Zwischen Verantwortung und Lebensplanung, zwischen Tradition und Aufbruch, zwischen Wirklichkeit und Wunschdenken zeichnet Regisseur Daniel Sánchez Arévalo die Gefühlsschattierungen eines jungen Lebens.
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Jorge (Quim Gutiérrez) lebt mit seinem pflegebedürftigen Vater (Héctor Colomé) in einer kleinen Hausmeisterwohnung und betreut einen Häuserblock. Neben der täglichen Routinearbeit hat er es geschafft, sein BWL-Studium abzuschließen und träumt nun von einem anderen, besseren Leben. Sein Bruder Antonio (Antonio de la Torre) verliebt sich im Knast in die junge Paula (Marta Etura), die ihn anfleht, ihren Kinderwunsch zu erfüllen, um in die geschützte Mutter-Kind-Station des Gefängnisses zu kommen. Antonio ist jedoch unfruchtbar und bittet seinen Bruder Jorge, als Samenspender einzuspringen - eine Entscheidung, die in vielerlei Hinsicht nicht ohne Folgen bleibt.
Kritik
Der Bruch mit den Traditionen, die unterschiedlichen Vorstellungen über die Lebensführung, ein Leben, so wie es sich ein junger Mensch ausmalt, wie er es sich wünscht. Eine Rebellion gegen vorgegebene Regeln ist pubertär, das Aufbegehren Teil des „Erwachsenwerdens“ und eine zu überwindende Entwicklungsstufe.
Doch da gibt es danach eine weitere mögliche, postpubertäre Stufe. Es gilt, die unüberwindbar erscheinenden Hürden zu meistern, mit denen sich jemand auseinandersetzen muss, will er/sie eine Gesellschaftsschicht „höher“ durch diese Welt schreiten. Wieder eine Rebellion gegen die ältere Generation, mit dem Unterschied, schon zu alt für wirklich pure Provokation und ungenierten Egoismus zu sein. Rebellion mit einem traurigen Blick, mit der Verantwortung im Nacken und den Gedanken an ein anderes, gänzlich anderes Leben im Kopf.
Regisseur Daniel Sánchez Arévalo sticht mit seinem Film in ein Wespennest und thematisiert das aktuelle Generationenproblem, schon mit Mitte zwanzig metertief in einer Persönlichkeitskrise zu stecken. Gut vergleichbar mit dem Stil Pedro Almodóvars, nur mit dem Unterschied, einen männlichen Protagonisten bei den Lebens- und Liebesproblemen zuzusehen, konstruiert Arévalo eine höchst nachvollziehbare wie bedrückende Situation. Ein gesellschaftskritischer wie aktueller Film über eine Zweiklassengesellschaft, die ihre Kinder von innen her auffrisst.