McClane, 12 Jahre nach jener aufreibenden Geschichte mit Bombenleger Sam in New York wieder normalsterblich im Streifenwagen, soll eigentlich nur einen kleinen Hacker nach Washington bringen. Der Teenie steht auf einer langen Liste von Menschen, die an einem bösen Systemausfall schuld sein könnten. Reine Polizei-Routine kann aber per se nicht Inhalt eines Stirb Langsam-Films bleiben. Also ist dem schüchternen Jüngling natürlich schon längst ein Killerkommando auf den Fersen, hinter dem ein verbitterter „virtueller Terrorist“ steht, der nichts Geringeres will, als den ganzen USA den Saft abzudrehen.
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| "McClane? Ich dachte, Sie wären längst tot!" - "Das habe ich schon öfter gehört". |
Ja, es ist eine Freude, Bruce Willis wieder zurückzuhaben. Jene eher dürftigen Ausflüge ins pseudo-ernste oder gar übernatürliche Fach, zumeist ausgerechnet als Psychiater, waren einfach nur Methadon für wahre Willis-Süchtige. Jetzt wird wieder in die Luft gesprengt! Wenn auch ohne zunehmend gammeliges weißes Ripp-Unterhemd, darf die coolste Glatze von allen wieder erdiges, humpelndes, blutig-verschwitztes Actionfeeling verbreiten. Len „Underworld“ Wiseman hat also bei seiner ersten richtig großen Hollywood-Blockbuster-Regie eigentlich wenig versaut, nur das omnipräsente Dunkelblau-Schwarz der Bösewichte und ein ungemein kletterbegabter dritter Bösewicht von links erinnern an die wahrlich unseligen Vampire in Underworld.
Justing Long als hühnerbrüstiges Beiwagerl Matt hat das undankbare Schicksal einer rein funktionalen Rolle: Im Vergleich zu ihm ist McClane furchtlos, cool, väterlich-beeindruckt, altersweise oder einfach nur alt, je nach Bedarf. Vorsintflutlich ist er gleich in doppelter Hinsicht – der Gute muss auf CCR stehen, obwohl das von Bruce Willis’ Alter (nicht seiner Musiker-Biografie) ausgehend musikhistorisch relativ eng wird (wieso darf er nicht einfach AC/DC hören?) und von PC hat er wahrlich keine Ahnung – weder den Computern, noch der Political Correctness. Aber solange McClane noch Kühlschränke zur Deckung umwerfen, „ausgeborgte“ Flugkörper ohne Ausbildung fliegen sowie Helikopter vom Boden aus entweder mit Hilfe von Hydranten oder gleich mit einem fahrerlosen Auto abschießen kann, braucht man sich um diese Welt keine Sorgen machen. Und wer sonst kann schon auf einer einstürzenden Autobahn in einem Truck einen Abfangjäger…ach, lassen wir das.
Und Matt als Nebenfigur ist dringend nötig, ist doch der tatsächliche Bösewicht Thomas Gabriel (der ungläubige Erzengel?) im Vergleich zu den legendären Antagonisten der Die Hard-Serie (Brite Alan Rickman als Nazi! Yesss!) viel zu glatt und blutleer. Den dämlichen Dreistufen-Plan, wie nur schlechte Filmbösewichte ihn haben können, wollen wir im Detail mal außer Acht lassen, denn schließlich geht’s eh nur ums Geld. Zum Trost darf Darsteller Timothy Olyphant demnächst in der zweifelhaften Videospiel-Verfilmung Hitman selbst den letalen Glatzkopf geben. Und sowieso sind 10 Jahre zu alte Ängste wie jene vor dem bösen Internet gerade im Action-Genre tödlich – gab’s darüber nicht schon 1995 einen James Bond-Film? Letztlich sind jene leise surrenden, in Beton gegossenen elektronischen Zentren der Macht - das wissen wir aus dem Kino - doch ganz easy mit einer Waffe, einem Laptop, einem Mobiltelefon und einer CD-Rom zu entern, insbesondere wenn man das Passwort selbst ausgesucht hat.
Ganz korrekt sind Gabriels Mitarbeiter multinational und bis auf einen fiesen Hacker und die wirklich schöne Maggie Q als Mai Lihn durch die Bank gesichtslos – da nützt es nichts, dass die attraktive Darstellerin durchaus auch schauspielen könnte. Einen kurzen starken Moment lang darf „the asian chick, likes to hit people“ McClane brutal gegen die Büro-Einrichtung kicken, wird aber wenig später mit einem frühen Tod bestraft – in einem unguten Aufeinandertreffen von Van und Liftschacht. So wird zwar immerhin durch keine Lüftungsschächte gekrabbelt, aber das mit den starken Frauen in Die Hard wird wohl nie was, auch wenn McClane nach der Rauferei immerhin zu ein paar langen dunklen Haaren – in der Faust - kommt.
Schon wie damals mit der inzwischen Ex-Göttergattin als Geisel in Teil Eins, ist es keine gute Idee von Gabriel, McClanes pubertäre Tochter Lucy zu entführen. „Find Lucy and kill everyone else” ist ab sofort Programm und die Doppelung von Ehefrau und Tochter, die gleichermaßen schlagartig nicht mehr sauer, sondern tapfer sind, mutet - zugegebenermaßen allerdings erst bei retrospektiver Kontemplation Tage nach den zwei Stunden Krawall und Remmidemmi auf der Leinwand - eher seltsam an. Das ist wohl das einzige Problem dieses ansonsten astreinen Action-Films: Man sollte eigentlich gar keine Zeit haben, darüber nachzudenken. Aber zu lange ist der letzte Teil her, zu oft die Serie wieder gesehen und filmhistorisch wieder interpretiert, als dass dies für professionelle Kinogeher möglich ist. Die postmoderne Masche des „wir glauben es sowieso nicht, also machen wir Insiderwitze darüber“, die zudem inzwischen auch schon wieder längst passé ist, ist außerdem nicht dafür geschaffen, Schwächen in der Handlung eines Films zu retten. So zum Brüllen kann „Jay and Silent Bob“-Erfinder Kevin Smith als blader Oberhacker Warlock im Keller seiner strengen Mutter gar nicht sein (und er ist es). Die versuchsweise politische Instrumentierung von McClane ist glücklicherweise sehr kurz gehalten und stört nur, wenn man für so was ein Ohr hat.
Nach weit über 700 Wörtern zum Thema mag dieser Ratschlag an jene, die bis hier brav mitgelesen haben, seltsam anmuten, aber: einfach anschauen, nicht nachdenken. So lässt sich dieser Film am besten genießen. Und das ist schließlich Sinn und Zweck eines Actionfilms, alles andere ist, sind wir uns ehrlich, Luxus.