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Ein Krieg, der nicht zu gewinnen ist
Kolumbien, Imperialismus und Chuck Norris. Ein österreichischer Dokumentarfilm zeichnet Ursache und Wirkung des Kampfes gegen Drogen durch die US-Regierung nach.


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Kritisch betrachtet von Reinhard Bradatsch

Kritik

In Zeiten, in denen ein Michael Moore in 2 Stunden deutlich wirkungsvollere Oppositionsarbeit verrichtet, als es eine Hillary Clinton im gesamten Präsidentschafts-Wahlkampf jemals zuwege bringen wird, sind die eigentlichen Helden des Widerstands längst nicht mehr Nadelstreif-Schwätzer, sondern hemdsärmelige Aktivisten mit einem großen Arsenal an medialen Wurfgeschoßen. Wer will da nicht mitziehen? Außerhalb der Staaten hat sich ja Kritik an Uncle Sam längst als gewohntes Amerika-Bashing manifestiert. Auch The War on Drugs schlägt in die Populismus-Kerbe. Dabei hätte es diese Doku gar nicht nötig.

Eine Chaingang im Gefängnis von Phoenix, Arizona auf ihrem täglichen Rundgang
parallel universe, die mit Pseudonymen arbeitende Gruppe rund um Regisseur sebastian j. f., hat nach der klugen Globalisierungsbestandaufnahme info wars den Drogenhandel in Kolumbien, dem weltweit größten Kokainproduzenten, untersucht. Dabei setzt der Film zeitlich mit dem so genannten „Plan Colombia“ ein.
Um die wirtschaftlichen und kriminellen Auswüchse des seit den 70er Jahren grassierenden Drogenanbaus und -handels in den Griff zu bekommen, schließt die kolumbianische Regierung im Jahr 2000 mit den USA einen folgenschweren Deal: Die USA stellen Flugzeuge zur Verfügung, die Kokafelder mit Pflanzengift besprühen. Konsequenz: Vernichtung der Lebensgrundlage hunderttausender Menschen und irreparable Zerstörung der Natur weit über die verbotenen Anbaugebiete hinaus. Im Gegenzug bindet sich der südamerikanische Staat ans ökonomische Gängelband der USA.
Während im Mittelteil „Rule of law“ Interviews mit Protagonisten der Antidrogeneinheit DEA und Gegnern der Regierungspolitik einen zurückhaltenden, sich selbst offenbarenden Einblick in die Absurditäten eines schon verlorenen Kriegs bieten, wendet sich der dritte Teil radikal vom Thema ab. An Hand von Einzelschicksalen – jedes, so wird suggeriert, ein bemitleidenswertes Opfer amerikanischer Zufallsjustiz – beschreibt der Film das US-Volk als vor dem Abgrund stehende Wegsperrgesellschaft, deren Gefängnisse mit Kleinkriminellen überfüllt sind und deren Insassen allesamt Zielscheibe einer Chuck Norris-Ideologie sind. (Apropos: "Mr. Handkante" persönlich wird verantwortlich gemacht für die Verhaftung einer unschuldigen Afroamerikanerin, die eine lebenslange Haftstrafe absitzen muss, obwohl angeblich selbst niemals in Kontakt mit Suchtgift.)

Bei so viel Effekthascherei rückt die – ungewöhnlich für eine österreichische Produktion – hochprofessionelle Machart und spannende Dramaturgie von The War on Drugs automatisch ins Hinterfeld. Angriffsziel verlegt. Schade um ein brisantes Thema.


Trivia - Geschichten und Gschichterln
Wer den Film zeitgleich mit dem Kinostart am 12.10.2007 in den eigenen vier Wänden erleben will, kann dies via Internet tun. Als kostenpflichtiger Download ist The War on Drugs ab diesem Tag auch auf http://www.doc-air.com zu begutachten.

Zitat
"Drogenhandel und Drogensucht werden niemals verschwinden." (Kevin C. Whaley, Drug Enforcement Administration (DEA))
Website zum Film:
http://www.war-on-drugs.com