Düster ist die Lage: Die britische Ostindien-Kompanie will die Piraterie ausrotten; Sie ist nicht gut fürs Geschäft. Sogar in Singapur lauern die Truppen von Lord Cutler Beckett (Tom Hollander) dem Grüppchen von Elizabeth Swann (Keira Knightley) und Captain Barbossa (Geoffrey Rush) auf. Vom dortigen Freibeuterfürsten Sao Feng (Chow Yun-Fat) erhoffen die sich ein Schiff, eine Mannschaft und eine Karte, die sie in die Welt jenseits der unseren bringen kann. Denn dort, im Reich von Davy Jones, dürfte Jack Sparrow (Johnny Depp) gerade um den Rest seines Verstands kommen.
 |
| Auf dem Weg zur Piratenkarriere? Elizabeth (Keira Knightley) hat das Kommando |
Vorab: Bleibt bis nach dem Abspann sitzen. Sonst entgeht euch eine Szene, die ihr sicher noch sehen wolltet.
Könnten Filme darauf reagieren, von wem sie gemacht worden sind, dann würden die Filmrollen und Festplatten, auf denen
Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt ausgeliefert wurde, vor lauter Zwiegespaltenheit explodieren. Immerhin hat Disney mit der Verfilmung seiner Themenparkattraktion beträchtlich mitgeholfen, dass Piraten wieder in Mode sind; Was aber nicht heißt, dass die heutigen Piraten, die sich zum Beispiel im Netz tummeln, in ihren Augen nicht Verbrecher wären.
Wo wäre also der Disney-Konzern in seinem eigenen
Fluch-der-Karibik-Universum zu finden? Vielleicht am ehesten unter den Handlangern, die ihr Fähnchen nach dem Wind drehen, gelegentlich eins auf die Nase bekommen, sich aber beständig durchlavieren. Also Seite an Seite mit
Jerry Bruckheimer, der plötzlich entdeckt hat, dass es angesagt ist, gegen Freihandel, Kapitalismus und Bush zu motzen. Mehr denn je wird also im Finale der Freibeuter-Saga mit der War-on-Terror-Kritik kokettiert, um die eigene Marke direkt am Puls der Zeit zu haben.
Ton angebend sind im Film aber die Auseinandersetzungen und Seitenwechsel, die Allianzen und Gegenallianzen, die in fast vollkommene Verworrenheit führen bis alle dankbar sind, wenn es plötzlich heißt: Ok, genug des Geplänkels. Jetzt zerlegen wir ordentlich was und bringen alles zu einem runden Ende.
Dabei löst die Produktion trotzdem nicht ihr schauspielerisches Glaubwürdigkeitsproblem. Ja,
Johnny Depp ist schon fast jenseitig gut als Jack Sparrow, egal ob er mit jemandem spielt oder nur mit sich selbst in einem Raum voller weiterer Jack Sparrows – und vor allem wenn er mit einer Ziege anbandelt. Aus
Orlando Bloom aber wurde nie auch nur ansatzweise der
Errol-Flynn-Nachfolger, als der er angeheuert wurde. Das Beste wiederum, was den Drehbuchschreibern zu
Keira Knightley einfiel, war Upskirt-Witzchen zu reißen oder sie eine
Independence-Day-Präsidentenansprache aufsagen zu lassen - überhaupt der Höchststrafe würdig.
So also lässt sich bei
Am Ende der Welt eigentlich nur auf das Kabumm und die Gags bauen – und glücklicherweise: Von beidem hat der Streifen genug, verteilt auf die ziemlich hohe Anzahl schillernder Gestalten bis runter zum dynamischen Duo Äffchen und Papagei - Der Film liebt seine Momente und pflegt sie, vor allem die ganz besonderen, die er opulent vorbereitet und in Szene setzt, sei es die Fahrt einer Dschunke durch ein Meer voller Sterne, der Zeitlupen-Gang über ein ringsum zerfetzendes Schiffsdeck oder jene, die dann lieber doch nicht gespoilert werden sollten. Er weiß immer, wann und wo die Hauptattraktion ist, zelebriert sie, und
Hans Zimmer - diesmal wieder der Chef persönlich - leitet sie auch noch pompös ein, ohne jemals viel Originalität beweisen zu müssen; So klingt dann eben das Gipfeltreffen der Kontrahenten nach
Morricone und
Spiel mir das Lied vom Tod.
Obwohl der abschließende Teil von
Fluch der Karibik also zu unterhalten weiß, obwohl er sich beständig Wind in die Segel pustet und einen Bombast-Showdown liefert, bleibt doch der sanfte Nachgeschmack, etwas betrogen worden zu sein. Nicht um den vollen Abschluss der Geschichte, nicht um ein letztes „Savvy.“, schon gar nicht um einen Auftritt von
Keith Richards, der nicht besonders, aber einfach da ist und deshalb Szenenapplaus verdient. Aber um die Originalität. Denn die – und das offenbart der dritte Teil für sich und seinen beiden Vorgänger – die hat er sich bei vielen anderen Dingen abgeschaut.
 |
| Mit lebenslanger Bindung hatte er was anderes gemeint: Will Turner (Orlando Bloom) hat sich von Sao Feng schnappen lassen |
Sao Feng:
„Drop the weapons, or I kill your man“
Barbossa:
„Kill him, he's not our man.“ Barbossa:
„Still thinking of running, Jack? Think you can outrun the world?“ Jack Sparrow nach seinem waghalsigen Entkommen:
„...And that was without even a single drop of rum.“ Jack Sparrow, ob er der neue Kapitän des Flying Dutchman werden soll:
„I don't have the face for tentacles.“ Norrington zu Elizabeth:
„Our fates have been entwined, but not joined.“
Elizabeth, als sich alle Piratenfürsten prügeln:
„That is madness!“ Jack Sparrow:
„This is politics.“ Jack Sparrow zu Captain Teague (
Keith Richards):
„How's Mum?“ Teague hält ihm einen Schrumpfkopf entgegen.
Jack Sparrow:
„She looks great!“ Der Papagei beim Anblick der britischen Armada:
„Abandon ship! Abandon ship!“
Der angekrustete Jack Sparrow zu den anderen Jack Sparrows:
„Nobody move! Dropped me brain!“ ACHTUNG, SPOILER! WEITERLESEN AUF EIGENE GEFAHR!
 |
| Bootstrap Bill (Stellan Skarsgard): Der Ausschlag von Will Turners Papa wird immer schlimmer |
Will Turner mitten im Enterkampf:
„Elizabeth, will you marry me?“
Elizabeth über den Schlachtenlärm hinweg:
„I think now is not the best time!“
Barbossa zu Will und Elizabeth:
„You may kiss...(wird von Kämpfern bedrängt) - Just kiss.“ Cutler Beckett als ihm dämmert, dass sein Plan zunichte ist:
„It's just...good business.“ Elizabeth:
„Jack, it would have never worked out between us.“
Jack Sparrow:
„Keep telling yourself that, Darling.“