Jerry Bruckheimers sonnenbebrillte Cop-Idealisierung
Bad Boys (vom Verleih gleich im Zusatztitel marketingmäßig verwurstet), ist gewollte Assoziation. Nicht nur, weil
Simon Pegg gleich zu Beginn von
Hot Fuzz im Inferno von Kugelhagel, Bombenxplosionen und Waffenschiebereien alles platt walzen darf, was sich mal bewegt hat; sondern weil hier zwei am Werk sind, die mit ihrer Leidenschaft nicht hinterm Berg halten.
Edgar Wright und
Simon Pegg sind das britische Äquivalent zu
Tarantino/Rodriguez: Ein Regisseur und sein Co-Autor, für die Filmemachen in erster Linie eine Freakshow ist; für die die Huldigung ihrer Action- und Horrorfilm-Passion so viel wert ist, dass sie die Hauptakteure vor dem Fernseher lungernd über
Patrick Swayzes Kidnappermaske in
Point Break philosophieren lassen. Liebenswerte Denkmalpflege geht also vor parodistischer Sketchparade.
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| An der richtigen Fangtechnik muss noch gefeilt werden: Simon Pegg und Nick Frost auf der Jagd nach dem entlaufenen Schwan |
Was schon Routine hat. 1999 schnalzten Wright und Pegg ihren Landsleuten die Sitcom „Spaced“ hin: aufgrund seiner visuellen Einfälle (Flashbacks, schnelle Schnitten und Effekte aus der Horror- und SciFi-lade) und der aberwitzigen Referenzen auf die Populärkultur eine kleine TV-Sensation. Dann der erste Spielfilm Shaun of the Dead: Wrights augenzwinkerndes Spiel mit Genre-Versatzstücken aus Altmeister George A. Romero’s Zombie-Filmen wurde wegen des entspannten, aber nie respektlosen Umgangs mit seinen Vorbildern rasch zum Kult.
Dieses Prädikat dürfte Hot Fuzz nicht ausnahmslos für sich beanspruchen: Wright spielt mit bekannten Situationen und Erfahrungswerten, führt sie nach dem nächsten Schnitt ad absurdum, um irgendwann die Maske des bösen schwarzen Mannes zu lüften. Hier ist es der örtliche Shopping-Magnat Skinner in Gestalt von Ex-Bond Timothy Dalton (mit Schnauzer und Geheimratsecken!), der Nicholas und den Zuseher ordentlich für blöd verkaufen darf: „It was just another nasty accident”, ist seine nur bedingt glaubwürdige Erklärung für die Todesfälle.
Wer Shaun of the Dead gesehen hat, weiß: Es ist nichts so, wie es scheint. Nur dauert es in Hot Fuzz bedeutend länger, bis die Masken gelüftet werden: Bis zum Aha-Effekt inszeniert Wright die Akklimatisierung des Supercops als Kulturkampf zwischen Stadt und Land mit reichlich Gaguntersatz. Die Dorfpolizisten sind faule Sesselkleber, die sich ihr Geflecht aus Freundschaftsdienst und Korruption nicht so leicht zerstören lassen wollen, auf der anderen Seite der präpotente Cop mit akutem Hang zur Missionierung.
Auch wenn es an guten Pointen nicht mangelt: Zuweilen wirkt Hot Fuzz als bessere Actionkomödie konventionell und lässt zu viele Leerstellen zu.
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| Volles Rohr im Supermarkt |
Richtig spaßig wird’s erst, wenn der pedantische Sicherheitsfanatiker und sein dicklicher Kollege genau jenes Aktion-Kino auf die Spitze treiben, das Hollywood so gern als Normalfall abtut. Das Who is Who des britischen Kinos (u.a. Jim Broadbent als übermächtige Vaterfigur) tritt dann gegen eine neuzeitliche Slapstick-Variante von Stan und Ollie an, die freilich trotz ihrer Unzulänglichkeiten am Ende siegreich bleiben.
Da schöpfen die Macher aus dem Vollen und der eigenen Filmographie: Wenn die Widersacher irgendwann wie Zombies aussehen (und auch so krepieren) und sich die Provinzbullen das Supermarktinterieur um die Ohren schießen, dann ist das Wesentliche offensichtlich: Dass am Set nicht nur mächtig viel Ketchup geflossen ist, sondern auch der lockere Schmäh die Oberhand gewonnen hat.