Das Konzept war nicht neu, bloß die Form war es. Halb grobschlächtiges Fabelwesen, halb außerirdisch anmutender Fremdkörper inmitten computeranimierter Wald und Wiesen-Idylle machte sich anno 2001 über Zeitgeist, sich selbst, und vor allem über den Unterhaltungs- und Wirtschaftskoloss Hollywood lustig. War Seitenhiebakrobatik vormals überdrehten Slapstick-Protagonisten wie Leslie Nielsens Frank Dreblin vorbehalten, witzelte sich ab sofort ein pixel-gefertigtes Monster mit übergroßem Niedlichkeitsfaktor durch eine raffinierte Genremischung. (Umso amüsanter, dass Shrek & Co von Anfang an von Super-Stars der Traumfabrik gesprochen wurden, die sich zumeist selbst in den Figuren wiederfanden).
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| "Oh Shrek, ich bin schwanger!" |
Jetzt nach der Heirat der nächste logische Schritt: Shrek wird Vater. (Neben nicht immer ins Ganze passenden Nebensträngen ist das der Ausgangs- und gleichzeitige Endpunkt des Films.) Und es entspricht nur der dramaturgischen Logik einer auf Langzeit angelegten Filmserie, dass dies nicht ohne größere Hindernisse von statten gehen kann.
Alpträume von einer Horde furzender und rülpsender kleiner Oger überspielt der animierte Held, indem er sich auf die Suche nach dem verheissenen Thronfolger macht. Wiederum knüpft das Konzept des Drehbuchs am Road Movie an: Shrek legt, begleitet vom geschwätzigen Esel (Eddie Murphy) und dem gestiefelten Frauenhelden (Antonio Banderas mit Latino-Akzent, routiniert Katerstimmung verbreitend) eine Reise zurück, in deren Verlauf Lerneffekt und Witz nicht zu kurz kommen sollen.
Der Spaßfaktor dabei ist neuerlich das Resultat einer bunten Zitatesammlung durch die jüngere Filmgeschichte und Populärkultur. Nur tut sich dieser Teil schon wesentlich schwerer, die Pausen zwischen den Pointen kurz zu halten. Anklänge an Campus-Komödie – Studiosus Artie ist umgeben von kiffenden Mitstreitern – und aktuellen Actionknallern – in Charlie’s Angels-Manier und Led Zeppelin’s „Immigrant Song“ im Ohr wird Weit Weit Weg zurück erobert – wechseln sich ab mit publikumsschonenden Politgags. Einer der Höhepunkte in diesem Sinne ist, als Ekelprinz Charming in einem heruntergekommenen Pub Piraten, Hexen, Bösewichte, kurz all die Ausgegrenzten der Märchenwelt, zu einer Revolte gegen die „Guten“ anstachelt.
Shrek der Dritte ist also erwachsen geworden, und das ist in Wahrheit sein wunder Punkt. Regisseur Chris Miller, der bereits bei Teil 1 und 2 am Drehbuch Oger-Erfahrung sammeln durfte, setzt hier eine – von rekordverdächtigen 7 Autoren verfasste – Story um, die nur noch auf das Unterhaltungsbedürfnis einer medial geschulten Schicht Rücksicht nimmt. Seine kindliche Verspieltheit hat Shrek zu Gunsten eines nur teilweise gelungenen Star-Bashings aufgegeben: Prinz Artie ist eine 1:1 Kopie von Popstar Justin Timberlake, der sich selbst (freilich im hier ausdrücklich empfohlenen amerikanischen Original) über sein Weichei-Image lustig machen darf.
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| Schlafwandler auf Drogen: Zauberer Merlin, gesprochen von Ex-Monty Python Eric Idle |
Derlei Einfalt verheisst für Shreks Kino-Zukunft außer Geldvermehrung nicht wirklich Gutes. Bleibt zu hoffen, dass der gemütliche Oger nicht so wird wie Zauberer-Legende Merlin: Der ist in Shrek der Dritte nur mehr ein umnachteter alter Mann im Schlafrock, ein lächerliches Abbild eines einst großen Magiers.