[-] OK, zugegeben: Unansehbar ist
Heroes auf RTL II nicht: die Synchro ist ok, die RTL-II-typische Lästigkeit von Werbeeinblendungen ält sich auf einem Minimum. Trotzdem: In unseren Breiten wird die Serie königlich floppen.
Aber halt – vielleicht sollte ich das Pferd nicht von hinten aufzügeln.
Heroes, das ist eine amerikanische Hit-Fantasyserie. Nicht ganz unähnlich zu den populären
X-Men, erzählt
Heroes die Geschichte zahlreicher Individuen, die nach und nach entdecken, dass sie über besondere Fähigkeiten verfügen (man möchte sagen „Superkräfte“, aber die Serienmacher versuchen klassische Superhelden-Terminologien zu vermeiden). Das Besondere an
Heroes ist, dass die Serie nicht nur in den USA, sondern auch international große Erfolge feiern konnte.
Seit 10.10. läuft die Serie (mit einer bemerkenswert geringen Verzögerung von nur einem Jahr) auch im deutschsprachigen Raum. Auf RTL II, möchte man hinzufügen. Und der Verfasser dieser Zeilen ist Deutschlands prolligstem Sender immer noch böse, weil er die Erstausstrahlung der ebenfalls gefeierten SF-Serie
Battlestar Galactica so gründlich in den Sand gesetzt hat.
Aber wie bereits gesagt: So schlimm ist es gar nicht geworden. Bei RTL II hat man offensichtlich erkannt, dass die Zuseher fortgesetzter US-Serien nicht unbedingt gleichzusetzen mit der aufmerksamkeitsgestörten Klingeltongeneration sind und hat sich, was peinliche Selbstpromotion, Laufschriften während der Sendung und Klingelton-SMS-Gewinnspiele angeht, bemerkenswert zurückgehalten. Und auch bei der Synchronisation hat man sich allzu große Peinlichkeiten gespart. Naja, fast: Der japanische Hero Hiro, der im US-Original japanisch mit sprechblasenartigen Untertiteln spricht, wurde kurzerhand verdeutscht. Exzessives Untertitel-Lesen hat man den Zusehern dann doch nicht zumuten wollen – und meinereiner ist gespannt, wie man dann die so entstehenden Verständigungsprobleme zwischen den Heroes im späteren Verlauf der Serie lösen wird.
Trotzdem (und das habe ich ja ebenfalls schon gesagt) glaube ich, dass die Serie in unseren Breiten gründlichst auf die Nase fallen wird. Denn fortgesetzte Serien laufen in deutschen Landen generell sehr, sehr schlecht, und gerade
Heroes ist eigentlich sehr dicht geknüpft.
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| Jeder dieser schönen Menschen ist ein Hero |
Wesentlich gravierender ist aber ein anderes Problem, das Serien immer mehr und mehr betrifft: die elende Raubkopiererei aus dem Internet. Die „BitTorrent“-Infrastruktur ist mittlerweile so gut ausgebaut, dass so gut wie jede Serie bereits am Tag nach der Original-Ausstrahlung im Netz verfügbar und herunterladbar ist. Natürlich werbefrei und in ausgezeichneter Bildqualität.
Heroes ist sogar ein Paradebeispiel illegaler Vertriebswege: So war die Serie in Ländern wie Frankreich und England bereits bekannt, bevor sie dort überhaupt ausgestrahlt wurde. Was natürlich nicht ganz unproblematisch ist: Wer sich eine Serie bereits werbefrei im Internet angesehen hat, wird sie sich nicht noch einmal verwerbebekleistert im Privatfernsehen geben. Jeder Downloader ist ein verlorener Zuseher, und auch, wenn die Downloader noch eine recht geringe Personenzahl stellen, so deckt sie sich doch recht gut mit der Gruppe derer, die bereit sind, einer fortgesetzten Serie zu folgen.
Diese Unterwanderung konventioneller Vertriebswege macht längerfristig ein Umdenken notwendig (denn auch, wenn das Kopieren von Serienfolgen aus dem Internet illegal ist, so ist es doch eine immer größere Verbreitung findende Realität). In einigen Ländern hat ein derartiges Umdenken bereits stattgefunden: US-Sender NBC bietet
Heroes mittlerweile kostenlos zum Online-Sehen an – natürlich nur für US-Bürger. Und in Frankreich bietet der Sender TF1 Heroes ebenfalls online als Video on Demand an – bereits einen Tag nach der US-Ausstrahlung.
Allerdings hält man auch hier immer noch an alten Strukturen fest: Um die internationalen Verkaufsgelder nicht zu verlieren, müssen die VoD-Angebote natürlich national beschränkt sein – was technisch ausgesprochen umständlich ist – viel leichter wäre es, ein global verfügbares Video anzubieten.
Auf lange Sicht wird sich also sicher etwas tun müssen im Serienland – damit die Heroes auch in unseren Breiten erfolgreich fliegen können.