Suche: Suche abschicken


“When you wash the rice, you wash the rice!”
Kochen hilft, und Buddhisten sind cooler als man denkt: Eine Lehrstunde gegen Vorurteile und für besseres Essen.


Werbung


Kritik
Die Botschaft ist vielleicht noch nicht überall angekommen, obwohl die Lifestyle-Köche Jamie Oliver, Tim Mälzer und Konsorten seit Jahren an der Verbreitung arbeiten – aber Kochen macht Freude. Nicht nur Spaß, sondern genuin Freude, zumindest wenn man sich dafür Zeit nimmt. In dieselbe Kerbe und angenehm unesoterisch schlägt auch Doris Dörries Doku How To Cook Your Life über den zen-buddhistischen Koch Edward Espe Brown. Brown („Ich habe zwar einen zen-buddhistischen Ehrennamen – aber alle nennen mich Ed“) ist ein wenig jähzornig, humorvoll, unprätentiös und ziemlich weise.

© Filmladen Filmverleih
Schnippeln, raffeln, dünsten, kneten: Kochen dient nicht nur der Nahrungsaufnahme. Ed Brown erklärts.
How to Cook Your Life ist zugleich Porträt des kochenden Zen-Priesers und Plädoyer für den Genuss, der sich allerdings nicht in hemmungslosem Hedonismus, sondern genauso in fröhlicher Genügsamkeit ausdrückt. Brauchbare Hinweise für die Küche, kleine Geschichten und Gleichnisse aus Eds Kocherfahrung und eine gute Handvoll Ratschläge für ein gelingendes Leben machen hier keine mühselige Mischung aus – im Gegenteil: Dieser Mönch erzählt kurzweilig und immer wieder gnadenlos komisch von Missgeschicken und seiner Erfindung des perfekten Brotteigs. Und Lebensweisheiten wie „When you wash the rice, you wash the rice“ klingen nur auf den ersten Anhieb ein wenig dämlich – und sind eigentlich ein Aufruf, den Moment zu bewahren, den Augenblick zu genießen, und ach, in Wirklichkeit ein Aufbegehren gegen das Multitasking, dem zumindest die Verfasserin so hemmungslos frönt.

Doris Dörrie begleitet den Koch bei seinen Lectures, bei seinen Kochkursen, befragt Freunde und Weggefährten und ihn selbst. Der Film stellt Essgewohnheiten infrage, was wenig mit „vegetarisch“ oder „alkoholfrei“ zu tun hat sondern eher mit „biologisch“ oder „fastfood“: Was wir essen, beeinflusst unsere Umgebung – und Kochen ist eine Form der Fürsorge für sich selbst und andere, die alltäglich bereichernd sein kann. Bei alldem ist der Film nie dogmatisch oder pädagogisch. Brown relativiert fast jede seiner Aussagen mit einem „zumindest für mich stimmt das so“ – er liefert Angebote, die der Zuschauer für sich überlegen kann, und die Leben und Essverhalten wenn nicht nachhaltig verändern, so doch zumindest in eine ein wenig nachdenklichere und genussorientierte Richtung schubsen könnten. Befasse dich wirklich mit dem, was du tust – und hab Freude daran!

Trivia - Geschichten und Gschichterln
Der Film basiert auf Ed Browns Kochbuch Das Lächeln der Radieschen, bei dtv erschienen und sehr brauchbar: Wen die Geschichten nicht interessieren, der kann sich ausschließlich mit den einfachen und ungewöhnlichen Rezepten befassen. Empfehlung!