Man schreibt das Jahr 1881. Banden-Anführer Jesse James (
Brad Pitt) und seine Truppe, bestehend unter anderem aus seinem Bruder Frank James (
Sam Shepard) und seinem Cousin Wood Hite (
Jeremy Renner), überfallen einen Zug – zum letzten Mal. Mit dabei ist auch der 19-jährige Neuzugang Robert Ford (
Casey Affleck), ein begeisterter Fan von Jesse und sehr darum bemüht, Freundschaft mit dem Helden seiner Kindheit zu schließen. Als Jesse danach auf der Flucht vor Polizei und Kopfgeldjägern und auf der Suche nach potentiellen Verrätern von einem Ort zum anderen zieht, ist es vor allem Ford, der an seiner Seite bleibt. Doch Jesses Schicksal ist – wie der Titel des Films schon vermuten lässt – unabwendbar.
Banditen-Legende
Jesse James gilt als einer der amerikanischen Western-Helden schlechthin. Kein Wunder also, dass ihm in den letzten achtzig Jahren der eine oder andere Film gewidmet wurde (einer davon sogar mit Jesses Sohn in der Titelrolle). Der neueste Streifen, der sich dem Leben (oder genauer gesagt: Ableben) des berühmt-berüchtigten Banden-Anführers widmet, ist
Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford von
Andrew Dominik. Aber im Gegensatz zu vielen seiner Vorgänger setzt
Dominik nicht auf die Glorifizierung einer Legende, sondern bezweckt eigentlich genau das Gegenteil: Sein Jesse James ist nicht der strahlende Revolverheld, als der er von den Zeitungen und Groschenromanen der damaligen Zeit dargestellt wurde, sondern ein von Verfolgungswahn und Misstrauen gequälter Mann, der es schon längst aufgegeben hat, anderen zu vertrauen. Niemand außerhalb der James-Gang kennt seine wahre Identität, dafür sorgen ständige Umzüge und Namensänderungen. Nicht einmal Jesses eigene Ehefrau, die ihm ohne zu fragen folgt, scheint alles über seine nicht gerade legalen Machenschaften zu wissen.
Brad Pitt als launisch-paranoider Jesse James, der fast verzweifelt nach jemandem sucht, dem er vertrauen kann, stellt den Verfall des Banden-Anführers in Richtung emotionales Wrack auf plastische Weise mit all seinen Höhen und Tiefen dar – bis hin zu dessen Tod, der schon fast nach Selbstmord aussieht.
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Einen Kontrast zu Jesses düsterer Existenz bilden da die Geschichten um den mystifizierten Banditen, mit denen man gleich zu Beginn des Filmes vertraut gemacht wird: Seine Heldentaten, die spektakulären Überfälle, Vergleiche mit Robin Hood – all das wird voller Enthusiasmus von Jesses Zeitgenossen aufgegriffen. Einer von denen, die dem Anführer der James-Gang ganz besondere Bewunderung entgegenbringen, ist der junge Robert „Bob“ Ford, der nicht nur eine komplette Jesse-James-Abenteurerromansammlung unter seinem Bett versteckt hält, sondern sich seinem Idol sogar als neues Gang-Mitglied anschließt. Doch es ist nicht die hohe Kunst des Züge-Überfallens, die Ford von seinem Vorbild zu erlernen erhofft: Sein Ziel ist es, selbst zu einem Helden à la Jesse James zu werden. Umso größer ist deshalb seine Enttäuschung, als sein Vorbild ihn vor den anderen Banden-Mitgliedern zum Gespött macht, trotz der vielen Gemeinsamkeiten zwischen ihnen, die der jugendliche Fan entdeckt zu haben glaubt. Die einzige Chance, die Ford also bleibt, um aus dem Schatten seines Idols zu treten, ist es, selbst ein Held zu werden. In Ermangelung an Alternativen greift Ford zur Waffe und erschießt Jesse James, um als derjenige zu gelten, der den meistgesuchten Verbrecher seiner Zeit zur Strecke gebracht hat.
Legenden und Heldengeschichten sind jedoch unberechenbar und so muss Ford bald erkennen, dass er im öffentlichen Ansehen nicht unbedingt den Ruf genießt, den er sich gewünscht hat.
Casey Affleck, der den 19-jährigen Möchtegern-Helden verkörpert, stellt Robert Ford glaubwürdig als ambitionierten, leicht exzentrischen jungen Mann dar, der sich nicht damit begnügt, sein Idol bloß nachzuahmen, sondern der dessen Rolle gewissermaßen übernehmen will. Auch wenn er als verschlagen dreinschauender Einzelgänger nicht unbedingt von Anfang an die Sympathien auf seiner Seite hat, so macht ihn sein Streben nach Ruhm und Anerkennung doch zum interessantesten Charakter und zur Hauptfigur dieses Streifens.
Es ist bloß die Länge des Filmes von knapp zweieinhalb Stunden, die vor allem im Mittelteil durch streckenweise Eintönigkeit negativ auffällt. Abgesehen davon präsentiert sich
Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford als durchaus gelungenes Psychodrama im Western-Look, das nebenbei auch noch mit idyllischen Landschaftsaufnahmen und einem Soundtrack von
Nick Cave aufwarten kann.