Suche: Suche abschicken


Ein fast perfekter Serienkiller
David Fincher ist zurück mit einem detailgetreuen Recherchethriller über einen Massenmörder im Großraum San Francisco der 60er und 70er.


Werbung


Die Filmmusik geliebt hat Miriam Daill

Der Zodiac ist einer der populäreren Serienmörder der USA, der von der Polizei trotz schwer belastender Beweislage nie gefasst werden konnte. Er selbst sprach von dreizehn Opfern, vermutlich ist die Zahl aber mehr als doppelt so hoch. Sein Markenzeichen waren Briefe mit Chiffren und codierten Botschaften an Verwaltungsbehörden, Zeitungen und sonstige Institutionen, die Zeugnis des irren Vorhabens, wahllos Menschen zu töten sind.
Finchers Film Zodiac ist an diese Geschichte angelehnt. Der Karikaturist Robert Graysmith (Jake Gyllenhaal), der beim San Francisco Chronicle arbeitet, schafft es aufgrund seiner kriminologischen Ader, einen Code des Zodiac zu knacken. Was er herausfindet erzählt er seinem Kollegen, dem etwas ruppigen Reporter Robert Avery (Robert Downey Jr.), der genauso wie Inspektor David Toschi (Mark Ruffalo) durch die Zodiac-Geschichte unfreiwillig über Nacht berühmt wird.

Kritik
David Fincher gilt als einer der innovativsten und wichtigsten Filmemacher der Kinogegenwart. Auf seiner Liste stehen Filme wie Alien 3, Sieben, Fight Club (einer der Kultfilme überhaupt) und Panic Room. Mit so einer "Last" ist es immer besonders schwer – vor allem nach einer 5-jährigen Pause – etwas nachzuliefern, das vor dem Publikum besteht. Fincher entgeht diesem Druck insofern ein wenig, als er sich auf ein für ihn neues Filmgenre einlässt. Die Detailgenauigkeit, die er dabei an den Tag legt - immerhin 157 Minuten Filmlänge - verlangen viel Sitzfleisch und Geduld.

Zodiac wird all jene enttäuschen, die sich einen schnellen, spannenden und blutrünstigen Thriller erwarten. Fincher lässt die visuellen Spielereien, für die er so bekannt ist, aber trotzdem keineswegs unter den Tisch fallen. Bei Zodiac steht aber am Ende doch die Geschichte mehrerer Personen, die damit beschäftigt sind, einem Mörder auf die Spur zu kommen und mehr oder weniger in eine Art Obsession verfallen, im Vordergrund. Der Stoff des Films steht darüber hinaus mit ihm selbst in Verbindung: Der damals Siebenjährige, der auch in der Bucht von San Francisco aufgewachsen ist, erinnert sich an den Zodiac als unheimlichen Mythos, der ständig präsent war und vor dem sich alle zu fürchten schienen. Die Schulbusszene im Film ist sozusagen eine Szene aus Finchers Leben aus erster Hand. Er selbst saß damals in dem Schulbus, in einer Gruppe von Kindern, die der Zodiac auf seiner Abschussliste hatte. An dieser Stelle grüßt den Kinoliebhaber natürlich Don Siegels Dirty Harry, der ebenfalls die Geschichte eines Massenmörders im San Francisco der 70er zum Thema hatte.
Filmverknüpfungen gibt’s aber auch an anderen Stellen: Der Zodiac selbst schien auch ein Filmfreak zu sein. In dem Brief, den er unter anderem der Zeitungsredaktion zugeschickt hatte, und den Graysmith knacken konnte, findet sich ein Hinweis auf den Film The Most Dangerous Game aus dem Jahr 1932.

Auffällig ist, dass Fincher mit Zodiac dem Thriller-Kino, das die Massenmörder bisher in den meisten Fällen zu übermenschlich grausamen Kreaturen hochstilisierte, den Gar ausmacht. Er entmystifiziert den Zodiac als Typen, der in seinen codierten Gruselbriefen Rechtschreibfehler macht und auch sonst keineswegs immer fehlerlos vorgeht. Nach Fincher wird man sich in der Liga Filme-über-extrem-gestörte-Serienmörder etwas Neues einfallen lassen.

Zitat
Robert Graysmith: Paul, are you okay?
Paul Avery: No... but thanks for asking.

Paul Avery: (auf den blauen Drink von Graysmith blickend): Ok, this can no longer be ignored, what is that?

Robert Graysmith: Does anybody call me things like…
Paul Avery: ...Retard?
R. G.: Yeah?!
P. A.: No.
Webpage zu Zodiac
http://www.zodiacmovie.com/