten flüchten. Amélie trägt jetzt mehr Pastelltöne und hat den Kellnerinnenjob gegen eine solide Arbeit als Kosmetikfachverkäuferin getauscht. Ganz so süß wie früher ist sie nicht mehr, aber sie bemüht sich. Außerdem heißt Amélie Poulain jetzt Odette Toulemonde, aber eine moderne Märchenfigur ist sie geblieben.

© Senator Film

Odette singt, tanzt und schwebt fröhlich in ihrer kleinen Welt herum, immer halb versunken in die etwas seichten Liebesromane ihres absoluten Helden Balthazar Balsan. Er hat durch seine gedruckten Worte ihr Leben lebenswert gemacht, nun ist sie dran, ihn aus dem Schlamm, den der Literaturbetrieb über ihn geschüttet hat, zu ziehen und das macht sie auch ohne zu zögern.
Auch wenn der Film vorgibt, die Geschichte von Odette zu erzählen, steht eigentlich Balthazar viel mehr im Vordergrund. Er ist es, der gerettet werden muss. Er ist es, der erfahren soll, was es heißt, glücklich zu sein. Odette ist die Lehrerin, die Entwicklung macht Balthazar durch. An dieser Konstellation lässt sich schon erahnen, dass hinter diesem Film die Wunschvorstellung eines Schriftstellers steckt, in diesem Fall die von Eric-Emmanuel Schmitt (Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran). Der war in diesem Fall nicht nur für die Geschichte verantwortlich, sondern beweist, dass auch ein durchaus talentierter Filmregisseur in ihm steckt.

Odette Toulemonde ist ein schöner Film, wenn man sich traut, sich in eine Märchenwelt fallen zu lassen und zu akzeptieren, dass es in dieser Fantasiewelt schon einmal vorkommen kann, dass Jesus (Bruno Metzger) so nebenbei irgendwo seine Fähigkeit, übers Wasser zu spazieren, vorführt.