Suche: Suche abschicken


Einmal Läuterung, bitte!
Ein weiteres Werkzeug des Konservativismus: Judd Apatow stellt sich mit seiner scheinbar ausgelassenen Komödie ganz anderen Zielen zur Verfügung.


Werbung


durchleuchtet von Thomas Taborsky

Alison (Katherine Heigl) hat ihre Beförderung zu feiern. In einem Club trifft sie Ben (Seth Rogen): aufgeschwemmt, ohne Job, lebt und kifft mit seinen Freunden in einem verkommenen Haus. Trotzdem reicht es, dass die beiden zusammen im Bett landen. Tage später geschieht, was Ben nie erwartet hätte: Alison will ein zweites Date. Dort teilt sie ihm dann aber mit, dass sie schwanger ist – von ihm.

Kritik
Lässt sich denn ein Film verachten, der es wagt, zugleich ziemlich irr zu sein und doch einsichtig und verantwortungsbewusst?

Mehr als jeder andere.

© 2007 Universal Studios. ALL RIGHTS RESERVED.
Bengerl (Seth Rogen)... und Engerl (Katherine Heigl)
Wir reden schließlich über Beim ersten Mal, eine Komödie, die so absurd gegenläufige Signale aussendet, dass es gar keine Freude mehr ist, dem zuzusehen. Auf der einen Seite predigt sie die Urwerte von Familie, Pflicht und all dem, was religiöse Kreise stolz machen würde, auf der anderen sucht sie sich die denkbar abgedrehtesten Aktionen für ihre Mitspieler aus, lässt sie mit Wonne ablaufen. Sorgt sogar dafür, dass sich Jason Segel, hierzulande noch unbekannt aber in Amerika durch die Serie How I Met Your Mother ein ziemlicher Held, als freikörperlicher Oberslacker verdient machen kann. Dabei will der Film eigentlich nur so weit gehen in seinem hirnlosen Spaß, bis selbst der eingefleischteste Hedonist zurückschreckt und sich denkt 'Na, das ist jetzt aber zu viel'; Chancen dafür bietet er genug. Und ehe man sichs versieht ist der erste Schritt auf dem Weg, ein anständigeres Mitglied der Gesellschaft zu werden, getan.

Es steckt aber noch mehr im Arsenal, das Regie-Shootingstar Judd Apatow (Jungfrau (40), männlich, sucht) aufbietet: seine Beobachtungsgabe in Szenen und Einstellungen, die Bände über die Charaktere sprechen. Der vorgebliche Coolnessfaktor natürlich, wenn man Wörter wie googeln, YouTube oder Myspace fallen lässt. Ein paar simple Einstreuer, was Zuneigung tatsächlich ausmachen könnte. Vorrangig aber natürlich ein wachsender Mutterbauch, der wie selbstverständlich die Wandlung eines Tagediebs zu einem verantwortungsvollen jungen Mann mit Job und Haus auslöst. Auch bei seiner Nebenhandlung ergreift Apatow mit dem Schockfaktor Partei: als nämlich eine Mutter sich nicht wie ihr Mann aus der Routine des Haushalts stehlen kann. Stilisiert wird das Ganze wie ein Ehebruch, aber mit der Fantasy-Baseball-Liga statt mit einer Anderen, garniert mit einem üblen Psychopilze-Trip samt Polstersesselpanik. Wenigstens auch hier ein schauspielerischer Lichtblick, in Form von Leslie Mann, der Frau des Regisseurs.

Nein, trotz allem ist Beim ersten Mal kein schlechter Film, dafür steckt viel zu viel Talent drin. Merkbar ist das schon am Skript, das eine abgedroschene Türsteherszene nehmen und aus ihr etwas Verblüffendes machen kann. Vielmehr ist er fragwürdig: Was er verbricht, ist sich die falschen Fahnen anzuheften. So wie sie alle. Denn es verhält sich ja leider so: Selbst die aufgekratzteste US-Komödie ist tief drinnen kreuzbrav.

Zitat
Der Gynäkologe untersucht Alison: „Well you do look a lot like your sister!“

Jason: „You know like if a woman's on top she can't get pregnant. It's just gravity.“

Pete, als Debbie im Internet die Sexverbrecher-Karte aufruft: „Well, looks like your computer has chickenpox.“

Die Koproduzentin zu Allison: „It's Hollywood. We don't like liars.“
Die deutsche Homepage des Films
http://movies.uip.de/beimerstenmal/