Die Sonne stirbt und mit ihr zwangsläufig auch das Leben auf der Erde. Deshalb macht sich eine achtköpfige Crew auf, um ihr mit einer Megabombe neues Leben einzuhauchen.
Danny Boyles Karriere als Regisseur kann man als durchwachsen bezeichnen. Positiv zu erwähnen ist, dass sich der Engländer nie in ein Genrekorsett zwängen ließ. Von der schwarzen Komödie
Shallow Grave und dem Drogentrip
Trainspotting (seine beiden besten Filme) bis zum umstrittenen Aussteigerdrama
The Beach und dem jetzigen
Sunshine ist alles vertreten, was das Spektrum Film zu bieten hat.
Das Problem ist nur, dass Boyle und sein Stammdrehbuchschreiber
Alex Garland in letzter Zeit etwas nachlässig mit der Qualität ihrer Filme umgingen. Dabei sind die Filme von der Thematik her sehr interessant und auch die Umsetzung ist über weite Strecken gut, am Schluss geht beiden dann aber die Phantasie aus und das Ganze driftet in banale Dramatik ab. So auch z.B. in
28 Days Later, wo am Ende der Hauptdarsteller selbst zum alles vernichtenden Zombie á la Rambo wird.
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| Proletentoaster im Weltraum |
Das gleiche passiert leider auch in
Sunshine, einem stark an Kubrick und Tarkovsky angelehnten Sci-Fi-Thriller, der sich bis ins Existenzialistische vorwagt. Eine Crew bunt durchgemischter Experten soll eine riesige Bombe in die Sonne bugsieren, um sie wiederzubeleben. Durch eine unerwartete Rettungsaktion kommt die gesamte Mission aber ins Trudeln und das Spiel „10 kleine Jägermeister“ kann beginnen.
Lange Zeit kann Boyle mit seinen Vorbildern mithalten. Die (Anziehungs-)Kraft und Magie der Sonne steht im Mittelpunkt von
Sunshine. Die Mitglieder werden vom heißen Himmelskörper in seinen Bann gezogen, und diese Anziehungskraft nimmt mit Abnehmen der Entfernung zu. Was der Film dabei gut macht, ist dem Zuschauer eine Bedrohung bzw. etwas Überirdisches vorzugaukeln, ohne es je zu zeigen oder in Worte zu fassen. Dabei verzichtet Boyle auch auf unnötige Spannungsmomente, die ja bekanntermaßen eingestreut werden, wenn die Produzenten dem Sitzfleisch der Zuschauer nicht mehr trauen.
Schlimm wird es dann aber im letzten Drittel, in dem das „Böse“ personifiziert wird und damit seinen Schrecken verliert. So einen billigen Twist hätte man sich vom ehemals mutigen Regisseur nicht erwartet. Fast scheint es, als hätte er den Geldgebern Zugeständnisse machen müssen, da ein offenes, unklares Ende die Zuschauer überfordert hätte. Es wäre zumindest nicht verwunderlich, wenn in ein paar Jahren ein Director‘s Cut mit einem neuen letzten Drittel erscheinen würde.
So bleibt der visuell beeindruckende
Sunshine aber leider nur Dutzendware in einer Reihe mit Filmen wie
Event Horizon, die
2001 oder dem originalen
Solaris nicht das Wasser reichen können.