Den Tod seines Vaters bei einem Verkehrsunfall hat Kale (Shia LeBeouf)
auch ein Jahr danach nicht verkraftet: Weil er seinen Lehrer attackiert, landet
er vorm Jugendgericht, wo er zu drei Monaten Hausarrest verurteilt wird. Bewegt
er sich zu weit vom Sender weg, schlägt seine Fußfessel Alarm. Kale zieht
sich in sein Zimmer zurück und beginnt aus Langeweile, die Nachbarschaft zu
beobachten – auch das neue Mädchen in der Straße, Ashley (Sarah
Roemer), die das bald bemerkt und beginnt, mitzuspionieren. Bald ist Mr.
Turner (David Morse) ihr Zielobjekt: ein Mann, der auffällige
Gemeinsamkeiten mit einem Frauenmörder aufweist.
Kritik
Wie verzweifelt Hollywood versucht, sich dem Zeitgeist anzubiedern, auf Biegen und Brechen aktuell zu sein, ist heute so durchschaubar wie früher. Vielleicht im Vorhaben sogar noch sichtbarer. Disturbia muss heuer der ungefähr sechzehnte Film sein, in dem das Wörtchen Youtube fällt; immer in der Hoffnung, dass die gut trainierten Konsumkids plötzlich in Begeisterung verfallen, und zwischenzeitlich keinen neuen Trend gefunden haben. Obwohl: Die Geschichte selbst braucht dann gar keine so moderne sein; Da reicht es, HitchcocksDas Fenster zum Hof zu variieren, ein wenig Blair Witch dazuzugeben, und siedende Teenager-Angst: Groß und unverarbeitet trägt Held/Spanner/Detektivlein Kale seinen Verlust-Schuld-Komplex vor sich her. Zum düster reicht es nicht mehr, denn da streiken Shia LeBeoufs Fähigkeiten. Trotzdem ist es ein weiterer Versuch, ihn zum nächsten Superstar aufzubauen, genauso wie es für Carrie-Anne Moss ein Endpunkt ist: Die Umschulung von der Matrix-Posterfrau zur Filmmutter, sie ist abgeschlossen.
Die Spannung, die der Film in Maßen hat, erreicht er nicht durch seine Kids, auch nicht durch David Morse als in sich ruhenden Möglicherweise-Psychopathen, sondern damit, was schon vor über 50 Jahren gut funktionierte: Wegnahme der Bewegungsfreiheit, das Zuschauen-Müssen; die ungestillte Neugier und die anspringende Phantasie, wenn sich eine kleine Beobachtung zu einem imaginären Ganzen füllt. In Disturbia wirkt das alles schwer ausgenutzt: zur Teenie-Unterhaltung, die sich nie so recht kristallisieren will.
Zitat
Ashley zu Kale: „That's either the creepiest or the sweetest thing I've ever heard.“
Ronnie: „Soon to be the most popular video on Youtube...!“